Berlin-Sport : En garde im Ballsaal

Beim Steglitzer Pokal trifft sich die Elite der Fechter

Stefan Schweiger

Es war ein weiter Weg für den Fechter Maxim Bobok und seine Mannschaftskollegen, von Russland nach Steglitz. Jedes Jahr kommt die europäische Fechtelite zum Steglitzer Pokal. Obwohl es keine Weltcuppunkte gibt, hat sich für Bobok die Reise gelohnt: Er hat das Turnier im Männer-Florett gewonnen und nimmt 500 Euro Siegprämie mit nach Hause – „im Fechtsport ist das viel Geld“, sagt Monika Sozanska aus Heidenheim, Siegerin im Frauen-Degen. Denn oft gebe es beim Fechten gar kein Geld.

„Fechten wird salonfähig“, sagte Udo Ungureit, Organisator des Turniers, und strahlte, als er von der provisorischen Planche herunter auf die etwa 400 Zuschauer blickte, die zum 18. Steglitzer Pokal in den Ballsaal des Best Western Hotels in Steglitz gekommen waren. „In einem so festlichen Ballsaal zu fechten, das ist das besondere Ambiente hier“, sagte er. Dabei waren 130 Fechter aus zehn Nationen, darunter Deutschland, Polen, Skandinavien oder Russland. Das Finale im Damen-Degen und Herren-Florett fand nicht in einer halbleeren Sporthalle statt, sondern vor einem für Fechten großen Publikum. „Das gibt es nur hier“, sagte Ungureit. Nach dem Wettkampf gab es ein Büffet, die Athleten feierten zusammen und wohnten im selben Hotel – ohne dafür bezahlen zu müssen, denn der Sponsor Best Western stellte das Hotel zur Verfügung. „Die Atmosphäre ist super hier. Etwas besonderes, eher ein Gauditurnier“, sagte Sozanska. Die gute Stimmung übertrug sich auch auf das Publikum, das während der Kämpfe unruhig war und immer wieder zur Ruhe ermahnt werden musste. „Das stört schon ein bisschen. Aber natürlich ist das besser, als gar kein Publikum zu haben. Das kickt schon auch“, sagte Sozanska.

Das Turnier ist nach Olympia das erste der Saison, „ein Abtasten, bevor der Weltcup losgeht“, sagte Claudia Bokel, Silbermedaillengewinnerin in der Mannschaft bei Olympia. Genauso gehe es aber auch um Prestige, schließlich sind viele Ausländer dabei. Bokel ist gekommen wie viele andere bekannte Fechter, so auch Peter Joppich, im letzten Jahr Florett-Weltmeister und mit 22 Jahren Hoffnungsträger des deutschen Fechtens.

Am Ende gewann bei den Frauen im Degen Sozanska gegen die Estin Heidi Rohi nach einer aggressiven Aufholjagd in den letzten 30 Sekunden 12:11. Bei den Herren im Florett konnte sich Bobok zunächst gegen Joppich, im Finale dann gegen Lars Schache mit seinen Kontern überlegen 15:8 durchsetzen. In den beiden Halbfinals standen bei der großen internationalen Beteiligung vier Deutsche – vier junge Deutsche. Von einer Krise im deutschen Fechten möchte Bokel nichts wissen: „Die Welt ist beim Fechten dicht zusammengerückt. Da dominieren nicht mehr nur ein paar Nationen. Aber wir haben uns hier gut geschlagen.“ Dabei war die 31-Jährige bereits im Viertelfinale ausgeschieden – gegen die 21-jährige Sozanska.

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