Eurocup : Alba fertigt Samara souverän mit 88:64 ab

Mit Krasnye Krylia Samara trat der nominell stärkste Gegner in der Eurocup-Gruppe H in der Arena am Ostbahnhof. Doch am Ende mussten sich Alba und 8.863 Anhänger keine ernsthafte Sorgen machen. Überraschend leicht siegten die Berliner 88:64.

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Spaziergang mit Ball. Albas Aufbauspieler Marko Marinovic hatte keine Probleme, bei Samara die Lücken in der Verteidigung zu finden. Foto: dapd
Spaziergang mit Ball. Albas Aufbauspieler Marko Marinovic hatte keine Probleme, bei Samara die Lücken in der Verteidigung zu...Foto: dapd

Berlin - Vor dem Spiel herrschte höchste Sicherheitsstufe. Nicht nur rund um den Reichstag, auch in der Großarena am Ostbahnhof wurden wegen der derzeit durch Berlin geisternden Terrorgefahr die Sicherheitsmaßnahmen intensiviert: Eine erhöhte Anzahl Wachleute patrouillierte, kontrollierte Taschen und Eingänge. Auch im Team von Luka Pavicevic hatte höchste Warnstufe gegolten. Schließlich war mit Krasnye Krylia Samara der nominell stärkste Gegner in der Eurocup-Gruppe H angereist. Doch am Ende mussten sich Alba und 8863 Anhänger weder auf dem Spielfeld noch darum herum ernsthafte Sorgen machen. Überraschend leicht siegte Alba 88:64 (46:29). Als Derrick Allen, mit 19 Punkten Topscorer der Berliner, am Ende von einem „schweren Spiel“ sprach, erntete er nur Kopfschütteln. Mit nun zwei Siegen aus zwei Eurocup-Spielen haben die Berliner hervorragende Aussichten, den Einzug in die nächste Runde vorzeitig sicherzustellen, schon in den nächsten beiden Spielen gegen die ebenfalls noch ungeschlagenen Italiener aus Caserta.

Von dieser komfortablen Situation war zu Spielbeginn gegen Samara nicht unbedingt auszugehen. Mit nicht weniger als fünf ehemaligen NBA-Akteuren waren die Russen nach Berlin gekommen. Doch wie schon in der Vorwoche, als Samara gegen Caserta in eigener Halle verloren hatte, fehlte den Stars jede Bindung zueinander. Die wenig eingespielte Offensive der erst 2009 gegründeten und im Sommer runderneuerten Mannschaft hatte gegen Albas Teamdefensive große Probleme. Die Alleingänge der Einzelkönner wurden früh gestoppt, das erste Viertel entschied Alba mit 23:16 für sich. Selbst Samaras Star Primoz Brezec wirkte trotz seiner acht Jahre NBA-Erfahrung verunsichert und bekam wie seine Mitspieler mehrere Schrittfehler gegen sich gepfiffen. Unter dem Korb war der 2,16-Meter-Mann, der in den letzten beiden Spielen alle Würfe aus dem Feld getroffen hatte, zwar weiter effektiv, doch hielten ihn Patrick Femerling und Derrick Allen geschickt auf Distanz zum Brett. Auf der Gegenseite kam Samaras unkoordinierte Defensive oft nicht mit dem Schauen hinterher, wenn Alba den Ball schnell laufen ließ. Dazu war Allen auch offensiv ein entscheidender Faktor: Immer wieder wühlte er sich zu einfachen Punkten unter dem Korb, 90 Prozent seiner Würfe aus dem Feld trafen.

Im zweiten Viertel änderte sich wenig, Samara agierte seltsam konfus, ließ mehrmals die Wurfuhr herunterticken, ohne abzuschließen. Alba spielte dagegen wie aus einem Guss, als Sven Schultze, der zuletzt fünf von sechs Versuchen getroffen hatte, auch noch den ersten Dreipunktewurf versenkte, tobte die Halle. Samaras Stars wirkten erschüttert. Als Brezec nach einem 7:0-Lauf Albas mit dem Halbzeitpfiff zwei umstrittene Freiwürfe zugesprochen bekam und beide unter dem Jubel der Zuschauer verwarf, schleuderte er frustriert den Ball von sich. Alba führte 46:29 gegen den nominellen Gruppenfavoriten und Euro-Challenge-Finalisten der Vorsaison.

Im dritten Viertel bahnte sich für die Russen allmählich ein Debakel an. Als physisch überlegen hatten sie gegolten, zwischendurch spielten sie aber fast körperlos. Selbst beim Rebound – sonst nicht die Spezialität der Berliner – dominierte Alba. Als Edelreservist und Publikumsliebling Lucca Staiger nach zwei Spielen ohne erfolgreichen Wurf zwei Dreier verwandelte, war klar, dass Alba heute alles gelingen würde. Im Schlussviertel wuchs die Führung der Berliner zwischenzeitlich auf 27 Punkte an. Es wirkte, als wäre der letzte Heimgegner Düsseldorf, den Alba 91:47 deklassiert hatte, einfach in Berlin geblieben und träte in neuen Trikots noch einmal an. Die Schlussminuten klatschte das Publikum durch, beim 88:64-Endstand waren alle Gefahrenwarnungen längst vergessen.

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