Berlin-Sport : Auf den Spuren von Flipper

Die Flossenschwimmer in Berlin gewinnen immer mehr Athleten und Anerkennung

Frank Bachner

Das Rennen lief gut für Christian Eife, deshalb wurde er auch Siebter über sechs Kilometer. Mehr war nicht drin. Die Russen, die Italiener und die Griechen waren einfach schneller. Bei der Weltmeisterschaft der Flossenschwimmer am vergangenen Wochenende in Frankreich hatte Christian Eife vom Berliner TSC von vornherein keine Medaillenchancen. Immerhin: Seine Teamkollegin Christine Müller gewann mit der Staffel Bronze über 3 x 3000 Meter. Über sechs Kilometer aber kam sie nur als Zwölfte an. „Andere Nationen trainieren richtig professionell, da können wir nicht mithalten“, sagt Heinz-Joachim Abraham. Er ist der erfahrendste Flossenschwimmer-Trainer in Berlin. Seit 25 Jahren arbeitet er im Deutschen Unterwasserclub Berlin (DUC). Er betreut zwölf Athleten, darunter drei Nationalmannschaftsmitglieder. Die größte Trainingsgruppe in Berlin, danach kommt das TSC-Team. Bei Abraham trainiert auch Sven Gallasch, der derzeit erfolgreichste Flossenschwimmer Deutschlands. „Die Zahl meiner Medaillen habe ich vergessen“, sagt er. Bei der WM startete aber kein DUC-Athlet.

Für Abraham gelten andere Maßstäbe als WM-Medaillen. Akzeptanz ist so ein Maßstab. Und Abraham registriert zufrieden, dass Flossenschwimmen den Exotenstatus verloren hat. „Die Leistungsdichte ist in den letzten Jahren enorm gestiegen“, sagt er. Der 62-Jährige hatte sie gesehen und gehasst, diese spöttischen Blicke der reinen Schwimmer, wenn die anderen mit ihren Flossen auftauchten. Seit langem sind das Mono-Flossen. Aber sie sind selten geworden, diese Blicke. „Immer mehr Leute merken, wie anstrengend Flossenschwimmen ist“, sagt der DUC-Coach. Im Januar wechselt Eife in seine Gruppe, und vermutlich kommt im nächsten Jahr auch noch Marco Scholz. Der Rostocker ist im Nationalteam, er gewann bei den deutschen Meisterschaften 2005 in Berlin über 6000 Meter. Auch Christian Eife sagt: „Die Konkurrenz wird immer härter.“ Er ist jetzt 19, er war jahrelang in der Jugendnationalmannschaft, er kennt die Szene.

Denn zum Flossenschwimmen kommen immer mehr frühere Schwimmer. Die scheiterten an den Vorgaben ihrer Trainer oder hatten schlicht keine Lust mehr. Wie Katharina Weckener, bis 1999 Rücken- und Brustschwimmerin. Aber der Leistungsdruck zermürbte sie. Sie wollte mehr Lockerheit. Also wechselte sie zum DUC und zu Abraham. Der sieht sich zwar nicht als Animateur für frustrierte Schwimmer, aber er achtet auf eine familiäre Atmosphäre. „Wir machen viel privat miteinander“, sagt er. Unter seiner Regie wurde die 21-Jährige mehrfach deutsche Jugendmeisterin.

Abraham nimmt gern Ex-Schwimmer. „Die haben ein gutes Wassergefühl.“ Damit können sie sich auf die Arbeit mit der Flosse konzentrieren. „Minimum sechs Monate braucht man, um mit der Technik klar zu kommen“, sagt Weckener. Und ein Jahr kann es dauern, bis man die richtige Flosse für sich gefunden hat. Es gibt weiche Flossen für die längeren Strecken und harte für die Kurzstrecken, und sie dürfen nur rund 0,8 Quadratmeter groß sein. 500 Euro kostet eine gute Wettkampfflosse, 100 bis 150 Euro eine Trainingsflosse. Die hält in der Regel drei Jahre. Dann ist sie zu sehr vom Chlor angefressen. Flossenschwimmen ist nämlich hauptsächlich eine Hallensportart. „Freiluftwettbewerbe nehmen wir nur so mit“, sagt Eife. Er ist ziemlich sicher, dass er den Rückstand zu den Profis im nächstem Jahr verringern kann. Denn ab Oktober legt er im Training zu. Da kommt er in die Sportförderkompanie der Bundeswehr.

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