Berliner Fußball : TSV Rudow zeigt Livebilder aus der sechsten Liga

Der TSV Rudow zeigt Live-Bilder seiner Spiele im Internet. Vorstandsmitglied Michal Binek spricht im Interview über das Webcam-Projekt und die Vorreiterrolle der Rudower in Sachen Online.

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Auf unserer Berlin-Sport-Seite werfen wir regelmäßig einen Blick auf den Berliner Fußball.
Auf unserer Berlin-Sport-Seite werfen wir regelmäßig einen Blick auf den Berliner Fußball.Foto: promo

Herr Binek, vor zwei Wochen haben Sie als erster Berliner Klub eine Live-Webcam in Betrieb genommen, die Bilder von den Spielen Ihrer Mannschaften sendet. Wie kam es zu dieser Idee?

Die Idee hatte unser Webmaster, Andreas Brunke. Der war durch Zufall über die Internetseite des Hombrucher SV aus Nordrhein-Westfalen gestolpert, die etwas ähnliches schon hatten. Hinzu kam, dass die Zugriffszahlen auf unserer Internetseite außerordentlich gut waren. In Berlin haben nur Hertha und Union bessere Zahlen als wir. Das hat uns selbst überrascht und wir wollten die Attraktivität unserer Seite weiter steigern, natürlich auch für Sponsoren.

Wie lange haben Sie dann an der Umsetzung gearbeitet?

Ungefähr ein Jahr lang.

Welche Hindernisse mussten Sie dabei bewältigen?

Für einen Amateurverein wie wir es sind ist das Ganze natürlich nicht einfach zu stemmen, also brauchten wir zunächst mal einen Sponsor. Wir haben als erstes Sicherheitsfirmen angeschrieben, da die über die nötige technische Ausstattung und das Knowhow verfügen. Ganze sechs Stunden später kam die Zusage von einer Firma hier aus der Gegend, das war sensationell.

Wie ging es dann weiter?

Neben den vielen technischen Dingen, die geprüft und gebaut werden mussten, gab es natürlich rechtlich einiges zu klären. Für die Behörden war unser Anliegen etwas völlig Neues, entsprechend brauchten wir hier einiges an Geduld. Sowohl baurechtlich als auch wegen der Rechte an den Bildern und Datenschutzfragen gab es immer wieder Klärungsbedarf, wir mussten auch häufiger nachrüsten. Der Berliner Fußballverband hatte dagegen relativ schnell grünes Licht gegeben. Als dann im September alles erledigt war, haben wir das Spiel gegen Tennis Borussia als Termin festgelegt, um die Anlage vor großer Kulisse einzuweihen.

Im Moment sieht man die Bilder zweier fest fixierter Kameras ohne Zoom oder Richtungswechsel, die Bilder sind außerdem recht ruckelig. Soll sich das noch ändern?

Wir senden aktuell 3 Bilder pro Sekunde, die technischen Voraussetzungen für mehr sind jedoch vorhanden. Aber wir wollen auch keine perfekte Live-Übertragung, die Leute sollen ja noch ins Stadion kommen.

Heißt das, dass die Qualität der Bilder bislang niedrig ist, damit sie sich selbst keine Konkurrenz machen?

Einerseits ja, andererseits aber auch, um uns noch steigern zu können. Wir zeigen jetzt, welche Möglichkeiten wir haben, alles Weitere wird sich entwickeln.

Der TSV Rudow ist wie die meisten Berlin-Ligisten in erster Linie ein Familienverein mit einem überschaubaren Stamm an Zuschauern und Unterstützern. Sind die interessierten Leute nicht ohnehin alle Sonntags auf der Sportanlage und nicht zuhause vor dem Computer?

In erster Linie ist der Service auch für Leute gedacht, die mal im Urlaub oder krank sind oder unterwegs per Smartphone kurz nachschauen möchten, wie es beim TSV Rudow steht. Deshalb ist unser nächstes Ziel auch eine elektronische Anzeigentafel, die dann immer im Bild zu sehen sein soll.

Was für Reaktionen haben sie bis jetzt bekommen?

Größtenteils positive, ein Stück weit werden wir auch beneidet. Wir nehmen da in Berlin eine Art Vorreiterstellung ein, wie wir es auch schon in Sachen Homepage getan haben. Wenn man sich teilweise Seiten von anderen, größeren Vereinen anguckt, dann sind wir ganz vorne mit dabei.

In einer Pressemitteilung hat sich der TSV Rudow auch kritisch darüber geäußert, dass das Internet und die technischen Entwicklungen das Vereinsleben einschränken, weil vieles Online gemacht wird, was früher von Angesicht zu Angesicht im Vereinsheim stattfand. Wie passt diese skeptische Haltung mit Ihrer Vorreiterrolle in Sachen Internet zusammen?

Wir sehen die Entwicklung skeptisch, wissen aber, dass wir mitziehen müssen. Das ist nun einmal der Wandel der Zeit. Heutzutage werden Informationen nur noch per Internet abgerufen, früher hat man sich im Vereinslokal getroffen. Die technische Entwicklung ermöglicht aber auch mehr Austausch insgesamt, auch wenn es teilweise nur noch virtuell ist. Beim TSV Rudow haben wir 750 Fußballer, der gesamte Verein hat mehrere Tausend Mitglieder. Da ist die Kommunikation über unsere Internetseite schon praktisch, nicht zuletzt durch das Diskussionsforum.

Möchten Sie irgendwann auch mal richtig professionelle Live-Übertragungen machen?

Eher nicht. Wir sind immer noch ein Amateurverein, für richtige Übertragungen wäre der Aufwand wohl zu groß.

Michael Binek ist Kassenwart und zweiter Vorsitzender der Fußballabteilung des TSV Rudow. Das Interview führte Axel Gustke.

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