Basketball : Alba gibt sich einen Korb

Berlins Basketballer scheitern erneut an Europas Elite – das könnte ihnen noch schwer zu schaffen machen. Im Eurocup steht das Team nun sofort und stets unter Druck.

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Der Blick geht nach unten. Julius Jenkins (vorn), Marko Marinovic und Hollis Price müssen nun im zweitklassigen Eurocup antreten.
Der Blick geht nach unten. Julius Jenkins (vorn), Marko Marinovic und Hollis Price müssen nun im zweitklassigen Eurocup antreten.Foto: König

Berlin - Einige der Cheerleaderinnen hatten Tränen in den Augen, als sie durch den blauen Spieler-Tunnel zu ihrer Kabine in der Arena am Ostbahnhof schlichen. Derrick Allen riss sich daneben sein gelbes Trikot vom Leib und war kurz davor, es wutentbrannt in irgendeine Ecke zu feuern. Jedem bei Alba Berlin war in diesem Augenblick am Sonntagabend klar, welche Chance die Basketballer gerade vergeben hatten. Das 70:70 im Rückspiel gegen Spirou Charleroi bedeutete das erneute Scheitern in der Europaliga-Qualifikation, der undankbare Eurocup hat Alba wieder. Albas Geschäftsführer Marco Baldi blieb nach der Schlusssirene erst einmal wie versteinert auf seinem Stuhl hinter der Werbebande sitzen. „Das ist ein Schlag, den man erst einmal verdauen muss“, sagte Baldi ein paar Minuten später. „Den Schmerz muss man jetzt zulassen.“

Wie lange dieser Abend den Berlinern noch wehtun wird, lässt sich noch nicht sagen. Immerhin hat die eigentliche Saison noch gar nicht angefangen, in die Bundesliga startet Alba erst am Freitag in Bonn. Spätestens am Donnerstag aber, wenn die Gruppen im Eurocup ausgelost werden und die Berliner wissen, wohin ihre Reisen in den kommenden Wochen gehen werden – und vor allem: wohin nicht –, wird sich das Aus noch einmal melden. Finanziell hielte sich der Schaden in Grenzen, sagte Baldi, man habe Einnahmen aus der Europaliga nicht fest eingeplant. Der sportliche Wert und die Ausstrahlung der höchsten europäischen Spielklasse sind allerdings deutlich größer als die bescheidene Aura des Eurocups. Albas Trainer Luka Pavicevic merkte an, die Europaliga sei ein angenehmer Wettbewerb für die Berliner gewesen: Dort sei man gegen vier von fünf Gruppengegnern immer Außenseiter, im Eurocup hingegen stehe man sofort und stets unter Druck.

Gegen Belgiens Meister aus Charleroi hatten die Berliner dem Druck „nicht standgehalten“, wie Marco Baldi erkannte. Eine Halbzeit lang kontrollierte Alba das Spiel, um dann in allen Belangen – Angriff, Verteidigung, Rebound – zwei Klassen nachzulassen. Das Aus ist umso ärgerlicher, als es sich bei Charleroi um einen guten, aber keinesfalls unschlagbaren Gegner handelte. „Wir haben vieles richtig gemacht“, sagte Albas Kapitän Patrick Femerling, „aber eben auch einiges falsch.“ Die Strapazen der vergangenen drei Wochen, das dramatische Weiterkommen in letzter Sekunde in Vrsac: All das machten die Berliner in 15 schwachen Minuten zunichte.

Im vergangenen Jahr stürzte die Mannschaft nach dem verlorenen Eurocup-Finale in ein psychologisches Loch. Dass sich das nach der neuen Enttäuschung wiederholt, muss Pavicevic nun verhindern. Am Sonntagabend fielen Trainer und Spieler allerdings in alte Muster zurück. Die Mannschaft verlor im Angriff die Geduld und in der Verteidigung phasenweise die Konzentration, von kreativen Lösungen war nichts zu sehen. Pavicevic vertraute wieder einmal seinen etablierten Spielern, obwohl diese offensichtlich einen schwachen Tag erwischt hatten.

Der ungefährliche Immanuel McElroy spielte länger als jeder andere Berliner, Tadija Dragicevic fand keine Bindung zu seinen Mitspielern, blieb aber ebenfalls lange auf dem Feld. Dafür brachte Pavicevic den ungestümen, aber energiegeladenen Yassin Idbihi nach der Pause nur noch für drei Minuten, obwohl Idbihi bis zur Pause sieben Punkte erzielt und fünf Rebounds geholt hatte. Und Nationalspieler Lucca Staiger schenkte Pavicevic ganze 18 Sekunden sein Vertrauen. Der 22-Jährige wurde vom Serben im zweiten Viertel eingewechselt, stand in der Defensive ein Stück zu weit von seinem Gegenspieler entfernt, der einen Dreier traf – und fand sich für den Rest des Abends auf der Bank wieder.

Personelle Konsequenzen wird das Scheitern wohl keine haben. „Wir haben die Mannschaft zusammengestellt, damit am Ende der deutsche Meistertitel steht“, sagte Albas Geschäftsführer Marco Baldi. „Im letzten Jahr haben wir mit unserer Performance im Eurocup mehr Aufmerksamkeit erregt als im Jahr zuvor in der Europaliga.“ Die Saison ist für die Berliner Basketballer noch nicht verloren – sie hat nur den denkbar schlechtesten Start erwischt.

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