Berliner Football-Derby : Bässe, Basecaps und ein Ei

Die Rebels feiern zum Auftakt der German Football League einen historischen Sieg über den Lokalrivalen Berlin Adler. Ein Ortstermin im Jahn-Sportpark.

von
Auf Kollisionskurs. Adler und Rebels lieferten sich ein enges Match.
Auf Kollisionskurs. Adler und Rebels lieferten sich ein enges Match.Foto: Jürgen Engler

Die Bässe sind bereits aus der Entfernung zu vernehmen, sie kommen ausnahmsweise mal nicht aus dem Mauerpark. Unweit des populärsten Berliner Hipster-Treffpunkts gibt es bei sommerlichen Temperaturen nämlich Alternativprogramm an diesem Samstagabend. Gut 2000 Menschen sind in den Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark gekommen, bei elektronischer Tanzmusik und Burgern verfolgen sie dieses nach europäischem Empfinden eigenwillige Spiel mit dem noch eigenwilliger geformten Ball aus dem Land des Turbo-Kapitalismus. Auf der Laufbahn springen leicht bekleidete Mädchen mit Pom-Poms um die Wette, Baseball-Kappen prägen das Bild. Erich Mielke hätte sich bei diesem Anblick im Grabe gedreht wie ein Brummkreisel.

Nun weist der Kalender das Jahr 2013 aus und im Jahn-Sportpark laufen nicht die Fußballspieler vom BFC Dynamo auf, sondern Berlins Erstliga-Klubs aus der German Football League. Adler gegen Rebels lautet die Ansetzung zum Saisonstart, Prenzlauer Berg gegen Charlottenburg. Die Anhänger der Adler haben die linke Seite der Haupttribüne in Beschlag genommen, die Fans der Rebels die rechte. „Let’s make some nooooiiiiise“, ruft der Stadionsprecher und die Menge gehorcht. Das Derby kann beginnen.

Nach dem Kick-Off bestimmen zunächst die Defensiv-Reihen das Geschehen, bis kurz vor der Pause werden kaum Punkte erzielt. Die Rebels, im Vorjahr als Tabellenfünfter knapp an den Play-offs gescheitert, führen 6:3 gegen die Adler, die es ihrerseits ins Halbfinale geschafft hatten. In den letzten Minuten der ersten Halbzeit überschlagen sich dann, typisch Football, die Ereignisse. Zunächst baut Anthony Elzy, der überragende Running Back der Rebels, den Vorsprung seines Teams mit einem Lauf in die Endzone auf 12:3 aus. Den anschließenden Kick-Off der Rebels fängt Conrad Meadows tief in der eigenen Hälfte und trägt ihn über das gesamte Feld zurück in den Punktebereich. Dabei schlägt er Haken wie ein Hase in freier Wildbahn und lässt reihenweise Gegenspieler liegen. Dank der spektakulärsten Aktion der ersten Halbzeit verkürzen die Adler auf 10:12.

Nach der Pause flattert die Wurfhand des vor der Saison verpflichteten Adler-Quarterbacks Kevin Ramay. Paul Mehling fängt einen langen Pass des Spielmachers ab und trägt ihn zum zwischenzeitlichen 19:13 in die Endzone. Wenig später leistet sich Ramay ein sogenanntes „Fumble“, also einen weiteren Ballverlust, der die Rebels in Reichweite eines historischen Sieges bringt. Bis zu diesem 4. Mai haben die Charlottenburger seit mehr als 20 Jahren nicht mehr gewonnen gegen den Berliner Konkurrenten, von dem sie sich 1987 abgespalten hatten. „Wir haben bis zum Schluss gezittert, weil wir natürlich um die Erfahrung der Adler wussten“, sagt Rebels-Trainer Kim Kuci nach dem Spiel. In der Tat verkürzt die Mannschaft von Head Coach Wanja Müller in einem verloren geglaubten Spiel noch einmal auf 26:29. Allerdings ist auf der Uhr nur noch eine Sekunde verblieben.

An der Seitenlinie haben die Rebels entsprechende Vorbereitungen getroffen, die Spieler schleppen einen voluminösen Behälter herbei, den sie über dem Kopf von Kim Kuci entleeren. Gatorade-Dusche heißt das und ist im Football Standard-Ritual nach großen Siegen. „Insofern passt es ganz gut, denn dieser Sieg ist ein besonderer Moment für unseren Verein“, sagt Kuci und flüchtet in die Kabine. Der zweite Behälter ist gerade im Anmarsch.

Autor

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben