Berlin-Sport : Das Erbe der schwebenden Prinzessinnen In Hoppegarten findet die Hovercraft-WM statt

Stéphanie Souron

Über 40 Jahre lang waren „Princess Anne“ und „Princess Margaret“ die unbestrittenen Herrscherinnen des Ärmelkanals: 56 Meter lang, 320 Tonnen schwer, mit Platz für rund 400 Passagiere und 55 Autos schwebten sie mit 130 Stundenkilometern von Frankreich nach England. Die beiden Hovercraft-Boote waren der Stolz der britischen Reederei Hoverspeed, doch im Oktober 2000 schickte die Seefahrernation England ihre lässigsten Seefahrzeuge ins Museum. Man wolle moderner werden, begründete die Reederei ihre Entscheidung, und setzte fortan Hochgeschwindigkeitsschiffe ein. Die Luftkissenboote sind seitdem nur noch ein Fall für Nostalgiker.

In Dahlwitz-Hoppegarten muss es viele Nostalgiker geben, denn dort gibt es die einzige wettbewerbstaugliche dauerhafte Hovercraft-Rennstrecke der Welt. Ab kommenden Mittwoch findet auf dem 1330 Meter langen Kurs die Weltmeisterschaft der Hovercraft-Boote statt. 152 Luftkissenboote aus den USA, Australien, Kanada, Malaysia, Deutschland, Frankreich und Schweden haben sich angemeldet. Die Fahrer starten in fünf Klassen: der Formel 1, 2, 3, S und in der Formel J der Junioren. Am Mittwoch und Donnerstag findet jeweils ab 10 Uhr das Zeitfahren statt, von Freitag bis Sonntag schweben die Hovercraft dann in den eigentlichen WM-Rennen über die Strecke, die mit zwei Wasserbecken von insgesamt 330 Meter Länge und 18 Meter Breite fast schon ein wenig an den Ärmelkanal erinnert.

Die Technik des Hovercraft basiert auf dem Bodeneffekt: Ein Ventilator am Heck beschleunigt die Rennmaschinen, unter ihnen baut sich ein Luftkissen auf, dann beginnen die Boote zu schweben. Erfunden wurden die Amphibienfahrzeuge Ende der Fünfzigerjahre von einem britischen Tüftler namens Christopher Cockerell, der mit Föhn und Blechdosen experimentierte und so irgendwann ein Luftkissen erzeugte, das einen schweren Körper über Boden und Wasser halten kann. Die große Zeit der Hovercraft-Boote war dann in den Sechzigerjahren. Damals wollten die Briten in der Luft und auf See um jeden Preis schneller sein als die Amerikaner und die Russen – und dafür war ihnen nichts zu teuer. In der Luft entwickelten sie mit den Franzosen die Concorde, auf dem Wasser blieben sie dank der Hovercraft-Boote die Alleinherrscher. Die Fahrt von Calais nach Dover im Hovercraft dauerte mit den Luftkissenbooten gerade einmal 35 Minuten, bei rauem Seegang allerdings kamen sich die Passagiere vor wie in einer klapprigen Waschmaschine. Doch Concorde und Hovercraft blieben immer Exoten: Laut und mit enorm hohem Energieverbrauch behaftet, konnten weder der Jet noch das Amphibienfahrzeug sich als Massenverkehrsmittel durchsetzen.

Auch wenn die Hovercrafts seit vier Jahren keine Passagiere mehr über den Ärmelkanal transportieren, in Filmen haben die Luftkissenboote noch nicht ausgedient. 1979 eroberte James Bond in „Moonraker“ erstmals die Kanäle von Venedig im Hovercraft, im vergangenen Jahr kreiste Morpheus in „Matrix Reloaded“ mit seinem Luftkissenboot „Nebudkadnezar“ um die Gefängnisse der unterirdischen Stadt Zion.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben