Berlin Volleys : Paul Carroll: Der Killer ist zu nett

Diagonalangreifer Paul Carroll ist der wichtigste Spieler des Volleyball-Bundesligisten BR Volleys, aber noch hat er seine Rolle nicht richtig gefunden.

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Noch nicht in Bestform: Paul Caroll.
Noch nicht in Bestform: Paul Caroll.promo

Berlin - Die Tische waren mit weißen Decken überzogen, ein kaltes Buffet war sorgsam aufgebaut, vornehm gekleidete Helferinnen arbeiteten dezent, und irgendwo, mitten in dieser gepflegten Atmosphäre, lief ein Gespräch, das sich zunehmend anhörte, als würde die Mafia beraten. „Killer“ war eines der Kernwörter, „Killer“ in allen Variationen. „Du hast einen Killerkörper“, „du spielst auf einer Killerposition“, und, natürlich, der Höhepunkt: „Du bist der Killer.“

Der Killer hat blonde Haare, er ist 2,05 Meter groß, und er hörte genau zu. Immerhin sprach hier sein Manager zu ihm, der Vip-Raum der Berliner Max-Schmeling-Halle war dafür der passende Ort. Der Volleyball-Bundesligist BR Volleys hatte gerade die Netzhoppers Königs Wusterhausen 3:0 besiegt, und Volleys-Manager Kaweh Niroomand erklärte Diagonalangreifer Paul Carroll die Rolle, für die er ihn gekauft hatte.

Kurz gesagt soll Carroll nicht bloß die entscheidenden Punkte machen, er soll auch als Typ auftreten, der Emotionen weckt und auch welche aufnimmt und ins Spiel überträgt. Und er soll einer sein, an dem sich die anderen auf dem Feld aufrichten, wenn es nicht so gut läuft. Aber Paul Carroll, in der vergangenen Saison bei Generali Haching noch der wertvollste Spieler der Bundesliga, hat seine Rolle noch nicht richtig gefunden. „Er zeigt noch nicht, was er von sich erwartet, aber auch, was wir von ihm erwarten“, sagt Niroomand. „Ich kann mich noch verbessern, härter aufschlagen, mit mehr Kraft angreifen“, sagt Carroll.

Seine Auftritte erinnern an eine Fieberkurve. Unauffällig bis blass in den Heimspielen gegen Düren und Haching, stark und überzeugend zum Beispiel in den Europacup-Spielen gegen Istanbul. Die Konstanz fehlt, die permanent überzeugenden Leistungen gegen starke Teams.

Niroomand hat dafür durchaus auch sportliche Grunde. „Als unsere Annahme nicht stabil war, hatte er es schwer, gute Angriffsbälle zu bekommen.“ Und: „Er musste sich gleich auf zwei neue Zuspieler einstellen.“ Auch Carroll sagt: „Ich denke, wir werden erst im Januar richtig eingespielt sein.“ Das ist der sportliche Part, der braucht Zeit.

Aber der 25-Jährige hat auch eine strategische Bedeutung, und die hätte er bis jetzt besser ausfüllen können. Niroomand braucht jemanden, der seine Vision vom neuen, attraktiven, begeisternden Volleyball verkörpert, der diese begeisternde Party-Atmosphäre bei den Heimspielen in Spielkultur überträgt. „Er muss mit den Fans und mit seinen Mitspielern kommunizieren“, sagt Niroomand. Leute wie Georg Grozer, das waren Typen, Spieler, die sich den Fans eingeprägt haben. Solche Leute verkörpern insgesamt die Marke Volleyball. Deshalb sagt Niroomand auch: „Ich habe Paul klargemacht, dass er eine Verantwortung für das Projekt der BR Volleys hat.“

Andererseits überlegt er auch, ob er den Australier nicht zugleich einfach überfordert. Carroll ist erst in Haching in die Rolle der Leitfigur aufgestiegen, er hat noch nicht allzu viel Erfahrung in dieser Typen-Rolle. Am Freitag spielen die BR Volleys zu Hause gegen den TV Rottenburg, die nächste Möglichkeit für Carroll, in seine Rolle zu wachsen.

Der Argentinier Pablo Bengolea wird dann nicht nicht mehr dabei sein. Die BR Volleys haben sich von dem Außenangreifer getrennt. „Er will in der argentinischen Nationalmannschaft spielen, aber bei uns hatte er kaum Einsatzzeiten“, sagt Niroomand. Nicht ohne Grund: Bengolea spielte kaum, weil er in der Annahme ein großer Schwachpunkt war. „Wir bemühen uns um einen Ersatz“, sagt Niroomand. „Aber vor Mitte Januar wird nichts passieren.“

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