Berliner Fußball : Trainerentlassung trotz Aufstieg

Was ist los bei den Berliner Spitzenklubs? Nach dem BAK 07 hat nun auch der BFC Viktoria seinem erfolgreichen Trainer den Laufpass gegeben. Über die wahren Hintergründe lässt sich nur spekulieren.

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Immer montags werfen wir hier einen Blick auf den Berliner Fußball.
Immer montags werfen wir hier einen Blick auf den Berliner Fußball.Foto: promo

Zu den positivsten Erscheinungen im Berliner Fußball gehören in diesem Jahr ohne Zweifel der BAK 07 und der BFC Viktoria. Beide streben danach, sich als dritte Kraft hinter Hertha und Union zu etablieren, haben eine überaus erfolgreiche Saison absolviert und stehen bereits als Aufsteiger fest (BAK in der Oberliga, Viktoria in der Berlin-Liga). Überhaupt nicht ins Bild passt da die Meldung, dass beide Klubs unlängst die Trennung von ihren Trainern bekannt gegeben haben. Bahman Foroutan, seit Saisonbeginn im Poststadion beim BAK, musste vor knapp zwei Wochen seinen Posten räumen und hat inzwischen wieder bei seinem Ex-Klub Türkiyemspor angeheuert. Vor wenigen Tagen folgte dann die nächste große Überraschung, das Ende der Amtszeit von Coach Ersan Parlatan zum Saisonende beim designierten Oberliga-Aufsteiger Viktoria.

Dass die Trainer oft sehr schnell dran glauben müssen, dass für Außenstehende oft nicht wirklich nachvollziehbar ist, warum ein Trainer plötzlich nicht mehr den Ansprüchen genügt, all das ist man aus der Bundesliga gerade in letzter Zeit gewohnt. Die unteren Ligen scheinen den Profiklubs in dieser Hinsicht allerdings in nichts nachzustehen, was angesichts des hier ebenfalls allgegenwärtigen Finanz- und Erfolgsdrucks auch nicht wirklich verwunderlich ist. Dass aber ausgerechnet die beiden aktuellen Aushängeschilder des unterklassigen Berliner Fußballs am Ende einer erfolgreichen Spielzeit ihren Trainern den Laufpass geben, ist zunächst doch schwer nachvollziehbar.

Foroutan genießt in der Branche einen ausgezeichneten Ruf und war sportlich auf einem erfolgreichen Weg mit dem BAK. Auch Ali Han, Präsident bei BAK bestätigt den positiven Eindruck. „Wir sind mit dem Verlauf der Saison und mit der Arbeit von Herrn Foroutan überaus zufrieden“, so Han. Dennoch entschied der Vorstand, den am 30. Juni auslaufenden Vertrag mit dem Iraner nicht zu verlängern, über die Gründe lässt sich nur spekulieren. Möglich, dass das Pokal-Aus im Achtelfinale gegen den BFC Dynamo dem ein oder anderen Vorstandsmitglied sauer aufgestoßen ist. Vielleicht waren auch Zweifel vorhanden, ob Foroutan den großen Ambitionen des Klubs, der mittelfristig in die Dritte Bundesliga möchte, gewachsen war. Der Coach selbst berichtet, im Winter schon einmal fast entlassen worden zu sein, weil es seitens des Vorstands Kritik an seinen Aufstellungen in Testspielen gab. Jetzt sei ihm unter anderem vorgehalten worden, er äußere sich in Interviews zu positiv über die Gegner. Ziemlich zweifelhafte Gründe, vor allem in Anbetracht des sportlich Erfolgs, die eher darauf schließen lassen, dass Teile des Vorstands wohl grundsätzlich mit seiner Person unzufrieden waren. Der Trainer gibt sich jedenfalls selbstkritisch. “Es ist sehr schwierig, mit mir zusammen zu arbeiten, weil ich absolut erfolgsorientiert bin. Außerdem hätte ich im Winter nicht zulassen dürfen, dass so viele Spieler weggeschickt und neue geholt wurden, dadurch hatten wir sportlich etwas Probleme.“

Die Nachfolge ist laut Ali Han noch offen, derzeit sitzt der bisherige Co-Trainer Özkan Gümüs auf der Bank. Der hat allerdings keine A-Lizenz, eine zwingende Vorraussetzung für den Trainerposten in der Regionalliga. „Gümüs wollen wir auf jeden Fall im Verein halten, als Cheftrainer für die kommende Saison kommt er aber nicht in Frage.“ Dabei wollen die Moabiter aber keinen bekannten Berliner Namen, über die in der Szene bereits spekuliert werden. Wahrscheinlicher sei laut Han jemand von außerhalb. „Seit Jahren wandern immer die gleichen Namen durch Berlin, von einem Verein zum Anderen. So jemanden wollen wir nicht“

Foroutan soll nun bei Türkiyemspor, wo er schon am vergangenen Wochenende seinen Einstand gab, helfen, den Absturz in der nächsten Saison so gut wie möglich abzufedern, außerdem steht Türkiyem noch im Pokal-Halbfinale gegen den BFC Dynamo am 18. Mai. Ein Erfolg dort könnte dem angeschlagenen Verein eine dringend benötigte Finanzspritze verpassen und die Vorzeichen für die kommende Spielzeit bedeutend verändern.

Mindestens genauso überraschend und für Außenstehende kaum nachvollziehbar ist die Trennung von Trainer Ersan Parlatan und dem BFC Viktoria zum Saisonende, die vergangenen Mittwoch bekannt gegeben wurde. Bei einer derartigen Dominanz über die gesamte Spielzeit und dem sicheren Aufstieg in die Oberliga sollte man eigentlich davon ausgehen, dass im Verein alles ruhig ist.  Am Montag war von Vereinsseite keine Stellungnahme zu bekommen, in der Fußball-Woche sprach Viktoria-Präsident Schulte-Kaubrügger von einer schwierigen Entscheidung. Als Teil der weiteren Zukunftsplanung und dem Versuch, die Weichen für die nächsten Schritte nach dem Aufstieg zu stellen, sei die Trennung von Parlatan aber nötig gewesen. Als Nachfolger wird laut dem Magazin unter anderem Theo Gries gehandelt, der vor einigen Wochen bei der zweiten Mannschaft des 1. FC Union entlassen wurde und über mehr Erfahrung als Parlatan verfügt.

Dass diese Erkenntnis nun plötzlich kam, ist dennoch verwunderlich, zumal der 33-jährige Parlatan erst vor anderthalb Jahren eingestellt wurde und bislang ein Teil des mittelfristigen Konzepts des Vereins zu sein schien. Jetzt bleibt er ein Beispiel dafür, wie schnell es gehen kann, egal in welcher Liga.

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