Berlin-Sport : „Eine tolle Atmosphäre“

BFC Dynamo – Yesilyurt: ein Spiel der Provokationen

Stefan Schweiger

„Aufgepasst, die Türken kommen“, hieß es auf einer Homepage des BFC-Dynamo- Fanklubs „Sektion Süddeutschland“: Am Sonntag kam es im Sportforum Hohenschönhausen zum Oberligaspiel zwischen dem BFC Dynamo und dem SV Yesilyurt aus Wedding, einer Mannschaft, in der Amateure aus Berlin spielen, Türken, Italiener und Deutsche. Tabellenfünfter gegen den Zweiten, ein Spitzenspiel, und es endete 1:1. Mehr als 1700 Zuschauer waren gekommen, darunter rund 100 Yesilyurt-Anhänger. Letztere provozierten die gegnerischen Fans mit „West-Berlin“- oder „Yesilyurt“-Rufen, als Antwort schallte ihnen aus den Dynamo-Blöcken „Kanaken“ entgegen. Je näher das Ende des Spiels rückte, desto härter wurde es, und desto lauter wurden die „Asylanten, Abschiebehaft!“-Rufe.

Später, bei der Pressekonferenz, wollte niemand der Dynamo-Vertreter die Beschimpfungen gehört haben. Dynamo distanziere sich von vermeintlichen ausländerfeindlichen Tendenzen der Fans. Man kämpfe gegen das Image, Dynamo sei ein Klub für Neonazis. Es sei eine tolle Atmosphäre gewesen mit soviel Publikum, darin waren sich Dynamo-Trainer Christian Backs und Yesilyurt-Coach Bülent Gündogdu einig. Klar sei es nicht schön, wie er und seine Mannschaft beschimpft wurden, sagte Gündogdu. Aber ein Fußballstadion sei auch nur ein Abbild der Gesellschaft.

Die Polizei war im Stadion mit genauso viel Personal vertreten wie immer. Es gab für die zwei Fangruppen getrennte Eingänge ins Stadion, aber das ist üblich bei Dynamo-Heimspielen. Auch die Aufforderung in einem Fanforum, die Yesilyurt-Fans mit dem Tragen von Kopftüchern zu provozieren, hatte bei der Polizei keine Unruhe ausgelöst. „Das ist harmloses, normales Fan-Gebrülle“, sagte ein Polizist. Als einem Yesilyurt-Spieler der Ball in den Unterleib geschossen wurde, machte ein Dynamo-Fan einen Witz: „Mit Vorhaut hätte es nicht so wehgetan.“ Auch nur ein harmloser Scherz? „Das sind eben einfache Menschen. Dass es bei Dynamo viele Rechte gibt, ist ja kein Geheimnis“, sagte ein Polizist.

Auf den Rängen im Sportforum waren viele Bomberjacken und „Lonsdale“-Pullover zu sehen, Kleidung, die in Neonazi-Kreisen verbreitet ist. Mit dem Image hatte Dynamo in den letzten Jahren immer ein Problem: Zunächst als „Stasi- Klub“ verrufen, wird über Dynamo heute häufig als Verein für Nazi-Fans berichtet.

Tatsächlich ist bekannt, dass einige Fangruppen bei Dynamo wie auch bei Hertha oder Union Kontakte in die rechtsradikale Szene haben. Nach dem Spiel, auf dem Weg zu den Kabinen, mussten die Yesilyurt-Spieler durch das Spalier der Dynamo-Fans, die „Bomben für die PKK“ skandierten. „Papa, sprechen die eigentlich deutsch?“, fragte ein Mädchen. – „Ne, türkisch.“

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