Berliner Fußball : Internetrevolte bei Tasmania

Immer montags werfen wir einen Blick auf den Berliner Fußball. Heute: Aufregung beim Neuköllner Traditionsklub Tasmania, wo der Trainer trotz sportlichen Erfolgs entlassen worden ist.

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Logo: Tasmania Gropiusstadt

Manuel Hartmann ist nicht mehr Trainer des Landesligisten Tasmania Gropiusstadt. Hartmann wird trotzsportlichen Erfolgs entlassen, nachdem in einem Internetforum von Ex-Spielern massive Kritik am Führungsstil des Coaches und dessen fachlicher Kompetenz geübt wurde. Was sind die Hintergründe der Trainerentlassung?

Anonyme User in einem Fußball-Diskussionsforum schassen den Trainer des Traditionsklubs Tasmania. Dieser Eindruck könnte entstehen, wenn man in den letzten Tagen auf die Berliner Landesliga-Seite des Forums auf die-fans.de geschaut hat. Der Tasmania-Thread ist dort der Renner, über 3000 Kommentare wurden hier bereits gepostet, insgesamt wurde die Seite schon über 160.000 mal aufgerufen. Der Neuköllner Klub, deutschlandweit bekannt durch das legendär-erfolglose Intermezzo in der Bundeliga 1965/66 und inzwischen unter dem Namen Tasmania-Gropiusstadt in der Landesliga aktiv, scheint nach wie vor viele Leute zu interessieren.

Im Zentrum der Diskussion steht hier schon seit geraumer Zeit Trainer Manuel Hartmann, der am vorvergangenen Wochenende entlassen wurde. Jetzt, nach der Trainerentlassung, geht der Streit weiter. Die Online-Kritiker und Nörgler werden als Schuldige für das Aus des bei einigen nach wie vor beliebten Tasmania-Trainers ausgemacht. "Ist schon ein starkes Stück, ein anonymer Heckenschütze knallt Tas den Trainer weg", echauffiert sich ein User über einen der Kritiker.

Eine derartig kurzgefasste Begründung weist der Tasmania-Vorsitzende Detlef Wilde zwar von sich, Beachtung hat die im Internet geäußerte Kritik beim Vorstand aber schon gefunden. Dass ein solches Forum ein schwieriges Medium ist, ist den Verantwortlichen durchaus bewusst, auch weil die Grenze zwischen böswilligen Diffamierungsversuchen und ernstzunehmender Kritik nicht immer leicht zu durchschauen ist. Die Anonymität und die Manipulationsmöglichkeiten in einem Online-Diskussionsforum tun ihr Übriges. Dennoch hat der Vorstand Teile der Diskussion über den mangelhaften menschlichen Umgang Hartmanns mit seinen Spielern sowie über technische und taktische Defizite des Coaches durchaus ernst genommen.

Hartmann soll sich gegenüber Jugendspielern im Ton vergriffen haben

"Neu waren uns die meisten Vorwürfe nicht, wir sind ja nah an der Mannschaft dran und haben schon aus mehreren Richtungen Unmut gespürt", teilt der Tasmania-Vorsitzende gegenüber Tagesspiegel-Online mit. So soll sich Hartmann vor allem gegenüber Jugendspielern hin und wieder im Ton vergriffen haben. Vorfälle also, die im Widerspruch zur Philosophie des Neuköllner Kiezklubs stehen, der vor allem in der Jugendarbeit viel Wert auf Fairness und Integration legt und zu Jahresbeginn einen Ehren- und Verhaltenskodex für seine Trainer- und Spieler eingeführt hat, in dem vor allem Richtlinien zum fairen Umgang mit Gegnern und Mitspielern festgehalten sind.

Doch auch im Umgang mit den älteren Spielern hatte Hartmann offenbar Schwierigkeiten. Immer wieder liest man im Forum, er habe "Leistungsträger vergrault". Auch Detlef Wilde räumt ein, dass der Coach unnötigerweise das Mannschaftsgefüge zerstört habe. "Probleme gab es schon seit fast einem Jahr, als Vorstand haben wir die Missstimmungen schon länger registriert", so Wilde weiter. Grund für die Entlassung Hartmanns war dem Vorsitzenden Zufolge also dessen Schwäche im menschlichen Umgang mit Spielern und nicht in erster Linie die anonyme Kritik im Internet. Diese sei allerdings so etwas wie der entscheidende Impuls gewesen, durch den sich die Verantwortlichen endgültig zum Handeln gezwungen sahen. "Es war ein Punkt erreicht, an dem die Kritik am Trainer immer mehr in die Öffentlichkeit drang und wir die Gefahr sahen, dass hier ein Imageschaden für den Verein entsteht".

Sportlich ist die Entlassung kaum nachvollziehbar

Brisant ist diese Trainerentlassung auch deshalb, weil sie aus sportlicher Sicht für den Außenstehenden kaum nachvollziehbar ist. Hartmann stieg im letzten Jahr mit der Mannschaft aus der Bezirks- in die Landesliga auf, dort stehen die Neuköllner auf Anhieb im Spitzenfeld der Tabelle und haben Chancen auf den direkten Durchmarsch in die Berlin-Liga. Gemessen am Potenzial der Spieler und an den sportlichen Ansprüchen ist das aber noch längst nicht zufrieden stellend und außerdem auch kein Verdienst des Trainers, so zumindest der Tenor der Online-Kritiker. Auch Wilde teilt mit, dass es aus sportlicher Sicht keinen Handlungsbedarf gab, allerdings habe der sportliche Erfolg wohl zu lange die internen Probleme kaschiert.

Dass der Klub aber auch die Meinung seiner Fans ernst nimmt, ist bekannt. Schließlich waren es die Neuköllner, die als erster und bislang einziger Berliner Verein unter dem Namen Mytas eine Internetplattform einrichteten, auf der die Fans aktiv die Mannschaftsaufstellung mitbestimmen sowie den Spielern Noten geben können. Coach Hartmann war demnach nicht alleine verantwortlich für die Aufstellungen, ein gewisses Maß an Entscheidungskompetenz hatte er aber schon, wie Achim Amman, Leiter des MyTas-Projekts mitteilt. Auch die Zusammensetzung des Kaders sei größtenteils ihm zuzuschreiben, und tatsächlich hat er hier reichlich aussortiert. Laut Detlef Wilde sind vom Kern der Aufstiegsmannschaft vom letzten Jahr nur noch fünf oder sechs Spieler dabei, alle anderen habe Hartmann ausgetauscht. Kaum verwunderlich also, dass sich im Diskussionsforum immer mehr Unmut sammelte und auch einige enttäuschte Ex-Spieler dort ihrem Ärger Luft machten.

Als Ersatz ist zunächst der bisherige Co-Trainer Marco Höppner eingesprungen, der laut Wilde einen guten Draht zur Mannschaft hat. In der Winterpause soll dann ein neuer Coach gefunden werden. Der Einstand glückte dem Übergangstrainer bereits, am Sonntag gab es ein deutliches 5:1 gegen Sperber Neukölln. Und, was fast am wichtigsten war, nach dem Spiel ging die Mannschaft zum neuen Trainer und klatschte mit ihm ab. Eine Geste, die man bei Tasmania schon länger nicht mehr gesehen hat.

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