Berlin-Sport : Arbeit in Amsterdam

Nach Platz drei bei der EM wechselt Hockeyspieler Tibor Weißenborn von Berlin nach Holland

Ingo Schmidt-Tychsen[Leipzig]

Tibor Weißenborn schüttelt den Kopf, mit der Hand macht er eine abfällige Geste in die Richtung des Schiedsrichters, der gerade einen Freistoß gegen Deutschland gepfiffen hat. Es steht 8:1 im Spiel um Platz drei bei der Hockey-Europameisterschaft in Leipzig zwischen Deutschland und Belgien. Die meisten anderen Spieler entspannen sich bei diesem Spielstand, nicht aber der Berliner Weißenborn. „Manchmal wünsche ich mir, Tibor wäre nicht so ein Heißsporn“, sagt Bundestrainer Bernhard Peters. „Der ist extrem ehrgeizig, so wie ich. Deshalb verstehen wir uns auch so gut. Er will einfach immer gewinnen.“ Das gelang Weißenborn und seinem Team gestern mühelos. Vor 4700 Zuschauern siegten die Deutschen 9:1 (4:1) nach Toren von Florian Keller (3), Christopher Zeller (2), Oliver Markowsky, Niklas Meinert, Sebastian Biederlack und Carlos Nevado bei einem Gegentor durch Charles Vandeweghe. Europameister wurde anschließend Spanien durch einen 4:2-Sieg über die Niederlande.

„Manchmal bin ich etwas zu heftig zu den Schiedsrichtern, aber ich glaube, unser junges Team braucht einen, der zeigt, wie heiß er ist“, sagt Weißenborn. Der 24-Jährige ist ein Führungsspieler in der Nationalmannschaft. In seinem Verein, dem Berliner HC, ist er mehr als das: eine Identifikationsfigur für den Nachwuchs, der unumstrittene Star des Teams. „Seit ich fünf Jahre alt bin, spiele ich beim BHC, mein Herz hängt an diesem Klub“, sagt er. Und doch wird Weißenborn den BHC jetzt verlassen, „höchstwahrscheinlich aber nur für ein Jahr“.

Von heute an macht der Berliner drei Tage Urlaub an der Nordsee, danach geht es nach Amsterdam. Dort wird Weißenborn wohnen und als Volontär im Medienbereich arbeiten, während er im nahe gelegenen Bloemendaal weiter Hockey spielen wird. Eigentlich sollte Weißenborn ein Volontariat beim Berliner Regionalsender TV Berlin machen, doch in der Woche, in der Weißenborn anfangen wollte, meldete der Sender Insolvenz an. „Vielleicht hätte es später noch geklappt, aber das war mir zu riskant“, sagt Weißenborn. Dann unterbreiteten ihm die Holländer ein Angebot.

Jetzt, da er den Entschluss gefasst hat, dort hinzugehen, freut sich Weißenborn auf das kommende Jahr. „Zu den Heimspielen meines neuen Teams kommen in den Play-offs bis zu 7000 Zuschauer.“ Beim BHC waren es selten mehr als 700. Außerdem bekommt Weißenborn erstmals in seiner Karriere fürs Hockeyspielen Geld von seinem Klub. „Das ist nur ein Nebeneffekt“, sagt Weißenborn, „aber ein sehr positiver.“

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