Berliner Fußball : Berliner Hartplatzhelden? Wie die Klubs im Internet präsent sind

Der Bundesgerichtshof in Karlsruhe hat entschieden, dass Amateurvereine weiterhin Videos und Bilder zu Ihren Spielen verbreiten dürfen. Wie umfangreich nutzen die Berliner Vereine diese Möglichkeit?

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Auf der Internetseite des SFC Friedrichshain sind ausführliche Zusammenfassungen der Spiele zu sehen.
Auf der Internetseite des SFC Friedrichshain sind ausführliche Zusammenfassungen der Spiele zu sehen.Quelle: www.sfcfriedrichshain.de/herren

Erol Saciri vom PSV Blau-Gelb Göttingen hat das Tor des Jahres 2009 erzielt. Darüber entschieden nicht die Zuschauer der ARD-Sportschau, sondern eine Expertenjury auf dem Amateurfußball-Portal Hartplatzhelden.de. Hier können Videos und Bilder zu Amateurspielen aus ganz Deutschland eingesendet werden, regelmäßig werden die schönsten Spielsequenzen, die kuriosesten Pannen oder eben das Tor des Jahres ausgezeichnet.

Die Idee hinter einem solchen Portal liegt Nahe: Amateurfußball erfreut sich in Deutschland großer Beliebtheit, ist ein Massenphänomen. Auf tausenden Sportplätzen in ganz Deutschland wird jedes Wochenende gekickt, mit entsprechend vielen Zuschauern und Freunden am Spielfeldrand.  Und seitdem jedes Handy kurze Filme aufnehmen kann, werden natürlich auch auf Deutschlands Kreisligaplätzen immer mehr Schnappschüsse und Traumtore festgehalten. Dies soll auf der Internetseite gesammelt und gefördert werden.

Dem Württembergischen Fußballverband war die Seite ein Dorn im Auge, man beanspruchte das Recht an den Bildern als Verband für sich und ging gerichtlich gegen die Hartplatzhelden vor. Auf der Internetseite und in diversen Foren wurde der Gerichtsprozess akribisch beobachtet, ging es doch hier aus Sicht der Betroffenen um nichts geringeres als die Frage: „Wem gehört der Fußball?“ In den ersten beiden Verfahren bekam der Verband Recht, am vergangenen Donnerstag entschied der Bundesgerichtshof in Karlsruhe jedoch höchstinstanzlich zu Gunsten des Internetportals und ließ damit die Gemeinde der Amateurvereine aufatmen.

Es geht also um die Verwertungsrechte von Videos und Bildern zu Amateurspielen. Doch wie umfangreich gibt es solche Bilder überhaupt? Von einer umfassenden Veröffentlichung kann jedenfalls keine Rede sein, gerade die Berliner Klubs scheinen hier hinterzuhängen. Nach Videos von Fußballvereinen aus der Hauptstadt sucht man auf Hartplatzhelden.de jedenfalls vergeblich, auch Betreiber Oliver Fritsch fallen auf Anhieb keine Berliner Klubs ein, die je Videos eingesendet hätten. Beim Stöbern fallen vermehrt Teams aus Niedersachsen auf, sofern die oft sehr provinziellen Vereinsnamen für den Laien überhaupt regional zuzuordnen sind. Auch erkennt man eine gewisse Häufung von Beiträgen einzelner Klubs, die offenbar die Plattform für sich entdeckt haben, um dort regelmäßig Spiel-Highlights hochzuladen.

Auf Fussball.de, dem DFB-eigenen Portal, gibt es ebenfalls die Möglichkeit, Bilder und Videos zu Spielen einzustellen, genutzt wird dies von Berliner Vereinen jedoch nur sehr sporadisch. Gibt man Berliner Vereinsnamen bei Youtube ein, stößt man, wenn überhaupt, auf eine handvoll Videoschnipsel. Umfangreiches oder gesammeltes Bildmaterial zu einzelnen Teams gibt es kaum. Das meiste, was an den Wochenenden am Spielfeldrand gefilmt wird, scheint also in erster Linie zu privaten Zwecken verwendet zu werden. Auf den Internetseiten von Berliner Klubs finden sich zwar meistens Mannschaftsfotos und vereinzelte Bildergalerien. Fotos von den aktuellen Spielen sind aber eher selten.

Eine bemerkenswerte Ausnahme ist hier der Berliner Bezirksligist SFC Friedrichshain. Seit über einem Jahr ist auf der Vereins-Homepage von jedem Heimspiel ein 15-20-minütiger Zusammenschnitt  in relativ guter Bildqualität zu sehen. Für die Spieler wie auch die Gästemannschaften sicherlich eine tolle Sache, auch mal sich selbst beim Fußballspielen beobachten zu können. Für SFC-Trainer Stephan Haupt geht es dabei nicht nur darum, den Verein zu präsentieren. „Für uns und die Gegner ist es schön, Anschauungsmaterial zu haben. Wir benutzen die Videos auch, um Spielszenen zu analysieren und an Fehlern zu arbeiten.“ Auch Trainer der anderen Mannschaften schauen hier gerne mal rein, um sich einen Eindruck von den zukünftigen Gegnern zu verschaffen. Entsprechend bekommt Haupt viel Zuspruch von Trainerkollegen und Konkurrenten aus der Bezirksliga. Den Hartplatzhelden-Prozess hat man bei den Friedrichshainern mit Interesse verfolgt, schließlich hätte ein negatives Urteil auch für hier Konsequenzen haben können.

Beim Berliner Fußballverband (BFV) begrüßt man derartige Initiativen. "Wir nehmen keinen Einfluss darauf, was die Vereine auf Ihren Internetseiten veröffentlichen" teilt BFV-Präsident Bernd Schultz mit. Und auch den Hartplatzheldenprozess habe man beim BFV nicht großartig verfolgt, da ein ähnliches Bestreben wie das des Württembergischen Fußballverbands für Schultz nicht in Frage käme. "Ich habe persönlich nichts dagegen, wenn Vereine ihre Videos und Bilder im Internet verbreiten. Letztlich ist jede Werbung gut für den Amateurfußball, daher ist auch solch ein Web-Portal erstmal grundsätzlich positiv." In diesem Sinne hält Schultz auch das Urteil aus Karlsruhe für richtungsweisend.

Für die Vereine ist es also gut zu Wissen, dass sie auch weiterhin auf der sicheren Seite sind, wenn Sie ihr Bildmaterial zur Verfügung stellen wollen. Allerdings müssten viele Klubs erst noch überhaupt damit anfangen. Die Betreiber von Hartplatzhelden.de erhoffen sich durch den gewonnenen Prozess und die damit verbundene Medienpräsenz jedenfalls weiteren Zuwachs. Und vielleicht nehmen sich auch einige Vereine den SFC Friedrichshain zum Vorbild, die sich bislang auf Grund der ungeklärten Rechtslage nicht getraut haben.

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