Der Wertvollste : SCC-Volleyballer verpflichten Paul Carroll

Der deutsche Vizemeister holt einen der spektakulärsten Spieler der Bundesliga nach Berlin. Mit dem 24-jährigen Australier Paul Carroll spielt künftig der wertvollste Spieler für den SCC.

von
Wenn er schlägt, dann schlägt er. Paul Carroll (links) ist einer der effektivsten Angreifer in der Volleyball-Bundesliga. Er wechselt von Haching zum SCC.
Wenn er schlägt, dann schlägt er. Paul Carroll (links) ist einer der effektivsten Angreifer in der Volleyball-Bundesliga. Er...Foto: picture-alliance / Eibner-Presse

Berlin - Das Stadion in Halle, es ist März, das Volleyball-Pokalfinale, Haching gegen VfB Friedrichshafen. Vier gefühlt endlos lange Sätze sind gespielt, der Tiebreak läuft, die Atmosphäre ist grandios. Hachings Zuspieler Branislav Skladany spielt den Ball zu Paul Carroll, immer und immer wieder. Und der Diagonalgreifer punktet, immer wieder. Haching gewinnt 3:2 und ist Pokalsieger. Carroll, der 24-jährige Australier, wird zum entscheidenden Mann, 23 Punkte macht er insgesamt im Spiel. Der Auftritt passt ins Gesamtbild. „Paul hat für uns in der Saison die Punkte gemacht“, sagte Hachings Manager Josef Köck am Sonntag.

In der neuen Saison wird der australische Nationalspieler die Punkte für den SC Charlottenburg machen. Der SCC hat den Diagonalangreifer verpflichtet. Nach Tagesspiegel-Informationen ist der Wechsel perfekt. Noch sagt SCC-Manager Kaweh Niroomand: „Kein Kommentar.“ Aber am Dienstag soll ein prominenter Neuzugang verkündet werden.

Damit bekommt der deutsche Vizemeister einen der spektakulärsten Spieler der Bundesliga. Carroll wurde nicht bloß im Pokalfinale zum „Wertvollsten Spieler“ gewählt, auch die Deutsche Volleyball-Liga hat ihn zum „Wertvollsten Spieler“ ernannt – diesmal für die gesamte Saison .

Dass Carroll nach Berlin wechselt, hat mit Sicherheit auch mit seinem Landsmann Mark Lebedew zu tun, dem SCC-Trainer. Der hat mit dem 2,05 Meter großen Angreifer nun einen Profi, der fast allein ein Spiel entscheiden kann. Er hat bei Haching pro Satz im Schnitt weit mehr Punkte erreicht als seine Teamkollegen. Und nach dem Pokalfinale erklärte er den Reportern vor Ort: „Wenn das Spiel eng wird, will ich den Ball. Am Ende des fünften Satzes fühlte ich mich unstoppable.“

Nicht bloß deshalb hatte der SCC schon seit längerem Interesse an Carroll. Im Mai sagte Hachings Trainer Mihai Paduretu der „Süddeutschen Zeitung“: „Es gab auch Angebote von unserem Halbfinalgegner SCC Berlin.“ Das war insofern etwas pikant, weil das Team aus Unterhaching im Play-off-Halbfinale auf den SCC traf. Köck erzählt, dass beim Halbfinal-Spiel in Berlin im VIP-Raum über einen Wechsel von Carroll zum SCC geredet worden sei. Der Vertrag soll allerdings erst nach der Saison unterzeichnet worden sein.

Auf jeden Fall warfen die Berliner die Hachinger aus dem Wettbewerb, Carroll spielte dabei unkonzentriert, und Paduretu war sauer. „Paul ist auch ein junger, unerfahrener Spieler, sein Fokus war nicht mehr zu hundert Prozent auf die Play-offs gerichtet.“ Der Coach ließ seinen überragenden Diagonalangreifer deshalb sogar in den Halbfinals zeitweise auf der Bank sitzen. Allerdings sagt auch Köck, es sei Spekulation, ob der Australier auch wegen des SCC-Angebots nicht in Bestform auftrat.

Carroll hatte nur eine Saison für Haching gespielt, zuvor war er bei dem italienischen Verein Forli. „Für uns ist Paul natürlich ein Verlust“, sagt Köck. Es ist anzunehmen, dass Carroll beim SCC mehr verdienen wird als bei Haching. Bei Haching, sagt Köck, gehörte er auf jeden Fall zu den Topverdienern.

Dass der SCC einen Hochkaräter wie Carroll verpflichtet, entspricht dem Gesamtkonzept des Vereins. SCC-Manager Niroomand will den Verein in der Spitze der Bundesliga fest etablieren, entweder ganz oder gar nicht, lautet die Devise. Alles wird Zug um Zug professioneller. Der Umzug in die Schmeling-Halle war ein weiterer Baustein in diesem Modell. Dort gab es in der vergangenen Saison gegen Friedrichshafen den Bundesliga-Zuschauerrekord: 8045 Fans. In der neuen Saison trifft der SCC in der ersten Runde des europäischen CEV-Cups auf Famagusta.

Mit Carroll besitzt der SCC nun drei Diagonalangreifer, Aleksandar Spirovski und Sebastian Fuchs sind ja auch noch da. Möglicherweise wird aber Fuchs den Verein noch verlassen. Sein Pech, dass Carroll ein direkter Konkurrent ist und nicht mehr die Position besetzt, die er als 17-Jähriger hatte: Zuspieler. Damals war er nur 1,80 Meter groß. Dann schoss er innerhalb eines Jahres 25 Zentimeter in die Höhe.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben