Berlin-Sport : Ende einer WG

Dem 1. FC Union laufen die Spieler davon, aber echte Verstärkungen gibt es bisher nicht

Matthias Koch

Berlin - Daniel Schulz sitzt schon auf gepackten Koffern. Der Verteidiger des Fußball-Regionalligisten 1. FC Union wird heute mit seinem Mitspieler Steven Ruprecht in den Urlaub aufbrechen. Ibiza ist das Ziel. Längst gekündigt hat Schulz zuvor seine kleine Wohngemeinschaft mit seinem Kumpel Steven Ruprecht. Es gibt da zwei Möglichkeiten. Entweder suchen sich die beiden Talente eine neue gemeinsame Bleibe in Köpenick. Oder die Wege der beiden Fußballspieler werden sich trennen. „Ich würde gerne zu Hansa Rostock wechseln“, sagt Daniel Schulz. „Ich hoffe, dass sich die beiden Klubs bald einigen können.“

Der Marktwert des Talents, das vor einer Woche beim Turnier in Frankreich gegen die Elfenbeinküste (0:0) und den Gastgeber (1:4) seine ersten beiden Partien in der deutschen U-21-Nationalelf bestritt, ist schwer zu beziffern. „Ich hoffe, dass er ein richtiger Nationalspieler wird. Deswegen haben wir ihm vor zwei Jahren einen Fünfjahresvertrag gegeben“, sagt Union-Präsident Dirk Zingler. Insgeheim erhoffen sich die Köpenicker wohl eine Ablöse von 250 000 Euro. Hansa hat bislang jedoch nur ein deutlich geringeres Angebot abgegeben.

Zu verschenken hat der chronisch klamme 1. FC Union zweifellos nichts. Obwohl bereits am 20. Juni der Trainingsauftakt mit dem neuen Trainer Uwe Neuhaus erfolgt, stehen bislang mit Stürmer Tom Martins, Mittelfeldspieler Christoph Menz und Torhüter Eric Niendorf erst drei Neuzugänge aus dem eigenen Nachwuchs fest. Auch die Fans wundern sich bereits, dass vor der kommenden Saison, die für die Qualifikation zur eingleisigen dritten Liga entscheidend ist, noch nicht mehr passiert ist. „Wir kommen in den Verhandlungen sehr gut voran. Wir werden die Dinge aber erst verkünden, wenn sie unterschrieben sind“, entgegnet Vereinsboss Zingler.

Sogar Pressesprecher Lars Töffling war am Wochenende überrascht, als in Zeitungen die Spieler Alexej Spasskov von Holstein Kiel und Maccambes Younga-Mouhani von Rot-Weiss Essen als Neuzugänge gehandelt wurden. Nach Rücksprache mit Sportdirektor Christian Beeck, der in der vergangenen Woche parallel zu seinem Urlaub Vertragsverhandlungen führte, bestätigte Töffling das Interesse des Vereins an dem Duo. Unterschrieben sei allerdings noch nichts. Möglicherweise könne am Dienstag oder Mittwoch Vollzug gemeldet werden.

Nach dem Abgang der Stammspieler Daniel Teixeira (Karriereende), David Bergner (Hallescher FC), Andreas Biermann und Daniel Bauer (beide unbekannt) würde Union mit Spasskov und Maccambes Younga-Mouhani den Kader aber maximal dem Niveau der vergangenen Spielzeit angeglichen haben. Angesichts des katastrophalen Saisonendes darf die Schlagkraft der neuen Mannschaft noch bezweifelt werden. Nur zwei Siege in den letzten zwölf Partien hätten beinahe postwendend zurück in die Oberliga geführt. Der 1. FC Union vermied den Abstieg nur wegen des um 16 Treffer besseren Torverhältnisses.

Dirk Zingler hat damit kein Problem. „Was bringt es, sich darüber auszulassen. Wir haben das Saisonziel erreicht“, sagt der Vereinsboss trotzig. „Wir konzentrieren uns darauf, es in der nächsten Spielzeit besser zu machen. Ich freue mich auf den 20. Juni – und dass unser Trainer Uwe Neuhaus die Sache sehr ernst nimmt.“

Dasselbe darf man auch von Dirk Zingler hinsichtlich der Modernisierung des maroden Stadions An der Alten Försterei erwarten. Bislang ist noch nicht einmal das Stadiongelände vom Bezirk Treptow-Köpenick übertragen worden, obwohl Zingler dies seit Februar Monat für Monat angekündigt hatte.

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