Eisbären : Ende der Gemütlichkeit

Die Eisbären brauchen im dritten Play-off-Spiel gegen Düsseldorf starke Nerven.

Claus Vetter[Düsseldorf]

Don Jackson lächelte. Ist alles nicht so schlimm, wollte der Trainer der Eisbären mimisch demonstrieren. Der groß gewachsene US-Amerikaner war allerdings nicht zu schauspielerischen Höchstleistungen fähig am späten Freitagabend. Jacksons Hand flatterte unruhig in seiner Jackettasche hin und her, als er versuchte, in einem Gang der unter „Dome“ firmierenden Riesenhalle in Düsseldorf-Rath die Gründe für eine unnötig erscheinende Niederlage seiner Mannschaft im zweiten Halbfinalspiel um die deutsche Eishockeymeisterschaft aufzuzählen. Er fand erstaunliche Formulierungen. Beim dritten von vier Gegentoren zum Beispiel, da habe sein Team unter einem „Gehirnkrampf“ gelitten. „Dass zwei Düsseldorfer allein auf unseren Torwart zulaufen, das ist doch sehr seltsam“, fand Jackson.

Seltsam war auch, dass die Düsseldorfer EG ein Spiel gewann, das sie längst aus der Hand gegeben hatte. Die Eisbären hatten einen unglücklich zustande gekommenen 0:3-Rückstand ausgeglichen und waren in der Schlussphase gegen erschöpfte Düsseldorfer drauf und dran, das 4:3 zu erzielen – bis Denis Pederson auf die Strafbank musste und Robert Dietrich 99 Sekunden vor Spielende für Düsseldorf traf, ausgerechnet: Unter DEG-Trainer Jackson hat der junge Allgäuer Dietrich in den vergangenen zwei Jahren den Durchbruch geschafft.

Mit dem Siegtor konnte der Außenseiter zwar in der „Best-of-five“-Serie ausgleichen, allerdings nicht die Moral der Berliner Spieler brechen, glaubt der Berliner AngreiferAndré Rankel. „Wir haben uns gut ins Spiel zurückgekämpft“, sagte Rankel, „wir haben denen gezeigt, dass sie keine Chance haben, wenn wir so Eishockey spielen, wie wir spielen wollen.“

Die Play-offs der Worte – beide Seiten reden vor dem dritten Spiel der Serie heute (14.30 Uhr im Sportforum Hohenschönhausen) munter mit. Natürlich spricht niemand vom drohenden Saisonende, obwohl DEG und Eisbären davon jeweils nur noch zwei Niederlagen weit entfernt sind. Robert Dietrich etwa sagte: „Wir haben nichts zu verlieren, jetzt greifen wir am Sonntag in Berlin an.“ Wie soll das funktionieren bei der DEG? Eigentlich geht es gar nicht. Mit dem akustischen Vorteil von ohrenbetäubend lauten 10 000 rheinländischen Fans im Rücken konnten sie die nach dem 4:1-Erfolg im ersten Spiel wohl zu siegessicheren Berliner am Freitag im ersten Drittel überrumpeln. „So etwas wird ihnen nicht noch einmal gelingen“, sagt Rankel. „Erst recht nicht bei uns in der Halle.“

So unwahrscheinlich es ist, dass sich die Eisbären-Fans am Sonntag mit dem Altbierlied auf das Spiel einstimmen werden, so unwahrscheinlich ist es auch, dass die Düsseldorfer ein Offensivfestival im Wellblechpalast aufführen werden. Das könnte für sie gegen die läuferisch stärkeren Eisbären schlecht ausgehen. Nein, die Berliner werden es mit einem defensiv ausgerichteten Gegner zu tun bekommen. „Und da wird es wichtig sein, dass wir die Geduld nicht verlieren und unsere Chancen nutzen“, sagt Eisbären-Manager Peter John Lee. Am Ende werden wohl neben der spielerischen Qualität (da sind die Eisbären vorn) auch die besseren Nerven entscheiden – in dieser Hinsicht wirkten die Berliner Spieler am Freitag gefestigter als ihr zittriger Trainer Jackson.

Eines ist klar: Alles andere als eine 2:1-Führung in der Play-off-Serie wäre für die Eisbären belastend im Hinblick auf Spiel vier – und könnte für Jackson am Dienstag einen noch ungemütlicheren Ausflug nach Düsseldorf nach sich ziehen als den vom Freitag.

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