BFC Viktoria : "Bei uns wird es keinen Mäzen geben"

Der BFC Viktoria steht seit Sonntag als Berliner Meister fest und steigt damit in die Oberliga auf. Doch der Traditionsklub hat noch Größeres vor, wie Viktoria-Präsident Schulte-Kaubrügger im Interview mitteilt.

Immer montags werfen wir hier einen Blick auf den Berliner Fußball.
Immer montags werfen wir hier einen Blick auf den Berliner Fußball.Foto: promo

Der BFC Viktoria war einst eine große Adresse im deutschen Fußball, unter anderem mit zwei Deutschen Meisterschaften (1908 und 1911, außerdem ein inoffizieller Titel vor der Gründung des Deutschen Fußballbundes).  Jetzt, bereits fünf Spieltage vor Saisonende, hat sich der Traditionsklub aus Tempelhof zum ersten Mal seit 1956 wieder die Berliner Meisterschaft gesichert und kehrt nach Jahrzehnten in der Versenkung in den überregionalen Fußball zurück. Im Interview spricht Viktoria-Präsident Christoph Schulte-Kaubrügger über die Zukunftspläne des Klubs, der sich als dritte Kraft im Berliner Fußball etablieren möchte.

Herr Schulte-Kaubrügger, Glückwunsch zur vorzeitigen Berliner Meisterschaft und zum Aufstieg. Wurde nach dem entscheidenden 1:0-Sieg beim TSV Rudow schon ausgiebig gefeiert?

Es gab nur eine kleine Feier nach dem Spiel. Wir hatten vorher auch nichts geplant, weil wir wussten, dass es in Rudow ein schweres Spiel wird und der Aufstieg noch vertagt werden könnte.  Die richtig große Fete wird im Rahmen unseres Stadionfestes am 22. Mai nachgeholt.  Da werden dann auch die anderen Erfolge im Verein gefeiert, wie z.B der mögliche Aufstieg unserer B-Junioren.

Was waren die wesentlichen Faktoren für diese erfolgreiche Saison?

Wir arbeiten an dem Erfolg seit zweieinhalb Jahren und sind in diesem Jahr mehr oder weniger mit der gleichen Mannschaft wie im letzten Jahr an den Start gegangen. Wir legen viel Wert auf Kontinuität und Zuverlässigkeit als Verein, das spricht sich unter den Spielern rum. Außerdem achten wir besonders auf Qualität in allen Bereichen der Vereinsführung. Irgendwann wird man dann dafür belohnt. Nachdem im letzten Jahr die zweite Mannschaft von Union durchmarschiert ist, waren wir jetzt einfach an der Reihe. 

Was sind die Ziele für die kommende Oberliga-Saison und wo soll der Weg langfristig hinführen?

Wir wollen uns als Verein insgesamt weiterentwickeln, und mittelfristig die dritte Kraft im Berliner Fußball werden. Dazu möchten wir zunächst die Mannschaft in der Oberliga stabilisieren, eine gute Saison spielen und uns erst mal wieder an den überregionalen Fußball gewöhnen. Immerhin ist es schon fast 50 Jahre her.

Durch die Aufstockung der Regionalligen 2012 wird es im nächsten Jahr wohl eine erhöhte Anzahl an Aufstiegsplätzen geben, rechnen Sie sich Chancen auf einen direkten Durchmarsch in die Regionalliga aus?

Da müssen wir erst mal die genauen Bedingungen abwarten, noch sind die Pläne für die zukünftige, fünfgleisige Regionalliga ja ziemlich unausgegoren. Deshalb befassen wir uns auch nicht damit sondern freuen uns erst einmal auf die Oberliga.

Wenn Sie die dritte Kraft hinter Hertha und Union werden wollen, muss das Ziel langfristig aber mindestens Regionalliga heißen. Haben Sie sich dafür einen konkreten Zeitplan gesetzt?

Ja, drei Jahre. Unser Verein muss sich erst noch weiterentwickeln und auch die Politik in Berlin und in Tempelhof muss noch mehr tun, um uns zu unterstützen, z.B was Stadionumbauten angeht.  

Ihre Heimstätte, das Friedrich-Ebert-Stadion an der Bosestraße in Tempelhof, genügt zwar noch den Oberliga-Ansprüchen, für die Regionalliga müsste aber einiges erneuert werden. Sind hier Bauarbeiten bereits konkret geplant?

Es ist noch nichts konkret geplant. Es laufen gute Gespräche mit dem Sportamt, die aber noch weitergehen müssen. Zum Beispiel werden wir wohl eine Flutlichtanlage brauchen, die Bezirkskassen sind jedoch sehr knapp. Es ist ja auch noch gar nicht klar, wie genau die Stadionauflagen für die Regionalliga in Zukunft aussehen werden. Momentan sind sie sehr hoch, weshalb viele Oberligisten zurückschrecken und freiwillig auf einen Aufstieg verzichten. Alle warten darauf, dass die Anforderungen gesenkt werden. Welche Umbauten letztlich nötig sein werden, kann noch niemand sagen.

Würden Sie zur Not auch auf eine andere Spielstätte ausweichen?

Mir fällt keine richtig gute Spielstätte ein, wir haben den ganzen Bezirk Tempelhof-Schöneberg schon abgegrast. Was die Stadien angeht ist Berlin insgesamt ziemlich schlecht aufgestellt. Langfristig muss es auch nicht unbedingt in Tempelhof sein, wir haben schon einen gesamt-berliner Anspruch. Das muss aber langsam wachsen.

Gegenüber der Fußball-Woche sagten sie, Klubs wie Dynamo, der BAK oder Türkiyemspor hätten es schwierig, sich als dritte Kraft im Berliner Fußball zu etablieren, weil sie eine eingeschränkte Zielgruppe haben. Welche Zielgruppe wollen Sie erreichen und wie?

Im Grunde wollen wir jeden Fan von attraktivem Fußball erreichen sowie alle, die Wert auf einen offenen, transparent geführten und modernen Verein legen. Wir wollen Zuverlässigkeit vorleben und dadurch bei Fans, Spielern und Mitarbeitern Vertrauen schaffen.

Für viele Berliner Meister in den vergangenen Jahren ging der Weg anschließend eher rückwärts, bei einigen folgte sogar der totale Absturz. Wie wollen Sie ein ähnliches Schicksal vermeiden?

Wir versprechen keine Dinge, die wir nicht halten können, weder Spielern noch Trainern gegenüber. Wir glauben, dass man dann auch langfristig Vertrauen zurückbekommt. Bei uns wird es auch kein Mäzenatentum geben, wie bei vielen anderen Klubs, wo irgendeine Einzelperson Geld reinsteckt. Das verspricht nur Ärger. Wir setzen stattdessen auf einen breiten Sponsorenpool für jeden, der Interesse hat, den Sport und die Jugendarbeit in Tempelhof zu unterstützen. Dann wird man auch eine stetige Entwicklung haben. Letztlich will auch der Sponsor, dass auf Jugendarbeit gebaut wird und dass seriös investiert wird. Wir wollen in dieser Hinsicht Glaubhaft und transparent sein.

Was sind ihrer Meinung nach die größten Fehler, die von anderen Vereinen begangen wurden?

Wie schon angesprochen, das Mäzenatentum. Außerdem leere Versprechungen und riskantes wirtschaften ohne finanzielle Absicherung. Oft wollen die Vereine auch zu schnell zu viel. Meine Person und der Vorstand stehen dafür, dass wir die Fehler, die Andere vorgemacht haben, nicht wiederholen werden.

Der größte Anwärter auf den dritten Platz im Berliner Fußball ist derzeit wohl der BAK 07, was trauen sie denen zu?

Eigentlich kenne ich den BAK zu wenig, um das abschätzen zu können. Sie spielen eine tolle Saison, haben mit Bahman Foroutan einen sehr qualifizierten Trainer und gehen momentan in beeindruckender Weise ihren Weg. Wie stabil und nachhaltig das Ganze ist, wird sich jedoch erst zeigen.  

Ihren eigenen Klub sehen Sie in dieser Hinsicht gut aufgestellt?

Wir sind sehr froh und stolz auf unsere Entwicklung in den letzten Jahren. Es sind ja nicht nur die Männermannschaften, vieles im Verein hat sich bewegt. Umso schöner, dass jetzt das Aushängeschild, die erste Herrenmannschaft, in die Oberliga zurückkehrt.

Das Interview führte Axel Gustke

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