Berlin-Sport : Dem Zeitplan um ein Jahr voraus

SCC-Volleyballer sind in Europa angekommen

Karsten Doneck

Wer hart arbeitet, der soll auch ordentlich feiern: Also hatte der SC Charlottenburg für Samstagabend beim Inder am Winterfeldtplatz ein paar Tische reserviert. Nach dem 3:0 über Aufsteiger SG Eltmann, dem zehnten Sieg im elften Saisonspiel in der Volleyball-Bundesliga, sollten die Spieler noch mal in zwangloser Runde beisammensitzen. Kaweh Niroomand nutzte die Gelegenheit zu einer kurzen bilanzierenden Rede. Der Manager, der in der Volleyballabteilung des SCC für das große Ganze verantwortlich ist, teilte mit, er sei mit dem Verlauf der bisherigen Saison „recht zufrieden“, obwohl gegen schwächere Gegner in der Bundesliga manchmal „ein etwas souveräneres Auftreten“ wünschenswert gewesen wäre, aber insgesamt sei doch eine „harmonische Mannschaft“ herangereift.

Champions League und deutscher Pokalwettbewerb mit einbezogen, hat der SCC in den zehn Wochen seit Bundesliga-Beginn 19 Pflichtspiele hinter sich gebracht. Die einzige Niederlage im nationalen Wettbewerb war das 2:3 beim Dauer-Konkurrenten VfB Friedrichshafen. Unglückliche Begleitumstände hatten den SCC am Bodensee geschwächt. Der Finne Nisse Huttunen, Libero und Leistungsträger, fiel kurzfristig wegen einer Magen-Darm-Grippe aus. Sebastian Prüsener musste auf der für ihn ungewohnten Position einspringen.

Ungetrübte Freude löste indes der Auftritt in der Champions League aus. Sechs Spiele, drei Siege – von einer derartigen Zwischenbilanz hatten sie beim SCC nicht mal zu träumen gewagt. Noch immer leicht verwundert stellt Nationalspieler Marko Liefke zur Gegnerschaft fest: „Man sieht, so weit sind die gar nicht von uns weg.“ Höhepunkt war zweifellos der 3:2-Sieg über Sisley Treviso (Italien), eine der besten Klubmannschaften der Welt. „Das hat mit Sport nichts mehr zu tun, das ist nur über die Psyche erklärbar. Da entwickelt sich im Spiel irgendwann eine Eigendynamik, die ist dann gar nicht mehr zu stoppen“, stammelte Niroomand unmittelbar nach der Partie.

Vor etwa drei Jahren, so erzählt der Manager, habe man beim SCC im kleinen Kreis ein Konzept aufgestellt: In zwei Jahren, so das ehrgeizige Vorhaben, sollte der Meistertitel her, 2006 wolle man dann auch in der Champions League eine halbwegs vernünftige Rolle spielen. „Mit unserem Konzept sind wir jetzt im Grunde genommen ein Jahr zu früh dran“, stellt Niroomand fest. Der Manager hat auch die Kritiker eines Besseren belehrt, die ihm vor der Saison rieten, die Mannschaft, gerade Deutscher Meister geworden, müsse dringend verstärkt werden, um ihr Niveau wenigstens zu halten. „Unsere Spieler sind alle noch steigerungsfähig“, hatte Niroomand erwidert. Und selbst als mit Eugen Bakumovski ein Nationalspieler den SCC verließ, endete die Suche nach einem neuen Mann schon in den eigenen Reihen. Der hochtalentierte Robert Kromm, zuvor nur Ersatz, übernahm Bakumovskis Rolle. Und Niroomand sagt jetzt: „Wir haben Kromm, wer spricht da noch von Bakumovski?“

Die SCC-Spieler sind nach dem Besuch beim Inder in Urlaub gegangen – bis zum 26. Dezember. Zwischen Weihnachten und Silvester steht eine Turnierteilnahme in Belgien auf dem Programm. Alles Üben dient zunächst nur einem Zweck: Am 5. Januar soll gegen Unicaja Almeria die Möglichkeit zum Einzug ins Achtelfinale der Champions League genutzt werden.

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