Berliner Fußball : Nicht angetreten

Wenn ein Amateurverein dreimal in einer Saison nicht antritt, wird er aus der Wertung genommen. Oder auch nicht, wie jetzt ein Fall in der Kreisliga A zeigt.

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Auf unserer Berlin-Sport-Seite werfen wir regelmäßig einen Blick auf den Berliner Fußball.
Auf unserer Berlin-Sport-Seite werfen wir regelmäßig einen Blick auf den Berliner Fußball.Foto: promo

Es ist ein immer wiederkehrendes Problem im unterklassigen Fußball. Vereine bekommen irgendwann im Laufe der Saison keine vollständige Mannschaft mehr zusammen und können nicht antreten. Solche Spiele werden standardmäßig mit 0:6 gewertet, beim dritten Nicht-Antreten wird das Team dann ganz aus der Tabelle gestrichen und muss im nächsten Jahr wieder unten in der Kreisliga C anfangen.

In der Kreisliga A ist das abgeschlagene Schlusslicht RFC Liberta am Wochenende zum dritten Mal nicht angetreten. Liberta darf aber weiter mitspielen, gestrichen wird die zweite Mannschaft, die zwei Ligen tiefer in der Kreisliga C spielt. So will es Paragraph 25 der Spielordnung des Berliner Fußballverbands (BFV). Gestrichen wird demnach nicht zwingendermaßen die Mannschaft, um die es eigentlich geht, sondern immer die "unterklassigste Mannschaft des gleichen Wettbewerbs" von dem betreffenden Verein. In dem Fall also das Reserveteam aus der Kreisliga C.

Dass dieser Paragraph noch nie Aufsehen erregte liegt wohl daran, dass es meistens ohnehin die zweiten Mannschaften sind, die irgendwann nicht mehr antreten können. Ein umgekehrter Fall wie jetzt beim RFC Liberta ist ungewöhnlich.

Selbst für Bernd Wusterhausen, Vorsitzender des Spielausschusses beim BFV, ist die Regelung "beim genauen Betrachten vielleicht ein bisschen unglücklich". Früher sei es anders gewesen, da wurde immer auch die Mannschaft gestrichen, die nicht mehr angetreten war, erzählt er. "Doch dann kam irgendwann mal ein Antrag, weil es ja nicht sein könne, dass von einem Verein zweite und dritte Mannschaften existieren aber keine erste".

Nun gibt es aber auch Vereine, bei denen die erste und die zweite Mannschaft völlig unabhängig voneinander sind. Hin und wieder treten ehemalige Freizeitmannschaften geschlossen einem Klub bei der noch keine Zweite hat, spielen dann offiziell unter dem Vereinsbanner, agieren aber weitgehend autonom. Hier würde der Paragraph 25 reichlich Zündstoff bieten.

Bei Liberta ist dies glücklicherweise nicht der Fall, wie Präsident Rainer Rehmann mitteilt. "Wir werden jetzt die Lücken in der ersten Mannschaft mit Spielern aus der gestrichenen zweiten auffüllen und können die Saison so garantiert zu Ende bringen". Der Vorteil für Liberta wäre dabei der, dass sie im nächsten Jahr nur eine Etage tiefer und nicht ganz unten wieder anfangen müssten.

Aus sportlicher Sicht ist diese Lösung allerdings höchst zweifelhaft und auch der ein oder andere Kicker von Liberta II dürfte nicht allzu glücklich darüber sein, jetzt zwei Ligen höher antreten zu müssen. Denn schon in der Kreisliga C waren die Liberta-Jungs zuletzt kaum konkurrenzfähig. Am vergangenen Wochenende gab es eine 2:14- Niederlage beim SC Union 06 II, wohlgemerkt auch nur ein Team aus dem Mittelfeld der Tabelle.  In der Kreisliga A, wo das Torverhältnis von Liberta jetzt schon bei 21:113 steht, drohen wohl noch schlimmere Packungen.

Rehmann, der gleichzeitig Trainer der zweiten Mannschaft ist, hat aber noch Hoffnung. Vor allem weil noch nicht geklärt ist, ob bei einem der drei Fälle des Nicht-Antretens wirklich die Schuld bei seinem Klub liegt. Hier habe es eine Spielverlegung gegeben, die vom Verband aber nicht fristgerecht bekannt gegeben worden sei, so der Liberta-Vorsitzende.

Überhaupt wissen weder er noch Bernd Wusterhausen so ganz genau, wie es jetzt weitergeht. Zum Beispiel was passieren würde, wenn Liberta in der Kreisliga A nun ein weiteres Mal nicht antreten sollte. "Dafür gibt es keine Regelung, da müssten wir uns zusammensetzen und eine Lösung finden", erzählt der Spielausschuss-Vorsitzende. Und auch sonst wolle er sich mit seinen Kollegen beim Verband beraten, ob der Paragraph 25 vielleicht noch einmal überarbeitet werden sollte. Eine optimale Lösung hat jedenfalls keiner der Beteiligten parat. Und so wäre es wohl auch bei einer erneuten Änderung der Spielordnung nur eine Frage der Zeit, bis ein neuer Präzedenzfall für Diskussionen sorgen würde.

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