Alba : Zu aufgeregt

Alba Berlin bringt Ankara kurz ins Grübeln – und vergibt mit einfachen Fehlern die Siegchance. In Sarajevo entscheidet sich, ob Alba im Uleb-Cup weiterkommt.

Helen Ruwald

Berlin - Die Statistik sieht gar nicht so schlecht aus. Die Feldwurfquoten von Alba Berlin und Turk Telekom Ankara waren am Dienstagabend fast identisch. Bei den Ballgewinnen lag Ankara vorn, bei den Rebounds, zuletzt Albas Schwäche, dominierten die Berliner mit 34:25 deutlich. Klar schlechter waren sie nur bei den Freiwürfen, Alba verwandelte fünf von neun, Ankara 16 von 17. Am Ende verloren die Gastgeber mit 73:81 und müssen um den Einzug in die Runde der letzten 32 Teams zittern. Die Entscheidung fällt am kommenden Dienstag am letzten Spieltag bei Bosna Sarajevo. „Ich habe lange nicht ein so abgeklärtes Team gesehen, das war beeindruckend“, sagte Berlins Geschäftsführer Marco Baldi. Vor allem Ankaras Spielmacher Khalid El-Amin , Topscorer mit 24 Punkten, war nicht zu stoppen. „Trotzdem haben wir es geschafft, sie etwas zum Grübeln zu bringen. Aber genau in diesen Sekunden haben wir ihnen durch einfache Fehler ihre Sicherheit zurückgegeben.“

Baldi spielte dabei auf vergebene Freiwürfe und Dreipunktewürfe an sowie auf mehrere Situationen, in denen Alba bei schnellen Gegenangriffen ein 3:1-Überzahlspiel nicht nutzen konnte. Nach einem 14-Punkte-Rückstand zu Beginn des dritten Viertels hatten die Berliner sich kurz vor Ende auf vier Zähler herangearbeitet. Dann landete ein Pass von Julius Jenkins, der eigentlich Dijon Thompson hätte erreichen sollen, bei einem solchen Überzahlspiel weit im Aus – vertan war die Chance.

„Wir waren zu aufgeregt, als wir so nah herangekommen sind“, sagte Spielmacher Bobby Brown, „dann haben wir Fehler gemacht.“ Die Gäste, bei denen sogar Spitzenspieler Michael Wright verletzt fehlte, bewiesen, dass sie zur europäischen Spitze gehören.

Im Gegensatz zu Brown sieht Center Patrick Femerling den Grund für die Niederlage in der Anfangs- und nicht in der Schlussphase. „Wir haben sie zu früh zu gut ins Spiel kommen lassen. Wenn das einem Team mit einem solchen Potenzial gelingt, ist es schwer, noch einen Riegel vorzuschieben.“ Zumal bei Ankara mehr Impulse von den starken Bankspielern kamen, während Albas Trainer Luka Pavicevic nach der Pause nur noch mit sieben Mann spielen ließ. Subotic und Stefanovic kamen nicht mehr, Zwiener sowie die Nachwuchsspieler Fassler und Heyden überhaupt nicht zum Einsatz.

In Sarajevo habe Alba nun „keine andere Wahl als zu gewinnen“, sagt Femerling. Bei einer Niederlage müssten jedenfalls die Taschenrechner ausgepackt werden. Alba liegt derzeit auf dem vierten Rang der Gruppe A hinter Siauliai und vor Sarajevo. Die ersten drei Teams kommen sicher weiter, zudem die besten fünf der neun Gruppenvierten. Verliert nicht nur Alba am Dienstag, sondern auch Siauliai gegen Tabellenführer Badalona, würde zwischen den drei dann punktgleichen Teams aus Berlin, Litauen und Bosnien der direkte Vergleich entscheiden. Bei einer Niederlage mit weniger als sechs Punkten Differenz wäre Alba Dritter und weiter, bei einer Niederlage mit sechs bis zehn Zählern Unterschied Vierter – und wahrscheinlich ausgeschieden. Und bei einer höheren Niederlage würde Alba die Vorrunde auf Platz fünf beenden, die Uleb-Cup-Saison wäre beendet.

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