Beachsoccer : Copacabana in Friedrichshain

Am Berliner Ostbahnhof kämpft die deutsche Nationalmannschaft im Beachsoccer um den Aufstieg in Europas A-Gruppe. Doch nur wenige wollen das sehen. Ein Ortstermin.

Fußball ohne Schuhe. Dannilo Neumann spielt für die deutsche Beachsoccer-Nationalmannschaft, die um den Aufstieg kämpft.
Fußball ohne Schuhe. Dannilo Neumann spielt für die deutsche Beachsoccer-Nationalmannschaft, die um den Aufstieg kämpft.Foto: Paul Zinken

Berlin - Die deutschen Spieler der Beachsoccer-Nationalmannschaft laufen im Entengang über den Vorplatz der Großarena am Ostbahnhof. Dann werfen sie ihre Schuhe auf einen Haufen und lassen den Ball laufen. Hacke, Spitze, eins, zwei, drei. Ihr Trainer René Weiher beobachtet das Aufwärmprogramm mit der Taktiktafel unter dem Arm. In wenigen Minuten geht es los. Gegen die Mannschaft von Andorra kämpfen die Deutschen um den Aufstieg in die Gruppe A, den besten acht Teams der European Beach Soccer League (EBSL).

Die EBSL wurde 1998 gegründet, und Deutschland war ihr erster Meister. Lang, lang ist’s her. Seitdem dominieren andere Teams den Zirkus. Portugal und Spanien, Frankreich, die Schweiz. Bei der Weltmeisterschaft triumphierte zuletzt Brasilien viermal in Folge.

Die provisorische Arena ist mit ein paar hundert Zuschauern nur spärlich gefüllt, etwa die Hälfte der blauen Schalensitze bleibt am Freitagabend unbesetzt.

Der Moderator betritt den Sand. Eine Stimmungskanone. „Wer ist zum ersten Mal beim Beach Soccer?“ schreit er in das Mikrofon. Alle Arme gehen hoch. Die DJs unterlegen das Gebrabbel mit hipper R’n’B-Musik. Dann kündigt er die so genannten Crocs-Girls an, acht halbnackte Frauen in Bikinis des Hauptsponsors. Ihre wirre Choreographie endet mit Shakira-Hüftschwung.

Auf den Trikots steht „Olli“, „Mari“ oder „Ulle“

Den Mannschaften bleiben noch wenige Minuten bis zum Anpfiff. Sie testen den Sand. Bälle fliegen quer durch die Arena. Torschüsse rauschen über die Fangnetze und schlagen gefährlich ein auf der Tribüne. Zum Glück ist nicht viel los. Die Spieler verlassen das Feld und ziehen sich die Trikots über. Auf den Rücken steht nicht „Ballack“ oder „Frings“, sondern „Olli“, „Mari“ oder „Ulle“.

Die DJs legen die Einlaufmusik auf. Dann betreten die Spieler offiziell die Arena und formieren sich zu einer langen Reihe unterhalb der VIP-Tribüne. „Ladies and Gentlemen: Die Hymnen.“ Einige Besucher bleiben sitzen, sie lachen. Die Hymnen? Die deutschen Spieler haben die Arme auf dem Rücken verschränkt, Augen geschlossen, oder Tunnelblick. Ihr Trainer bewegt sogar die Lippen zu der Hymne. Die Crocs-Girls stehen hinter der Bande und kauen an ihren Fingernägeln. Dann ziehen die Beach-Soccer-Schiedsrichter die blauen Plastiklinien ein letztes Mal aus dem Sand. Anpfiff. Es geht los.

Den Teams fällt es schwer, den Ball in den eigenen Reihen zu halten. Dribbeln ist auf Sand quasi unmöglich. Es geht hin und her. Fallrückzieher auf der einen Seite, Distanzschüsse auf der anderen. Die deutschen Spieler versuchen den Ball immer wieder hoch vor das gegnerische Tor zu spielen, die Stürmer legen sich quer in die Luft und nehmen jeden Ball direkt. Dann erzielt Dos Santos das 1:0 für Deutschland. Mit ausgebreiteten Armen läuft er auf die Kamera zu, geballte Fäuste, Luftküsse für die Zuschauer zu Hause an den Bildschirmen. „Danke!“ „Bitte!“ Die Zuschauer kommen in Fahrt.

Die Glücksfee ist kein geringerer als Christian Karembeu

In der kurzen Pause vor dem zweiten Drittel wird ein Barcelona-Trikot mit einem Autogramm von Lionel Messi verlost. Die Glücksfee ist kein geringerer als Christian Karembeu, französischer Weltmeister von 1998. Er sagt: „Ich liebe Berlin.“ Und: „Ich liebe Beach Soccer.“

Das zweite Drittel. Moreno trifft mit einem Fallrückzieher zum Ausgleich. Die Partie ist nun mehr als ausgeglichen. Der Sand wirbelt bei jedem Zweikampf hoch. Gestocher, Gezerre. Das Publikum brät in der Abendsonne. Dann plötzlich das Führungstor der Deutschen: Ulle kämpft sich durch und stochert den Ball irgendwie ins Tor. In der Arena wird es laut.

Vor dem letzten Seitenwechsel kommen noch einmal die Crocs-Girls und schütteln ihr Haar. Dann schwappt auch noch die La Ola durch die Arena. Der Moderator rappt: „Say he-ey! Say ho-oh! And scream!“ Und die Menschen schreien.

Das letzte Drittel gehört den Deutschen. Sie fahren einen Angriff nach dem nächsten. Dauerfeuer. Torde verwandelt schließlich einen Abpraller zum 3:1. Und Dos Santos setzt den Schlusspunkt dieser Partie. Oberschenkel, Schulter, Kopf, dann schraubt er sich in die Luft und donnert den Ball mit einem Fallrückzieher ins Netz. „Goooooooal!“

René Weiher wirft sein Taktikbrett in die Luft. Die Spieler sinken auf die Knie und liegen sich in den Armen. Andere werden hinter der Werbebande bereits interviewt. Schwenk aus dem sandigen Gesicht auf die roten Füße. Schnitt.

Die deutsche Mannschaft hat ihre guten Chancen auf den Aufstieg damit gewahrt. Am Sonntagabend um 19:45 Uhr muss nun noch Tschechien bezwungen werden. Hier, an der Copacabana in Friedrichshain. Der Eintritt ist frei. Und die Crocs-Girls sind auch wieder da.

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