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Floorball : Nischensportart mit Eventcharakter

Floorball steht kurz vor der Aufnahme in den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) - und will sich mit einem internationalen Turnier Ende August in Berlin als neue Trendsportart präsentieren.

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Spektakulär. Floorball wird auch in Deutschland zunehmend populärer.
Spektakulär. Floorball wird auch in Deutschland zunehmend populärer.Foto: promo

Unihockey war gestern. Inzwischen nennt sich die Sportart auch in Deutschland wie international üblich Floorball - und wird immer populärer. 10.000 Mitglieder zählt der nationale Verband und steht kurz vor der Aufnahme in den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB). "Wir hoffen, dass wir diese große sportpolitische Hürde nehmen", sagt Oliver Stoll, Präsident des Floorball Verbands Deutschland. "Dann wären wir endlich Teil der olympischen Familie - und könnten auf Fördergelder zugreifen." Bislang ist Floorball auf Top-Niveau hierzulande noch eine Sache für Idealisten, doch das könnte sich mit der Aufnahme in den DOSB ändern. Nationalspieler müssten für ihr Hobby nicht mehr aus der eigenen Tasche zahlen und die Finanzierung von internationalen Meisterschaften in Deutschland wäre künftig ebenfalls gesichert.

Und vielleicht würde auch das Niveau noch steigen. Im Moment klafft zu den großen Vier im Welt-Floorball eine gewaltige Lücke. Finnland, Schweden, Tschechien und die Schweiz dominieren auf Länder- und Klubebene, Deutschland kommt Stoll zufolge "irgendwo dahinter zwischen acht und zehn." Niederlagen wie das 1:21 bei der letzten Weltmeisterschaft 2010 gegen Schweden sind aber noch Normalität. Denn Floorball hat in Skandinavien beinahe den Stellenwert von Eishockey. Bis dahin ist es bei uns noch ein weiter Weg. Helfen könnte eine Aufnahme von Floorball ins olympische Programm. "Das würde unserer Sportart einen Riesenschub geben", ist sich Präsident Stoll sicher. Für 2020, eher 2024, ist das aber frühestens realistisch.

Spektakuläre Mischung aus Eis- und Hallenhockey

Derzeit sucht Floorball noch seine Nische in der deutschen Sportlandschaft. Dabei ist die Kombination aus Eis- und Hallenhockey spektakulär anzusehen. Zwei Teams mit einem Torwart und je fünf Feldspielern kämpfen mit ihren Kunsstoffschlägern um einen kleinen nur 23 Gramm schweren Lochball. Das Spielfeld ist wie beim Eishockey von einer Bande umgeben. Grundsätzlich darf der Ball nur mit dem Schläger gespielt werden. Im Schulsport ist das einstige Unihockey bereits weit verbreitet, auch weil kein teures Equipment benötigt wird.

In Berlin soll Floorball nun als Trendsport präsentiert werden. Ende August findet in Prenzlauer Berg die Premiere der "Berlin Floorball Open" statt. Die Turnierwebsite ist genau wie die Facebook-Seite komplett in Englisch gehalten, es wird bewusst mit einer Mischung aus Wettbewerb und Partystimmung geworben. Von "Sport und Spaß auf hohem Niveau" spricht Alex Kluge, der die Veranstaltung mitorganisiert.

"Wir wollen, dass die Mannschaften nach Hause fahren und sagen: 'Mensch, das war ein geiles Turnier in Berlin'", so Kluge weiter. Dabei ist das zum Teil hochkarätige Starterfeld mit 16 Klubteams aus ganz Europa einmalig in dieser Form in Deutschland. Sportlich wird vom 26. bis 28. August demnach tatsächlich einiges geboten, auch wenn die "Berlin Floorball Open" nur als Vorbereitung für die wenige Wochen später startende Saison dienen und der Titelgewinn somit eher nebensächlich ist. Die Veranstalter erhoffen sich vor allem, das Turnier langfristig als Berliner Event etablieren zu können.

Oliver Stoll sieht diese Entwicklung mit Freude. Der deutsche Floorball-Präsident wünscht sich, dass Berlin mit seinem Erstligisten SG BA Tempelhof zu einer ebensolchen Hochburg in seinem Sport wird, wie es Sachsen-Anhalt derzeit ist. "Das Turnier ist deshalb ganz wichtig für den Floorball in der Hauptstadt." Und Stoll erinnert daran, dass man auch anderswo irgendwann mal klein angefangen hat. "Und jetzt ist das Spiel in manchen Ländern so ein Riesen-Happening, das es sogar im europaweiten Fernsehen übertragen wird." Unihockey war wirklich gestern.

Die "Berlin Floorball Open" vom 26. bis 28. August in der Seelenbinder-Halle und in der x3m-Arena (beide Paul-Heyse-Straße). Der Eintritt für Besucher ist an allen Tagen frei.

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