Berlin-Sport : Die Meister im Schaulaufen

Die Volleyballer des VC Olympia haben selten Erfolg in der Bundesliga, spielen aber in der Nationalmannschaft – bei den Junioren

Sophie Goetze

Von betrübten Gesichtern keine Spur. Dabei steht der VC Olympia Berlin auf dem letzten Tabellenplatz der Volleyball-Bundesliga. Von zehn Spielen in dieser Saison hat die Mannschaft gerade mal eines gewonnen. Trotzdem: Weder fürchtet der Trainer um seinen Job, noch lässt sich das Team von der Erfolglosigkeit beirren. „Wir hatten schon damit gerechnet, den einen oder anderen zu schlagen“, sagt Sebastian Schwarz vom VC Olympia. „Aber letztlich kommt es darauf ja gar nicht an.“

Darauf kommt es nicht an? Klingt nach Gleichgültigkeit im Hinblick auf den Meistertitel. Den zu gewinnen ist für die Volleyballer des VC Olympia allerdings auch gar nicht möglich – ganz unabhängig vom derzeitigen Tabellenplatz. Denn die Mannschaft wurde dank einer Ausnahmeregelung in die Bundesliga eingegliedert, ohne sich qualifiziert zu haben. Das Team des VC Olympia ist identisch mit der Junioren-Nationalmannschaft. In der Bundesliga treten die 18- oder 19-Jährigen jetzt gegen Männermannschaften an. Spiele gegen den VC Olympia werden für alle Teams gewertet. Nur Meister kann das Juniorenteam nicht werden, denn an den Play-offs darf es nicht teilnehmen. Das sind die Rahmenbedingungen für ein in der deutschen Sportlandschaft einmaliges Projekt.

Das Ziel der Maßnahme ist schnell erklärt. „Die Spieler sollen möglichst früh an das Niveau im Erwachsenenbereich herangeführt werden“, sagt Michael Warm, der Bundestrainer der Junioren. Bei den anderen Vereinen der Bundesliga würden die Nachwuchsspieler nicht oft genug eingesetzt. „In der ersten Liga gilt es, die Spiele zu gewinnen“, sagt Warm. „Dann stehen eben nur die erfahrenen Spieler auf dem Feld.“ Deshalb entstand beim Deutschen Volleyball-Verband die Idee, die Juniorenspieler aus ihren jeweiligen Vereinen herauszunehmen und in einer eigenen Mannschaft in Berlin zusammenzufassen. Die meisten der zwölf Spieler besuchen das Coubertin-Sportgymnasium, alle leben im angeschlossenen Wohnheim. Die Kosten für die Unterkunft tragen die Eltern.

Das Konzept besteht zwar schon seit 1993, aber erst zum zweiten Mal spielt die Juniorenmannschaft nicht in der zweiten, sondern in der ersten Liga mit. Siege gegen die technisch und körperlich stärkeren Mannschaften seien nicht so wichtig, weil beim VC Olympia die Ausbildung im Vordergrund stehe. „Weil bei uns die Spieler immer zum Einsatz kommen, ist das Lernpensum sehr hoch.“ Wenn die Spieler das Juniorenalter überschritten haben, wechseln sie zu den anderen Bundesligavereinen – sofern diese Interesse haben. Deshalb sagt Wurm: „Wir sehen uns als Ausbildungsbetrieb für die anderen Vereine.“ Und das Konzept geht auf: Nationalspieler wie Robert Kromm vom SC Charlottenburg und Jochen Schöps vom VfB Friedrichshafen haben beide beim VC Olympia gespielt.

Gelegenheit für sich zu werben haben die Spieler des VC Olympia jedes Wochenende in der Bundesliga. „Das ist für uns ein richtiges Schaulaufen“, sagt Dirk Westphal, der mit der Junioren-Nationalmannschaft im Sommer dieses Jahres die Bronzemedaille bei der Europameisterschaft gewonnen hat. Von einem Erfolg wie diesem können die Spieler zehren, wenn es mal nicht so gut läuft - wie jetzt in der Bundesliga.

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