Eishockey : Eisbären-Nationalspieler verweigert Dopingtest

"Riesendummheit" eines Berliner Eishockey-Nationalspielers: Er verweigert beim Playoff-Finale um die deutsche Meisterschaft zwischen den Eisbären und den Kölner Haien den Dopingtest und gefährdet seine Teilnahme bei der WM in Kanada.

Robert Semmler[dpa]

BerlinWie der Deutsche Eishockey-Bund (DEB) am Montag mitteilte, habe der bisher nicht genannte Akteur am 6. März in einer "eskalierenden Stresssituation" den Dopingtest abgelehnt und ihn erst einige Stunden später nachgeholt. Das Ergebnis war negativ. Der Akteur war am Sonntag auch im ersten Playoff-Finale dabei, das die Berliner mit 3:2 nach Verlängerung gewonnen hatten. Köln ist an diesem Dienstag Gastgeber im zweiten Endspiel.

Der Kontrolleur der Nationalen Anti-Doping-Agentur (Nada) hatte den Spieler laut DEB-Sportdirektor Franz Reindl daheim aufgesucht und angetroffen. Daher handelt es sich nicht um einen versäumten oder sogenannten "missed test". Eine Verweigerung wird normalerweise wie eine positive Probe behandelt, dem Spieler droht gemäß des Nada-Codes eine Sperre von bis zu zwei Jahren.

"Verfahrensvergehen" oder Dopingfall?

Reindl sprach zwar von einer "Riesendummheit", hält jedoch eine öffentliche Verwarnung und eine Geldstrafe für ausreichend. Es liege kein verweigerter Test im Sinn des Nada-Codes vor. "Ich persönlich würde sagen, man kann das nicht wie einen Dopingfall behandeln. Es geht nicht um Doping, sondern um ein Verfahrensvergehen", sagte Reindl. Der Spieler, der offenbar einen anderen Termin als Grund für seine Weigerung nannte, habe seine "Kurzschlussreaktion" bereut und sich mündlich und schriftlich entschuldigt. Er sei nicht wie jemand zu behandeln, der vor dem Kontrolleur geflüchtet sei. Im Regelwerk gebe es zwar keine entsprechende Differenzierung. "Man muss aber den gesamten Vorgang sehen", forderte Reindl.

Bei der Nada hieß es dagegen, dass gerade die unangekündigten Tests extrem wichtig für das Kontrollsystem seien. Nada-Sprecherin Ulrike Spitz betonte allerdings auch, dass die Sanktionshoheit beim DEB liegt. Die Nada kämpfe jedoch um gerechte Urteile. Zuständig beim Verband ist das "DEB Missed Test Policy Gremium", das sich in diesem Fall eng mit der Nada abstimmen will.

Nachgeholter Test war negativ

Reindl unterstrich, die nachgeholte Probe sei ebenso wie alle anderen davor und danach durchgeführten Tests negativ ausgefallen. Die Analyse am Institut für Dopinganalytik und Sportbiochemie in Dresden belegt nach Verbandsangaben zudem, dass in der Zeit zwischen der Verweigerung und dem durchgeführten Test keinesfalls dopingverschleiernde Substanzen eingenommen wurden.

Der Nationalspieler ist auch ein Kandidat für die Weltmeisterschaft in Kanada. Die DEB-Auswahl bestreitet dort am 3. Mai gegen Finnland ihr erstes Vorrundenspiel, so dass schnell ein Urteil gefällt werden muss. Reindl hat jedoch Hoffnung, dass der Spieler zum WM-Kader gehören wird, für den ein halbes Dutzend Eisbären in Frage kommen.

In der Geschichte der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) gab es bisher keine Dopingfälle, auf internationaler Ebene dagegen schon. So waren bei der WM 2005 jeweils ein weißrussischer und ein ukrainischer Nationalspieler des Nandrolon-Missbrauches überführt worden. (ck/dpa)

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