Berliner Fußball : Wenn Einbrecher die Kabine ausräumen

Immer wieder gibt es im unterklassigen Berliner Fußball Spielabbrüche und -ausfälle – mit den kuriosesten Gründen: Spieler geraten aneinander, der Schiedsrichter holt sich eine Zerrung, Einbrecher räumen die Kabine aus, der Platzwart tritt wegen Überstunden nicht an. Eine Zusammenschau

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Je tiefer die Liga, desto verrücktere Dinge geschehen im Fußball. Während bei den Profis größtenteils sportliche Kuriositäten vorkommen, machen in den untersten Spielklassen auch ganz andere Dinge Schlagzeilen. So gab es an diesem Wochenende in Berlin gleich vier Spielabbrüche in den Kreisligen, wofür nicht nur Undiszipliniertheiten von Amateurkickern verantwortlich waren.

Laut "Fußball-Woche" musste die Partie der Kreisliga B zwischen Empor Hohenschönhausen und dem 1.FC Marzahn II am 29. September ausfallen, weil der Platzwart an der Darßer Straße vom Sportamt in Zwangsurlaub versetzt worden war. Dieser hatte wohl in den vergangenen Monaten zu viele Überstunden angesammelt und durfte deshalb nicht weiter eingesetzt werden. Einen Ersatz gab es nicht, so blieb die Sportanlage geschlossen. Der nächste Versuch soll am kommenden Wochenende gestartet werden.

Bei der Partie FC Hellas II gegen VSG Altglienicke II war der Schiedsrichter selbst Grund für den Spielabbruch. Der Unparteiische zerrte sich in der zweiten Halbzeit den Oberschenkel und sah sich nicht weiter in der Lage, das Spiel zu leiten. Für die Gäste war dies besonders ärgerlich, lagen Sie doch zum Zeitpunkt des Abbruchs bereits mit 4:1 vorne. Nun wird die Begegnung aber voraussichtlich neu angesetzt. „Wir haben dem Gegner angeboten, dass jemand von uns zu Ende pfeift, das Spiel war ja praktisch entschieden“ so Altglienicke-Trainer Gregor Michling. Der Vorschlag wurde jedoch abgelehnt. Für den Coach ist dies zwar ärgerlich, aber auch nicht weiter problematisch. „Was soll’s, dann spielen wir halt noch mal gegen die“ so Michling zuversichtlich.

Auf dem Sportplatz an der Wrangelstraße wurde bei der Kreisliga-C- Begegnung zwischen den beiden  Kreuzberger Klubs Hansa 07 II und Türksspor II während des Spiels in die Kabine der Gäste eingebrochen. Nach Angaben eines Türkspor-Verantwortlichen  hatte ein Ersatzspieler die offen stehende Kabinentür bemerkt und auch einen Verdächtigen fliehen sehen. Gefasst werden konnte jedoch niemand. Es wurden zahlreiche Brieftaschen, Handys, Autoschlüssel sowie Kleidung gestohlen, einige der Türkspor-Spieler mussten in ihrer Sportkleidung nach Hause fahren. Auch hier musste die Polizei gerufen und Anzeige erstattet werden, an Fußballspielen war natürlich nicht mehr zu denken.

Gewalttätige Aussetzer sind jedoch das häufigste Ärgernis im Amateurfußball, immer wieder liest und hört man von Spielabbrüchen wegen Prügeleien, Schiedsrichterbeleidigungen und Ähnlichem. Beim Spiel zwischen Grün-Weiß Neukölln II und dem NSC Marathon soll es an diesem Wochenende nach einem brutalen Foulspiel zu einer Massenschlägerei gekommen sein, an der dem Vernehmen nach auch Zuschauer beteiligt waren. Polizei und Feuerwehr mussten anrücken. Ein weiterer Unparteischer in der Kreisliga B brach das Spiel zwischen SSG Humboldt und der zweiten Mannschaft von Stern Britz ab, weil er sich von Spielern bedroht fühlte.

Wenigstens gab es am Wochenende auch viele Tore zu vermelden: Torreiche Spiele sind in den unteren Ligen zwar keine Seltenheit, das munteres Scheibenschießen in der Kreisliga C zwischen BSC Agrispor II und dem SV Treptow 46 II ist dennoch erwähnenswert. Auch eine zwischenzeitliche 4:1-Führung konnte die Gäste aus Treptow nicht davor bewahren, im zweiten Durchgang noch böse unter die Räder zu geraten. 10:6 hieß es am Ende dieses denkwürdigen Spiels auf dem Platz im Görlitzer Park.

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