Berlin-Sport : Aufgetaucht aus dem Nebel

Die Eisbären feiern beim 5:3 gegen Krefeld nach 0:2-Rückstand doch noch den ersten Saisonsieg

Claus Vetter

Berlin – Für den feierlichen Rahmen war gestern Abend im Sportforum Hohenschönhausen gesorgt. So manches war bei den Eisbären zum ersten Heimspiel der Saison in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) neu. So betraten die Profis das Eis durch einen aufgeblasenen Tunnel. Auf dem grauen Spielergang thronte ein an den Hüften abgeschnittener Eisbär. Die neue Einlaufzeremonie mag nicht jeden der 4400 Zuschauer angesprochen haben, aber dafür war sie lange der unterhaltsamere Teil des Abends. Das Spiel nämlich war bis Mitte des zweiten Drittels kein Genuss. Das lag nicht am Berliner Gegner, den Krefeld Pinguinen, oder an den Nebelschwaden, die sich immer wieder über der Eisfläche in der schwülen Halle bildeten. Nein, der Deutsche Meister war bis zur 34. Spielminute noch nicht in der neuen Saison angekommen. 0:2 lagen die Berliner bereits zurück, bis sich nach Toren von Stefan Ustorf und Marcel Müller doch noch eine attraktivere Partie entwickelte, die die Eisbären schließlich 5:3 (0:1, 2:1, 3:1) für sich entscheiden konnten.

Die Gründe für den schleppenden Saisonstart der Berliner, die am ersten Spieltag 2:4 in Nürnberg verloren hatten, waren gegen Krefeld einfach auszumachen. Besonders die erfahrenen Spieler in der stark verjüngten Mannschaft hatten Anlaufprobleme. Dazu kamen Konzentra—tionsschwächen im Überzahlspiel und viele Wechselfehler. Dreimal hatte die Berliner einen Feldspieler zu viel auf dem Eis und bekamen dafür eine Zwei-Minuten-Strafe auferlegt.

Krefeld spielte zwar anfangs auch nicht überragend, traf aber nach fünf Minuten ins Tor. Berlins Torhüter Daniar Dschunussow hatte den Distanzschuss von Daniel Kunce durch seine Schoner rutschen lassen. Es war die einzig unglückliche Aktion von Dschunussow, der trotzdem nach dem ersten Abschnitt Youri Ziffzer weichen musste. Auch Ziffzer kam an einem frühen Negativerlebnis nicht vorbei. Als die Berliner in 3:5-Unterzahl waren, traf Alexander Seliwanow nach 30 Minuten zum 2:0. Zu diesem Zeitpunkt machte sich auf den Tribünen der viel zu warmen Arena Unmut laut. Unterbrechungen, in denen die Spieler auf Anordnung des Schiedsrichters mit kollektivem Kreisen den Nebel vertreiben mussten, langweilten die Fans. In der 34. Minute durften sie endlich jubeln. Der Stadionsprecher wollte gerade Ustorfs Anschlusstor verkünden, da traf Marcel Müller schon zum 2:2. 14 Sekunden lagen zwischen dem Tor von Routinier Ustorf und dem Treffer des 17-jährigen Müller, der als jüngster Torschütze in die Geschichte der Eisbären eingeht.

Sven Felski schoss nach einem Konter das 3:2, nur 22 Sekunden später erzielte der 20-jährige Jens Baxmann das 4:2. Krefeld gelang noch das Anschlusstor durch Adrian Grygiel, und alle Spieler mussten noch einmal zur Nebelvertreibung über das Eis kreisen – bis Ustorfs Tor in der Schlussminute den ersten Berliner Saisonsieg besiegelte.

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