Alba : Zurück nach Europa

Der Serbe Luka Pavicevic will die Berliner Basketballer wieder zu Titeln führen. Er gilt als harter Arbeiter, der viel Wert auf Disziplin legt.

Torsten Haselbauer,Helen Ruwald

BerlinGestern hatte Alba Berlin etwas zu feiern. Präsident Dieter Hauert erhielt das Bundesverdienstkreuz für seine Verdienste um den Sport in der Hauptstadt. Ehrhart Körting, Senator für Inneres und Sport, händigte die Auszeichnung aus. Doch die jüngere Vergangenheit war wenig glorreich, in den Play-offs der Basketball-Bundesliga ist Alba Berlin seit vier Wochen nur noch Zuschauer. Nicht der selbst ernannte Favorit, sondern Bamberg und Quakenbrück machen den Titelkampf unter sich aus. Gestern nun hat der Klub die Konsequenzen aus dem Scheitern im Viertelfinale gezogen. Der Serbe Luka Pavicevic löst Henrik Rödl als Cheftrainer ab. Auch Rödls Assistent Calvin Oldham muss gehen.

„Ich möchte Alba Berlin zur nationalen Meisterschaft und zurück in die Europaliga führen“, sagte Pavicevic dem Tagesspiegel. „Alba hat einen guten Namen in Europa. Diesem Anspruch will ich mit der Mannschaft gerecht werden.“ Der 39 Jahre alte Pavicevic wird am Mittwoch in Berlin vorgestellt. Für 30 000 Euro konnte er aus seinem laufenden Vertrag bei Panionios Athen aussteigen; bereits am Sonntag unterschrieb er einen Dreijahresvertrag bei Alba. „Da haben sich zwei gesucht und gefunden“, sagt Alba Berlins Geschäftsführer Marco Baldi. „Er war unser Wunschkandidat. Ich glaube, dass er unser sportliches Programm mit klarer Handschrift gestalten wird.“ Dass er erst seit vier Jahren Trainer ist und damit nicht viel mehr Erfahrung hat als Rödl, stört die Vereinsführung nicht. „Andere haben eine größere Titelsammlung, aber Pavicevic gilt in Insiderkreisen schon länger als vielversprechend“, sagt Baldi. Er hat Autorität, ist aber auch hungrig und hat noch nicht alles gesehen wie ein 60-Jähriger.“

Am Sonntagabend informierte Albas neuer Trainer Panionios’ Präsidenten Ilias Lianos von seinem Abschied. Die Bestürzung bei den Griechen war groß, schließlich hatte Pavicevic den Verein in seinem ersten Jahr in Athen gleich ins Halbfinale um die Meisterschaft geführt. Panionios wollte Pavicevic, der auch als möglicher Kandidat für das Traineramt beim Europaligasieger Panathinaikos Athen galt, halten. Doch Alba hatte offenbar die stärkeren Argumente. „Alba ist ein großes Abenteuer für mich“, sagte Pavicevic am Montag. In Griechenland galt er als harter Arbeiter, der viel Wert auf Disziplin legt. Diesen Eindruck hat auch Albas Präsident Dieter Hauert gewonnen. „Pavicevic ist ein Mann mit festen Grundsätzen, der als Trainer allen alles abverlangen wird“, sagt er. Seine klaren Zielvorstellungen haben Albas Entscheider offenbar beeindruckt.

Er stehe zur Verfügung, „solange der Verein mich braucht“, hatte Henrik Rödl nach dem 0:3 im Play-off-Viertelfinale gegen die Artland Dragons aus Quakenbrück gesagt. Seine Stimme war am Pfingstsonntag brüchig gewesen, Rödl hatte von „einem der bittersten Momente meiner Basketballkarriere“ gesprochen. Vier Wochen später klingt Rödl gefasster, aber durchaus angegriffen. Am Sonntagabend habe er erfahren, dass er nicht mehr Cheftrainer des Basketball-Bundesligisten sei, aber zuletzt habe sich das angedeutet. „Da hat man sich emotional darauf eingestellt“, sagt der 38-Jährige. Hart trifft ihn die Sache aber doch. Sein Vertrag lief noch bis 2008, allerdings besaß Alba einseitig eine Ausstiegsklausel, falls sich der Klub nicht für die Europaliga qualifiziert.

Im Januar 2005 war Rödl Nachfolger von Emir Mutapcic geworden – quasi ohne Trainererfahrung. Wo er künftig arbeiten wird, weiß er noch nicht. „Ich werde alle Optionen prüfen“, sagt Rödl. Derzeit gebe es kein konkretes Angebot von Alba. Vom Cheftrainerposten auf einen anderen Trainerposten versetzt zu werden, käme jedenfalls einem Abstieg gleich, auch wenn Rödl sagt: „Die Arbeit für Alba ist nie eine Degradierung.“

Gestern sprach Rödl bereits in der Vergangenheitsform von seiner Heimat für 14 Jahre. „Ich bin sehr dankbar dafür, dass ich hier sein konnte, ich hatte hier viele sehr gute Zeiten.“ Alba möchte Rödl laut Aufsichtsratssprecher Axel Schweitzer unbedingt halten. „Henrik bleibt selbstverständlich ein Teil der Alba-Familie.“ So er dies denn noch will.

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