Berlin-Sport : Die Aufsteigerinnen

Der Köpenicker SC dominiert die 2. Volleyball-Liga

Sophie Goetze

Erklären lässt es sich eigentlich nicht. „Jedenfalls nicht in wenigen Worten“, sagt Michael Lehmann. Der Trainer der Frauenmannschaft des Köpenicker Sport- Clubs ist von dem plötzlichen Erfolg genauso überrascht wie die Spielerinnen. Ungeschlagen stehen die Volleyballerinnen auf dem ersten Tabellenplatz in der Zweiten Bundesliga. Und das, obwohl sie gerade erst nach der Saison 2002/2003 aus der Regionalliga aufgestiegen sind. „Mit so einem großen Erfolg haben wir wirklich nicht gerechnet“, sagt die 17-jährige Insa Brychzy, eine der Spielerinnen. „Aber jetzt wollen wir natürlich auch jedes weitere Spiel gewinnen.“ Gestern gegen den TSV 1860 Spandau wurde dieses Vorhaben weiterverfolgt. Der Köpenicker SC gewann souverän in drei Sätzen.

Um auch in Zukunft erfolgreich zu spielen, fand im Januar während der Schulferien ein Trainingslager statt. Während der Schulferien? „Die meisten unser Spielerinnen machen gerade Abitur“, sagt Lehmann. Der Altersdurchschnitt der Mannschaft liegt bei gerade mal 18 Jahren. Das ist ungewöhnlich in der Zweiten Liga. Das Durchschnittsalter der anderen Teams liegt bei Mitte zwanzig. Die Jugend der Spielerinnen des Köpenicker SC ist Teil des Geheimnisses des unerwarteten Erfolges. „Die Athletik ist bei Frauen nämlich schon früh rückläufig. Ab 26 oder 27 Jahren geht es schon wieder abwärts“, sagt Lehmann. Bei Männern sei das anders, die Athletik nimmt ab 20 nochmals zu.

Die Volleyballerinnen des Köpenicker SC befinden sich dank ihres geringen Alters auf dem Höhepunkt ihrer körperlichen Fitness. Viele der Frauen spielen außerdem Beachvolleyball – auch das steigert Leistungsfähigkeit und Erfahrung Die Spielerinnen sind Leistungssportlerinnen, die Mannschaft ist also keine Hobbytruppe. „Dass wir jetzt so weit oben mitspielen können, liegt außerdem an unserer Nachwuchsarbeit“, sagt Michael Lehmann. „Wir betreiben den Aufwand und bilden unsere eigenen Spieler über sieben bis zehn Jahre aus, anstatt sie erst später anzuwerben.“ Obwohl der Verein die leistungsorientierte Nachwuchsarbeit erst seit 1994 betreibt, zahlt sich die Arbeit schon jetzt aus. Wenn die Mannschaft weiterhin so erfolgreich spielt, dürfte einem Aufstieg in die Erste Bundesliga wohl nichts im Wege stehen. Lehmann macht sich allerdings Sorgen um die Finanzierung. „Wenn wir in der Ersten Liga mitspielen wollen, brauchen wir 250000 bis 300000 Euro mehr als jetzt.“ Die Mehrkosten gegenüber dem Spielbetrieb der Zweiten Liga ergeben sich unter anderem aus höheren Start- und Schiedsrichtergebühren sowie einem erhöhten Einkommen der Spielerinnen. Momentan fehlen die notwendigen finanziellen Mittel allerdings. Um die dringend benötigten Sponsorenverträge müsste sich nach Ansicht Lehmanns ein Manager kümmern – und einen solchen hat die Mannschaft momentan nicht. „Wenn der Verein das Geld für die Erste Liga nicht zusammenbekommt, dann wäre das wirklich bitter“, sagt Lehmann. Auch den Spielerinnen ist klar, dass sie vielleicht trotz des Erfolges am Ende der Saison nicht aufsteigen werden. Fällt es der Mannschaft deshalb schwerer, sich zu motivieren? „Ach was. Daran denken wir erst mal gar nicht“, sagt Insa Brychzy. „Hauptsache, wir schließen diese Saison erfolgreich ab.“

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