Fechten : Weltklasse reicht nicht

Der Steglitzer Fechtpokal kämpft ums Überleben

Klaus Weise

Berlin - Das Geschehen auf der Planche setzt nicht nur geschulte Augen, sondern auch Grundwissen voraus, will man es verstehen. Damit die Insider nicht unter sich bleiben, hat sich Udo Ungureit mit dem Steglitzer Fechtpokal eine Veranstaltung ausgedacht, bei der Fechten auch satt macht. Seit einigen Jahren wird das Turnier als Gala in einem Hotel in Steglitz ausgetragen – mit einem Buffet nach dem Gefecht. 300 Zuschauer wollten diese Art des Mannschafts-Grand-Prix von Degen-Damen und Florett-Herren inklusive kulinarischer Darbietungen erleben.

Was den Sport betrifft, haben die Titelverteidiger überzeugt. Bei den Frauen das Trio von Legia Warschau mit der Einzel-Weltmeisterin von 2005, Danuta Andrzejuk, an der Spitze, das die Estinnen aus Tallinn mit 45:35 beherrschte. Bei den Männern siegte London gegen ZSKA Moskau, identisch mit den russischen Bronzegewinnern der WM, nach zwischenzeitlicher Zwölf-Treffer-Führung am Ende knapp mit 45:43.

Das letzte Gefecht zwischen Lawrence Halsted und Alexej Tschowanski war sportlich mit der Aufholjagd des Russen vom 31:39 zum 43:45-Endstand das Beste des Abends. Und offenbar appetitanregend, wie der rege Zuspruch beim kulinarischen Teil der Gala belegte. Generell kämpft der Steglitzer Pokal seit Jahren ums Überleben. Ungureit hat vor Jahresfrist erneut die Existenzfrage gestellt. Jetzt hieß es bei der Abschiedsrede fast beschwörend: „Wir hoffen, dass wir uns 2010 hier wiedersehen!“

Es ist erstaunlich, dass er und sein Fechtclub Berlin Südwest trotz aller Schwierigkeiten bislang stets Mittel und Wege fanden, um den Steglitzer Fechtpokal nicht leise sterben zu lassen. 8000 Euro Senatsausfallbürgschaft retteten diesmal die Veranstaltung. 3000 weniger als 2008, was die Reduzierung der Preisgelder um die Hälfte auf 1000, 500 und 150 Euro für die Top-Ränge bedeutete. „Ich kann kein besseres Argument für das Turnier finden, als dass Weltklassefechter Jahr für Jahr zu uns kommen“, sagt Ungureit.

Aus dem Senatsumfeld gebe es aber bereits Stimmen, die Höhe der Bürgschaft weiter zurückzufahren oder sie sogar ganz einzustellen, berichtet er. Für den Organisator beginnt am Tag nach dem Finale von 2009 der Kampf um den 24. Steglitzer Pokal. „Ich sage jetzt nicht, das war’s“, bekundet er. Im Frühjahr 2010 werde man mehr wissen, dann entscheidet der Senat, bei wem er sich mit Bürgschaften engagiert. „Sind wir da nicht dabei, dann haben wir gerade das letzte Gefecht gesehen“, sagt Ungureit. Klaus Weise

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