Berliner Vereine : Die Umzugs-Kiste

Die Eisbären ziehen in die neue Anschutz-Arena am Ostbahnhof. Doch mit wem werden sie sich Halle teilen? Die Handballer von den Reinickendorfer Füchsen winken ab, die Basketballer von Alba zögern noch.

Lars Spannagel[Hartmut Moheit],Claus Vetter
Baustelle Anschutz-Arena
Der Videowürfel in der Arena am Ostbahnhof hängt schon. Überträgt er in Zukunft auch Szenen von Alba? -Foto: ddp

Berlin - Gestern haben die Berliner Eisbären den Wellblechpalast verabschiedet. Angeblich wirklich zum letzten Mal lud der deutsche Eishockeymeister seine Fans in die alte Spielstätte in Hohenschönhausen ein, zu Gaudi-Spiel und Autogrammstunde. Ernst soll es künftig für den Klub nur noch in der neuen Arena am Ostbahnhof zugehen. Detlef Kornett, Europachef vom Hallenerrichter Anschutz-Gruppe, freut sich darüber, „dass sich die Eisbären schon früh für die O2-World entschieden haben“. Was ein Wunder, wo die Eisbären doch auch zum Imperium der Anschutz-Gruppe gehören. Doch mit wem werden sie die neue Arena teilen?

Inzwischen lässt sich im Internet nachlesen, welche Veranstaltungen ab Oktober die Halle am Ostbahnhof füllen sollen. Von den Toten Hosen ist über die Flippers und Wrestling bis zu einem Testspiel der Basketball-Profiliga NBA alles dabei. Von festen Mietern ist abgesehen von den Eisbären, die ab September rund 30 Heimspiele austragen werden, nicht die Rede. Ob Basketball-Bundesligist Alba Berlin in die Arena umzieht, ist immer noch unklar. Anschutz-Sprecher Moritz Hillebrand sagt: „Wir stehen mit Alba in Verhandlungen, aber einen Zeitplan haben wir nicht.“

Alba hat zum Saisonende den Mietvertrag mit der Max-Schmeling-Halle gekündigt, der sich sonst automatisch verlängert hätte. Beschlossen ist ein Umzug an den Ostbahnhof damit aber noch nicht, Alba will sich alle Optionen offen halten. Es ist verständlich, dass die Basketballer einen Umzug nicht leichten Herzens beschließen: In der Max-Schmeling-Halle spielt der Klub immerhin seit 1996 und gewann hier alle seine sieben Meistertitel. Im Moment will sich Alba ganz auf die Play-offs konzentrieren, am Dienstag steht das erste Halbfinale gegen Oldenburg an. „Wir machen den Umzug nicht davon abhängig, ob wir Deutscher Meister werden“, sagt Sprecher Justus Strauven. Wenn Alba seine alte Heimat verlasse, sei das eine langfristige Entscheidung, die nicht an einem einzigen Titel oder der Teilnahme an der Europaliga hänge.

Mit Sicherheit nicht umziehen will Handball-Erstligist Füchse Berlin. Manager Bob Hanning sagt: „Unsere Heimstätte bleibt die Max-Schmeling-Halle. Ich schließe aber nicht aus, dass wir einzelne Spiele auch in der neuen Arena austragen werden.“ Er denkt dabei an Spitzenspiele wie gegen den THW Kiel. Als der Deutsche Meister in Berlin zu Gast war, reichte selbst eine Zusatztribüne für die Kartennachfrage nicht aus. Mit 10 000 Zuschauern war die Max-Schmeling-Halle randvoll.

So einfach ist ein Umzug für ein Spiel aber wohl nicht. Schließlich sind am Ostbahnhof schon viele Termine vergeben. Mit 100 Veranstaltungstagen rechnete Kornett schon vor einem Jahr. „Die Terminorganisation ist eine hochkoordinative Aufgabe“, sagt Anschutz-Sprecher Hillebrand. Es sei aber denkbar, die Eisbären und Alba etwa an einem Sonntag hintereinander spielen zu lassen. Die Arena lasse sich innerhalb von weniger als zwei Stunden umrüsten.

Problematisch bei den Umzugsverhandlungen könnten die Ticketpreise sein. Bei den Eisbären kostete diese Saison die günstigste Stehplatzkarte 15 Euro, bei Alba darf der Fan selbst in den Play-offs schon für neun Euro sitzen. Alba müsste aber am Ostbahnhof nicht zwangsläufig mehr Geld von seinen Fans verlangen. Ein Mieter könne mieten und dann preislich machen, was er wolle, sagt Hillebrand. Sein Unternehmen strebe im Fall Alba aber „einen anderen Deal“ an. Welchen, sagt er nicht. Wahrscheinlich ist, dass in Berlin – wie etwa in der Kölnarena üblich – der Hallenbetreiber bis zu einer bestimmten Zuschauerzahl das Eintrittsgeld bekommt. Erst nach dem sogenannten „Break-even-Punkt“ würde Alba an seinen Zuschauern etwas verdienen.

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