Alba Berlin : Charaktertest bestanden

Mit dem Eurocup-Erfolg haben Albas Basketballer einen frühen Bruch in der Saison verhindert.

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Marko Marinovic war mit 14 Punkten zusammen mit Julius Jenkins Albas Topscorer gegen Caserta. Foto: Krüger
Marko Marinovic war mit 14 Punkten zusammen mit Julius Jenkins Albas Topscorer gegen Caserta.Foto: Krüger

Berlin - Luka Pavicevic schaute, als habe er die Frage nicht verstanden. „Erleichtert?“, wiederholte Albas Trainer. „Nach dem Spiel habe ich keinen Grund, erleichtert zu sein“, sagte Pavicevic und wies auf die zweite Hälfte gegen JC Caserta hin, als sein Basketball-Team zur Halbzeit mit 22 Punkten geführt hatte und dann doch noch ein paar Probleme bekam. „Zufrieden“ sei er, darauf ließ sich der Serbe schließlich ein. Zufrieden damit, dass sich die Berliner mit dem vierten Sieg im vierten Spiel vorzeitig für die Eurocup-Zwischenrunde qualifiziert hatten, und vor allem damit, „dass wir es nicht zulassen, dass uns einige Aspekte aus der Bahn werfen“.

Mit „einigen Aspekten“ meinte er die 34-stündige Rückreise aus Italien und die anschließende 87:95-Niederlage in Braunschweig. Danach hatte Pavicevic ungewohnt untergangsprophetisch gewarnt: Man befinde sich an einem kritischen Punkt, der über den Restverlauf der Saison entscheiden könne. „Ob und wie wir diese Herausforderung meistern, ist ein echter Test für unsere Professionalität.“ Nach dem 79:62-Sieg gegen Caserta konnte er zufrieden feststellen, dass seine Spieler den Charaktertest bestanden hatten. „Ich habe einige Punkte angesprochen und das Team hat reagiert.“

Es war durchaus wichtig für die Berliner, dass es am ausgemachten Knackpunkt für den weiteren Saisonverlauf nicht zum Bruch kam. Denn vor einem halben Jahr noch kam es zum plötzlichen Einbruch. Damals hatte sich die Anreise zum Final-Four-Turnier im Eurocup wegen des Vulkanausbruches in Island 27 Stunden hingezogen und nach der Finalniederlage gegen Valencia schied man früh in den Play-offs aus. „Es war eine ähnliche Situation wie nach Valencia,“ verglich Pavicevic. Der Sieg gegen Caserta spricht also für die Mentalität des aktuellen Alba-Teams, ebenso, dass es die Reisestrapazen zuvor nicht als Ausrede nutzte. „Wir sprechen nicht von Müdigkeit“, sagte Patrick Femerling. „Wir wollten uns für eine schlechte Defensivleistung gegen Braunschweig rehabilitieren – dieser Wille ging durch die ganze Mannschaft.“ Insofern habe Alba „den Mentalitätstest bestanden“, stellte er fest und schmunzelte dann selbst über den Begriff.

Auch Geschäftsführer Marco Baldi zeigte sich erleichtert, wie die Mannschaft mit dem ersten richtigen Rückschlag seit dem Scheitern in der Europaliga-Qualifikation umging. „Ich finde es gut, dass die Spieler die Müdigkeit nach außen hin nicht als Ausrede heranziehen – intern würden wir dies ohnehin nicht akzeptieren“, sagt Baldi. Auch er teilte Pavicevics Sicht darüber, dass nach einer Serie von sieben Siegen und der folgenden Braunschweig-Pleite eine weitere Niederlage fatale Folgen gehabt hätte. „Bei einem neu zusammengestellten Team stellt sich nach vielen Siegen gleich ein Selbstbewusstsein über die eigene Stärke ein, darüber, dass die Systeme funktionieren“ sagt Marco Baldi, „aber das kann durch einige Niederlagen ganz schnell erschüttert werden.“

Und so ist der 48-Jährige erleichtert, dass sich Alba im Eurocup schnellstmöglich für die Runde der letzten 16 Teams qualifiziert hat. „Denn eine Lösung scheidet aus: Im Eurocup Energie zu sparen und ein Ausscheiden in Kauf zu nehmen, um mehr Kraft für die Meisterschaft zu haben“, sagt Baldi. Daher will Alba auch in den letzten beiden Vorrundenspielen in Bestbesetzung antreten, um Gruppenerster zu werden. In diesem Fall würden die Berliner in der Zwischenrunde auf zwei Gruppenzweite und einen Gruppenersten treffen, nach dem aktuellen Tabellenstand wäre das der italienische Traditionsklub aus Treviso.

Bis zu einem erneuten Finaleinzug wie im vorigen Jahr gegen Valencia ist es aber noch ein weiter Weg. Findet auch Trainer Pavicevic. Im Europapokal seien es „nicht einfach nur 22 Spiele und dann bist du im Finale“, sagt Pavicevic. „Das sind sechs, sieben Mini-Wettbewerbe, in denen es jeweils heißt: Bestehe oder stirb.“ Einen Wettbewerb davon hat Alba bestanden.

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