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Alte Bekannte im Berliner Fußball (8) : Blau-Weiß 90: Rotkäppchen und der Scherbenhaufen

03.01.2013 16:52 Uhrvon
Weltmeister von '90: Karl-Heinz Riedle (l.) als Spieler von Blau-Weiß 90 Berlin im DFB-Pokal gegen den Zweitligisten Karlsruher SC im November 1986. Die Badener setzten sich in Berlin mit 2:1 Toren durch und erreichten die nächste Runde. Für Riedle ging's sportlich bergauf, für Blau-Weiß bergab.Bild vergrößern
Weltmeister von '90: Karl-Heinz Riedle (l.) als Spieler von Blau-Weiß 90 Berlin im DFB-Pokal gegen den Zweitligisten Karlsruher SC im November 1986. Die Badener setzten sich in... - Foto: dpa

Blau-Weiß 90 wollte Hertha BSC als Nummer eins unter Berlins Fußballvereinen ablösen. Mitte der Achtziger gelang das auch für kurze Zeit, doch dann begann der stetige Abstieg.

Gleich geht es wieder los und Leo Bunk fühlt sich sichtlich unwohl. Auf dem Fußballplatz ist der Stürmer vom SV Blau-Weiß 90 in seinem Element, mit 26 Toren hat er dazu beigetragen, dass die Berliner gerade in die Bundesliga aufgestiegen sind. Aber auf der Bühne, noch dazu vor Publikum, wirkt er wie ein Fisch, der aus dem Wasser gezogen wurde. Immer, wenn Bernhard Brink zum Refrain ansetzt, wippt Bunk wider jede Rhythmusvorgabe in der Gegend umher. „Wir sind heiß auf Blau-Weiß“, singt Schlagerbarde Brink. Und weiter: „Wir stehen auf Blau-Weiß 90, denn da gehör’n wir hin, die spieln’ nen super Fußball, in unserem Berlin.“ Bernd Gerber ist bei diesen Zeilen schon eher in seinem Element.

Als die Frau mit dem Saxophon dazukommt, läuft der Verteidiger zu Hochform auf und fuchtelt wild mit den Armen umher. Neben ihm federt Peter Stark, der Gemüsehändler vom Großmarkt, der mit Anfang dreißig im Nebenberuf Fußballprofi wurde.

Der Auftritt im Aktuellen Sportstudio gehört bis heute zu den Dingen, die vielen Menschen im Gedächtnis geblieben sein dürften, wenn es um die Fußballer von Blau-Weiß 90 geht. Direkt nach dem geglückten Aufstieg in die Bundesliga waren sie im ZDF zu Gast. Die Mariendorfer wähnten sich am Ziel ihrer Träume, nun sollte sich der Verein in der höchsten deutschen Spielklasse etablieren und langfristig Hertha BSC den Rang ablaufen. Dafür wird die Mannschaft zur Saison 1986/87 verstärkt, vom FC Augsburg etwa kommt ein junger, talentierter Stürmer Namens Karl-Heinz Riedle. Er soll den zum VfB Stuttgart abgewanderten Bunk ersetzen.

Und es geht auch einigermaßen gut los für Riedle und den SV Blau-Weiß 90. Nach zwei Auftaktniederlagen schießt er die Berliner am dritten Spieltag mit zwei späten Toren zu einem 3:2 gegen Borussia Mönchengladbach. Riedles Stern geht an diesem heißen Nachmittag im August auf, am Ende können seine zehn Saisontore den Abstieg nicht verhindern. Anschließend wechselt er zu Werder Bremen, später nach Italien und England. Mit der Nationalmannschaft wird er 1990 Weltmeister. Über das Jahr in Berlin sagt Riedle heute: „Es war eine wunderbare Zeit.“

„Es war eine schlimme Zeit“, sagt Siegfried Hahn. Seine Erinnerungen an die Bundesliga-Zugehörigkeit von Blau-Weiß 90 haben nichts mit denen von Riedle gemein. Hahn war damals Sportwart und ist heute Ehrenpräsident. Er blieb dem Verein immer verbunden und hat alles miterlebt: vom steilen Aufstieg bis hin zum tiefen Fall. Spieler wie Karl-Heinz Riedle oder Holger Gehrke hat er bei Blau-Weiß gesehen, oder den Belgier René Vandereycken, der 1980 im EM-Finale gegen Deutschland ein Tor schoss. „Sie blieben, solange das Geld da war“, sagt Hahn. Es klingt, als nehme er ihnen das immer noch übel.

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