Berlin-Sport : Eine Nacht Bedenkzeit

Oberligist Tennis Borussia wird wohl heute Trainer Theo Gries beurlauben

Karsten Doneck

Einen Schnellschuss wollte Tennis Borussia unbedingt vermeiden. Bloß nichts überstürzen, alles noch mal eine Nacht überschlafen, hat sich der Vereinsvorsitzende Peter Antony gedacht. Doch die 1:2 (0:0)-Heimniederlage gegen Motor Eberswalde zwingt die Verantwortlichen bei TeBe zum Handeln. Der Fußball-Oberligist, angetreten mit dem Ziel, in dieser Saison in oberen Tabellenregionen mitzuspielen, ist stark abstiegsgefährdet. Heute setzen sich Vorstand, Aufsichtsrat und Trainer zusammen, um die Lage zu erörtern. In erster Linie geht es dabei um die Weiterbeschäftigung von Trainer Theo Gries. Klare Tendenz: Gries wird heute bei TeBe beurlaubt.

Eine Vorentscheidung, so betont Antony, sei in der Trainerfrage noch nicht gefallen, „jedenfalls keine hundertprozentige“. Der Vorsitzende seinerseits sieht sehr wohl Handlungsbedarf. Er verweist darauf, dass die Mannschaft aus den letzten vier Spielen gegen Neustrelitz, BFC Dynamo, Türkiyemspor und Eberswalde nur einen Punkt geholt habe. „Wie soll man da reagieren?“, fragt Antony rein rhetorisch und auch ohne, dass er es explizit ausspricht, wird deutlich, dass für Antony ein Trainerwechsel zum jetzigen Zeitpunkt unvermeidbar ist.

„Wir müssen Strategien entwickeln, wie wir die Mannschaft stabilisieren, um gut aus dieser Saison rauskommen“, fordert Ronny Maschke, der Sportliche Leiter, Reparaturen an anderer Stelle. Maschke macht sich nach wie vor für einen Verbleib von Theo Gries stark. „Ich werde die Empfehlung aussprechen, am Trainer festzuhalten“, sagte Maschke im Vorfeld der heutigen Sitzung. Wahrscheinlich eine vergebliche Fürsprache.

Es gibt bei TeBe seit längerem Überlegungen, wie es ohne Gries weitergehen könnte. Eine der naheliegendsten Möglichkeiten: Taskin Aksoy, früher Abwehrspieler bei den Borussen, übernimmt die Mannschaft für einen überschaubaren Zeitraum. Bis zur Winterpause soll dann ein neuer Trainer gefunden sein, der auch gleich die Planungen für die Saison 2006/07 vorantreibt. Aksoy betreut zurzeit die B-Junioren bei TeBe. „Uns liegen ja auch schon einige Bewerbungen von anderen Trainern vor“, sagt Antony. „Aber ich verspreche: Wir werden keinen nehmen, der sich schon anbietet, solange ein Trainer noch im Job ist.“

Theo Gries, ehemals Profi bei Hertha BSC, will sich indes so leicht nicht geschlagen geben. Auch nach der jüngsten Niederlage gegen Eberswalde berichtet der Trainer von einem völlig intakten Verhältnis zur Mannschaft. „Wir halten zusammen, wir wollen gemeinsam da wieder rauskommen“, sagt Gries kämpferisch. Aber er sieht seine persönliche Lage auch durchaus realistisch. „Wenn du als Trainer keinen Erfolg hast, spürst du immer von irgendwoher Gegenwind. Damit muss ich leben“, sagt Gries.

Vom Anforderungsprofil an einen künftigen Trainer nach Taskin Aksoy hat zumindest Peter Antony auch schon feste Vorstellungen. Einen namhaften und damit teuren Übungsleiter wird sich TeBe nicht leisten. Antony sagt: „Wir holen garantiert keinen vom internationalen Frühschoppen.“

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