Alba Berlin : Mit Kunst und Kampf

Die Basketballer von Alba Berlin siegen 95:73 gegen Bremerhaven und ziehen ins Play-off-Halbfinale ein.

Helen Ruwald

BerlinEine Minute vor Schluss tauchten auf der Anzeigetafel die Spieltermine für die Halbfinal-Heimspiele auf: Am Dienstag, 27. Mai um 20.45 Uhr und am Sonntag, 1. Juni um 17.30 Uhr kann die Basketballshow made by Alba Berlin weitergehen. Der Spielverlauf im dritten Play-off-Viertelfinale gegen die Eisbären Bremerhaven hätte es erlaubt, die Daten schon früher anzuzeigen, doch so respektlos wollten die Gastgeber nicht sein. Bei einer 95:69-Führung war alle Zurückhaltung vorbei, kurz darauf war der 95:73 (55:33)-Sieg perfekt. Wie schon vor einer Woche beim 105:65 im ersten Aufeinandertreffen feierten die 7618 Fans auf den Rängen ein Volksfest, daran konnte auch das klar verlorene letzte Viertel (14:22) nichts ändern. Die Berliner Profis überzeugten mit Konzentration, Kampf und Kunstwürfen.

Im Halbfinale treffen die Berliner auf den Deutschen Meister Bamberg oder die Baskets Oldenburg, die in der Serie 2:0 führen und mit einem Erfolg heute Abend Bambergs Scheitern perfekt machen können. Das Viertelfinal-Aus vom Vorjahr haben die Berliner nun endgültig vergessen gemacht. Es war Albas erster Erfolg mit 3:0-Siegen in einer Play-off-Serie seit 2005, als die EnBW Ludwigsburg im Viertelfinale mit diesem Ergebnis geschlagen wurde. Dominant waren die Berliner von Anfang an. Hatten sie in Bremerhaven am Sonntag zwischenzeitlich mit zehn Punkten zurückgelegen und das Spiel erst in der Schlussphase gedreht, so war die Rollenverteilung gestern klar. Alba führte nach zweieinhalb Minuten 10:3 und kurz darauf trotz zweier Dreipunktewürfe von Bremerhavens Ivars Timermanis 15:8. Kurz durften die Gäste hoffen, als sie zum 15:15 ausgleichen konnten, doch mehr ließ Alba nicht zu.

Der starke Immanuel McElroy, der trotz noch nicht ausgeheilter Bänderdehnung im Knöchel überragend spielte, konterte mit einem Distanzwurf. Weitere Dreier von Julius Jenkins und Goran Nikolic folgten, nach zehn Minuten führte Alba bereits 30:19, hatte vier Dreier verwandelt (14 insgesamt) und nur fünf Fouls kassiert. In der Viertelpause bejubelten die Fans bereits den Titel – noch nur den für die Albambinis, die jüngsten Tänzerinnen, die Pfingsten ihren EM-Titel verteidigt hatten. Doch die Profis taten alles, um die Frage aufzuwerfen, wer bitteschön diese Alba-Mannschaft auf dem Weg zum deutschen Meistertitel stoppen soll. Dabei traf gestern Abend Julius Jenkins, der in den ersten beiden Spielen 26 und 28 Punkte gemacht hatte, nicht gut: Nur acht Punkte gelangen ihm. Aleksandar Nadjfeji, der in Bremerhaven mit 25 Zählern eine persönliche Saisonbestleistung aufgestellt hatte, kam auf 14 Punkte bei hundertprozentiger Wurfquote. Dabei traf Albas schlechtester Freiwurfschütze alle seine vier Freiwürfe.

Auch andere taten viel für die Korbausbeute: Goran Nikolic hatte schon zur Pause 13 seiner 14 Zähler erzielt, Spielmacher Bobby Brown machte im dritten Viertel neun von Albas ersten 16 Punkten zur 71:41-Führung. Und vor allem Immanuel McElroy, dem seine Verletzung aus dem ersten Play-off-Spiel nicht anzumerken war. Eigentlich gilt er in erster Linie als knallharter Verteidiger, doch gestern gehörten auch 23 Punkte zu seiner Bilanz, darunter ein Dreier mit der Schlusssirene des dritten Viertels. Begeisterten Jubel hatte es zuvor schon gegeben, als der Hallensprecher die Niederlage der Artland Dragons Quakenbrück gegen die Baskets Bonn verkündet hatte, die in der Serie nun 2:1 vorne liegen.

95:62 führte Alba drei Minuten vor Schluss, die Fans sangen „wir wollen die Hundert sehen“ – dazu kam es nicht mehr, fortan punktete nur noch Bremerhaven. Gestört hat es niemanden mehr gestern Abend.

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