Berlin-Sport : Familie an der Platte

Mutter schlägt Tochter und 3B spielt 5:5

Jörg Petrasch

Die Williams-Schwestern machen es im Tennis, die boxenden Klitschko-Brüder haben etwas dagegen. Familienduelle sind eine heikle Angelegenheit im Sport, gerade wenn man sich mag, ist man emotional verstrickt. Damit musste sich am Samstag auch Rudi Stumper befassen. Der neue Trainer des Tischtennis-Bundesligisten 3B Berlin hatte nicht nur das Vergnügen, gegen seinen ehemaligen Verein TV Busenbach anzutreten, den er zuvor vier Jahre trainiert hatte. Stumpers 20-jährige Tochter Laura spielt für Busenbach, seine Frau Bao Di, Lauras Stiefmutter, für 3B.

Nach vier Stunden trennten sich die beiden Führenden der Bundesliga im ersten Saison-Heimspiel für Berlin mit 5:5. Zuvor hatte Stumper noch von einem normalen Bundesligaspiel gesprochen. Mit dem zusätzlichen Anreiz, dass 3B in der letzten Saison das Finale um den Ettu-Cup gegen Busenbach gewonnen hatte und beide Teams vor der Begegnung ohne Verlustpunkte an der Tabellenspitze standen. Allerdings hatte sich der ehemalige Bundesligaspieler aus Reutlingen von Manager Rainer Lotsch längst versichern lassen, dass er nicht direkt gegen Laura coachen müsse.

Beim Familienduell „Frau gegen Tochter“ schließlich betreute Stumper Irina Palina gegen die Chinesin Ying Han, die parallel am Nebentisch spielte. Trotzdem linste er immer mal wieder zur anderen Partie hinüber, die Bao Di schließlich knapp mit 3:2 gewann. Laura vergab dabei einen Matchball, war aber mit ihrer Leistung zufrieden. „So gut habe ich lange nicht gegen sie gespielt“, sagte die Nationalspielerin. Beide haben in der letzten Saison noch zusammen für Busenbach gespielt, kennen sich also auch spielerisch gut. Rudi Stumper nahm das Ergebnis äußerlich regungslos entgegen.

Jedenfalls war der Punktgewinn für 3B zum zwischenzeitlichen 2:4 extrem wichtig. Zuvor hatten sich die beiden Doppel mit 1:1 getrennt und Ran Li – aus taktischen Gründen wurde sie der neuen chinesischen Spitzenspielerin Ah Sim Song vorgezogen – gegen Elke Wosik verloren, genauso wie Veronika Pavlovitch gegen die Ungarin Krisztina Toth und Irina Palina gegen Ying Han.

In der Vorsaison hatte 3B noch beide Male gegen Busenbach verloren. Diesmal gelang die Aufholjagd. Trainer Stumper aber wird dieses Spiel so schnell nicht vergessen. Bei der letzten Partie zwischen Palina und seiner Tochter Laura verließ er die Halle und guckte nur ab und zu kurz hinein. „Ich habe noch nie so ein emotionales Spiel erlebt, wie dieses“, sagte Stumper. Palina gewann hauchdünn und 3B konnte sich über das 5:5 freuen. In der Rückrunde geht das Familienduell dann weiter.

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