Eisbären Berlin : "Coaching ist Kunst und Wissenschaft"

Der neue Eisbären-Trainer Don Jackson über seine Philosophie, die Pläne für Berlin und die Erwartungshaltung in der Hauptstadt.

Claus Vetter

Don Jackson, die Eisbären stehen vor einer Art Übergangssaison. Noch ein Jahr spielen Sie mit Ihrer Mannschaft in der alten Halle in Hohenschönhausen, dann ziehen Sie in die Arena am Ostbahnhof um. Welche Rolle im Umzugsunternehmen Eisbären spielen denn Sie als neuer Trainer?

Ich hasse es, kompliziert zu denken. In ein neues schönes Haus umzuziehen, das ist etwas Großartiges, Aufregendes. Aber mache ich deshalb etwas anders als Trainer, weil ich in eine neue Arena umziehe?

Sie kennen so einen Umzug ja aus Düsseldorf. Dort waren Sie noch Trainer im alten Stadion an der Brehmstraße, dann Trainer in der neuen Arena, in der zur Enttäuschung der DEG kaum mehr Zuschauer gekommen sind als in der alten Halle. Also muss ja etwas schiefgegangen sein, oder?

Die neue Halle in Berlin lässt sich mit der in Düsseldorf nicht vergleichen. Die Arena hier wird viel moderner, ist vom Klubeigner erbaut und genau auf die Bedürfnisse des Eishockeys zugeschnitten. Die Halle in Düsseldorf wurde von der Stadt errichtet, da wurden viele Fehler gemacht. Schon beim Bau.

Mag sein, dass die Berliner Halle von anderer Qualität sein wird als die in Düsseldorf. Trotzdem glauben nicht alle in Berlin, dass die Eisbären als im Osten verwurzelter Klub eine Halle mit 14 000 Zuschauern auf Anhieb füllen können ...

Diese Menschen verstehe ich nicht. In Nordamerika gibt es das nicht, dass jemand herummäkelt, wenn ein Team in ein neues, besseres Stadion umzieht. Das ist doch eine durchweg positive Angelegenheit. Ich freue mich darauf und versuche, auf dem Weg dorthin die Arbeit meines Vorgängers Pierre Pagé fortzuführen. Natürlich sind die Fußstapfen meines langjährigen Freundes groß. Aber ich will ebenfalls die jungen deutschen Spieler fördern und natürlich Erfolg haben.

Dass Sie das können, haben Sie in Düsseldorf bewiesen, einmal kamen Sie ins Finale, einmal ins Halbfinale. Daher kamen Sie für die Eisbären auch als Nachfolger für Pagé infrage, mit dem Sie auch schon in Nordamerika zusammengearbeitet haben. Wie sehr sind sich die Trainer Pagé und Jackson denn ähnlich?

Sie wollen beide Erfolg. Es gibt aber viele Unterschiede zwischen uns. Pierre hat immer einen Traum und philosophiert gerne über seinen Traum. Er will Spannung kreieren, und meistens gelingt ihm das auch. Ich bin nach außen hin vielleicht nicht so, was aber nicht heißt, dass ich nicht konkrete Ideen von meiner Arbeit habe.

Wie sehen diese Ideen aus?

Coaching ist zur Hälfte Kunst und zur anderen Hälfte Wissenschaft. Als Trainer musst du das Spiel verstehen, musst du die Spieler erkennen, die besondere Fähigkeiten haben. So ein Team ist wie ein Block, aus dem ein Trainer etwas modellieren kann. Da ist Kreativität und Freude gefragt. Ich will, dass meine Spieler Spaß haben. Sie müssen gerne zum Training kommen. Sie müssen sich mit Leidenschaft anstrengen. Wenn das nicht der Fall ist, kommt wenig dabei raus.

Aber Ihr Vorgänger Pierre Pagé galt nicht unbedingt als Freund der Spieler und hatte trotzdem Erfolg. Er hat seine Spieler auch schon mal öffentlich kritisiert. Machen Sie so etwas auch?

Nein, das mache ich ungern. Wenn ich etwas zu kritisieren habe, dann sage ich das von Angesicht zu Angesicht. Außerdem merkt doch ein Spieler, wenn ich mit ihm unzufrieden bin, schon daran, dass er weniger Eiszeit bekommt. Disziplin ist das wichtigste Element im Mannschaftssport, die bekomme ich aber nicht, indem ich die Spieler mit Schimpfworten belege.

Vergangene Saison gab es das aber bei den Eisbären, dann kritisierte auch schon mal ein Spieler den Trainer öffentlich ...

So etwas ist natürlich nicht fair. Es muss eine Vertrauensbasis zwischen Coach und Spielern bestehen, nur dann funktioniert das.

Wie ein Team besonders gut funktioniert, wissen Sie aus Ihrer Zeit als Spieler. Da gehörten Sie zu einem der besten Teams, die es im nordamerikanischen Eishockey je gab, den Edmonton Oilers, mit denen Sie in den achtziger Jahren zweimal den Stanley Cup, den Titel in der National Hockey League, gewannen. Haben Sie noch Kontakt zu Ihren ehemaligen Mitspielern?

(Lacht) Nein, die sind alle schon tot. Im Ernst: Natürlich habe ich noch zu einigen Kollegen von früher Kontakt, auch wenn sie alle weit verteilt sind. Ich wusste schon damals, dass ich mich in einer ganz besonderen Phase meiner Karriere befinde. Allein schon der ganze Rummel um meinen Mitspieler Wayne Gretzky, der damals veranstaltet wurde ...

Was haben Sie denn mitgenommen aus jener Zeit mit den Edmonton Oilers?

Ich habe viel über Führungsqualität gelernt, die hatten wir damals in unserem Team mit Gretzky. Gute Charaktereigenschaften und Führungsqualität, das brauchst du in einem Team. Das sind die Fundamente meiner Arbeit.

Wo soll denn Ihre Arbeit die Eisbären hinführen? Die Erwartungshaltung in Berlin ist nicht eben klein …

In Düsseldorf, Köln oder Mannheim sind die Erwartungen genauso groß. Mit dem Druck kann ich umgehen, auch mit der Arbeit, die auf mich zukommt. Ich weiß, dass die Eisbären vergangene Saison Probleme gehabt haben. Daran waren viele Faktoren Schuld.

Zum Beispiel?

Darüber rede ich doch nicht öffentlich.

Aber klare Ziele haben Sie doch?

Wir wollen das beste Team nach der regulären Saison sein, und wir wollen die beste Mannschaft in den Play-offs sein.

Also werden die Eisbären Meister?

Ja.

Was sagen Sie denn denen, die meinen, dass die Eisbären nicht als Meister in die Arena umziehen sollten, weil sie sich dann dort nicht überbieten können?

Denen sage ich, dass sie verrückt sind.


Das Gespräch führte Claus Vetter.

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