Alba verliert Play-off-Auftakt : Ausgelaugt und emotionslos

Alba Berlins Basketballer kämpfen nach dem 71:76 im ersten Play-off-Viertelfinale gegen die Skyliners Frankfurt gegen ein frühes Aus.

Helen Ruwald

Berlin - Marco Baldi hat keine Nerven für Gerüchte. Alba bekomme eine Wildcard für die Europaliga, meldete eine Boulevardzeitung gestern. „Davon weiß ich nichts“, sagte Alba Berlins Geschäftsführer, „ich bin noch nicht dazugekommen, nachzufragen. Wir haben jetzt einen anderen Fokus.“ Natürlich will Alba in die Europaliga, und sollte der Klub nicht Deutscher Meister werden, wäre eine Wildcard – so wie 2009 – hoch willkommen. Und so abwegig scheint die Idee nicht, dass ein Team, das ins Eurocup-Finale vordringt, mit einer Wildcard für den nächsthöheren Wettbewerb belohnt wird.

Doch derzeit geht es bei Alba nur darum, unter allen Umständen das Aus im Play-off-Viertelfinale gegen den Hauptrunden-Siebten Skyliners Frankfurt zu verhindern, das die Berliner schlimmstenfalls in fünf Tagen ereilen könnte. Das erste Spiel der Best-of-five-Serie verlor der Favorit am Sonntag in eigener Halle 71:76, am Donnerstag in Frankfurt muss das Team von Trainer Luka Pavicevic siegen, um nicht im dritten Aufeinandertreffen schon gegen einen frühen Urlaubsbeginn zu kämpfen. „Wir haben uns das komplett anders vorgestellt“, gab Baldi zu.

Die leidige Schiedsrichterdiskussion der vergangenen Wochen war am Sonntag kein Thema, die Beteiligten suchten die Schuld bei sich selbst. „Wir wissen, dass wir so nicht auftreten dürfen, das darf nicht passieren“, sagte Spielmacher Steffen Hamann, der Leidenschaft und Emotionen vermisste. „Jeder muss in den Spiegel schauen und sich selbst hinterfragen.“ Adam Chubb, der sich wie sein Center-Kollege Blagota Sekulic unter dem Korb kaum durchsetzen konnte, forderte „mehr Aggressivität“. Chubb hatte vor den Play-offs noch darauf hingewiesen, was Alba tun müsse, um einen ähnlich holprigen Start wie 2009 zu vermeiden. Vor einem Jahr setzte sich Alba erst in fünf Spielen gegen den Außenseiter Paderborn Baskets durch und scheiterte dann im Halbfinale an Bonn. „Man muss in jedem Spiel 40 Minuten lang total fokussiert sein, sonst bekommt man Probleme“, hatte der US-Amerikaner gesagt. Umsetzen konnten die Berliner Profis dieses Vorhaben am Sonntag nicht.

„Die Frankfurter haben uns den Heimvorteil weggenommen. Sie waren immer einen Schritt voraus und haben einfach zu viele Dreier durch zweite Chancen getroffen. Wir waren nicht ruhig genug“, kritisierte Trainer Luka Pavicevic. Auch als Alba in der Schlussphase nach einem Zehn-Punkte-Rückstand noch einmal auf drei Zähler herankam, erweckte das Team nie den Eindruck, tatsächlich siegen zu können. Schon in den vorherigen Heimspielen gegen Bremerhaven und Ludwigsburg hatte Alba die Gegner mit Mühe niedergekämpft. Nach dem Saison-Höhepunkt, dem verlorenen Eurocup-Finale in Vitoria (44:67 gegen Valencia) vor drei Wochen, hat die Mannschaft den Rhythmus verloren und wirkt müde, körperlich wie geistig. In Frankfurt soll am Donnerstag der Niedergang gestoppt werden. Auswärts hat Alba in der Bundesliga zuletzt in Braunschweig und in Göttingen Niederlagen eingesteckt, international aber aufhorchen lassen: Beim Topteam Badalona musste Alba siegen – und siegte. Ins Eurocup-Halbfinale gegen Bilbao gingen die Berliner als Außenseiter – und gewannen mit einer imponierenden Leistung.

„Der Druck ist jetzt groß, aber unter Druck haben wir die besten Spiele gemacht“, sagt Hamann. Hält Alba ihm nicht stand, könnte es dem Team so ergehen wie 2007: Damals scheiterte der Hauptrundenerste im Viertelfinale mit 0:3-Siegen am Achten Quakenbrück. Nach dem Debakel musste Henrik Rödl gehen, Luka Pavicevic kam. Der Mann, der Alba regelmäßig zum Meistertitel führen soll. 2008 war er auf Anhieb erfolgreich , nun könnte er zum zweiten Mal in Folge scheitern.

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