Basketball-Eurocup : Alba steht im Final Four

Die Berliner bezwingen Hapoel Jerusalem im Viertelfinalrückspiel des Eurocups mit 72:59 und machen damit die Sechs-Punkte-Niederlage aus dem ersten Vergleich noch wett.

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Immer höher. Albas Adam Chubb scheint förmlich in der Luft zu stehen. -Foto: ddp

Immanuel McElroy fischte den letzten Rebound aus der Luft, dann hielt er den Ball für einen Moment fest an sich gedrückt, ehe er ihn senkrecht in die Höhe schleuderte. Noch während der Ball in Richtung Hallendecke stieg und die Schlusssirene ertönte, stürzten die Auswechselspieler von Alba Berlin auf das Parkett, um rund um McElroy eine chaotische Jubeltraube zu bilden. Ein Abend voller Anspannung entlud sich in großer Begeisterung: Gerade hatten Albas Basketballer Hapoel Jerusalem im Rückspiel des Eurocup-Viertelfinals hoch verdient mit 72:59 (36:28) bezwungen und damit den Rückstand von sechs Punkten aus der 61:67-Niederlage im Hinspiel wettgemacht. Durch den Erfolg ziehen die Berliner ins Final-Four-Turnier am 17. und 18. April im spanischen Vitoria ein, wo sie im Halbfinale auf Bizkaia Bilbao treffen. „Wir haben ein großes Ziel dieser Saison erreicht“, sagte Albas Trainer Luka Pavicevic. „Jeder Spieler hat heute mit seinem ganzen Herz und Hirn gespielt.“

Den magischen Sechs-Punkte-Rückstand aus dem Hinspiel hatte Alba schon nach nicht einmal fünf Minuten beim Stand von 9:3 aufgeholt – viele der 14.500 Zuschauer in der ausverkauften Arena am Ostbahnhof hatten da noch nicht einmal ihre Plätze eingenommen. Auch ohne ihren Kapitän Julius Jenkins, der im Hinspiel in Jerusalem eine Gehirnerschütterung erlitten hatte, starteten die Berliner überaus konzentriert. „Wir haben heute auch ein bisschen für Julius gespielt“, sagte Aufbauspieler Steffen Hamann. Als Vertreter für Jenkins bewies Derrick Byars – bereits im Hinspiel mit 17 Punkten bester Werfer für Alba –, wie viel Selbstvertrauen ihm sein starker Auftritt in Jerusalem gegeben hatte. Der 25-Jährige warf in den ersten zehn Minuten kein einziges Mal daneben und erzielte zehn Punkte, am Ende war er mit 16 Zählern bester Berliner Werfer. Alba setzte sich zuerst auf 13:5, dann sogar auf 20:7 ab. Das Publikum begleitete die Spieler mit stehenden Ovationen in die Pause nach dem ersten Viertel, das für Alba kaum hätte besser laufen können: Ganze drei Körbe hatte die gefürchtete Hapoel-Offensive bis dahin erzielt, sich dafür aber gegen den Druck der Berliner Verteidigung sechs Ballverluste geleistet. Wie schnell die Jerusalemer allerdings punkten können, zeigten sie zu Beginn des zweiten Viertels: Nach acht Zählern in dreieinhalb Minuten war Albas Vorsprung bedenklich geschmolzen, Hapoel ging mit einem knappen 28:36-Rückstand in die Halbzeitpause.

Auch in der Folge ließ Alba aufmerksam und äußerst aggressiv keine leichten Würfe für Hapoel zu, beim Kampf um den Rebound zeigten die Berliner ein ums andere Mal den größeren Willen. Getragen vom Publikum – seit Albas Umzug hat man die Fans in der Arena am Ostbahnhof  wohl kaum einmal so heißblütig erlebt – setzten sich die Berliner weiter ab und gingen mit einem 52:37 ins Schlussviertel. Gerade dieser Abschnitt ist aber so etwas wie die Spezialität der Jerusalemer: Immerhin hatten sie es vor wenigen Wochen geschafft, bei Galatasaray Istanbul sagenhafte 44 Punkte in den letzten zehn Minuten zu erzielen. Ein solches Feuerwerk gelang Hapoel nicht – aber die Israelis blieben immer in Reichweite. Als Aufbauspieler Pooh Jeter nach einem der äußerst seltenen Berliner Ballverluste zwei Minuten vor Schluss auf 55:63 verkürzte, war es kurz erschreckend still in der zuvor ohrenbetäubend lauten Halle – mit einem Dreipunktwurf hätte Hapoel die Berliner doch noch aus dem Wettbewerb werfen können. Doch Alba geriet nicht mehr ins Wanken, Adam Chubb und Rashad Wright erzielten wichtige Punkte, einer der größten internationalen Erfolge der Alba-Geschichte war perfekt. „Wir haben es geschafft“, sagte Chubb überglücklich. „Aber das soll noch nicht alles gewesen sein.“ Und Steffen Hamann fügte hinzu: „Jetzt geht die Reise weiter.“

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