Füchse - Balingen : "Handball-Regeln sind sehr kompliziert"

Schläge, Ringkampfeinlagen, verbale Beschimpfungen: Das Spiel gegen die HBW Balingen-Weilstetten brachte den Berliner Füchsen in gewisser Weise einen Vorgeschmack auf die kommenden vier Wochen.

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War doch nichts! Diesen Eindruck vermittelten jedenfalls die Trainer und Team-Verantwortlichen nach dem Spiel zwischen den Füchsen und der HBW Balingen-Weilstetten. Aus Sicht der Gäste war das auch so gemeint, aber wer jedoch genau in die Gesichter von Trainer Dagur Sigurdsson und Geschäftsführer Bob Hanning geschaut hat, der konnte ihre schauspielerischen Qualitäten an diesem Abend nach dem 32:28-Sieg der Berliner zumindest erahnen. Es ist nun mal unüblich in der Handball-Bundesliga, im Nachhinein, selbst nach einem überharten Spiel, mit Schuldzuweisungen aufzutrumpfen. Selbst Schiedsrichter-Schelte bleibt zumeist aus. "Tatsache ist aber, dass diesmal die Referees mehr Fehler gemacht haben, als die beiden Mannschaften", sagte Hanning wenigstens. Er wollte jedoch Martin Harms aus Magdeburg und Jörg Mahlich aus Stendal damit keinesfalls die Hauptschuld dafür geben, dass dieses Spiel phasenweise ausgeartet war. "Den einzigen Vorwurf, den man ihnen machen muss, ist, dass sie nicht rechtzeitig auf beiden Seiten eine Härte-Grenze gezogen haben", erklärte Hanning.

Es bleibt dann natürlich die Frage, warum vor den 6324 Zuschauern in der Schmeling-Halle teilweise nicht der Handball im Vordergrund stand, sondern der körperliche Einsatz mit allen Mitteln. Balingens Trainer Rolf Brack hatte dafür eine Erklärung: "Wir können nur über den Kampf in der Liga bleiben." Während er dann auch den engagierten Auftritt seines Teams in Berlin ausgiebig lobte, grenzte seine Aussage zu den Schiedsrichtern schon stark an Scheinheiligkeit. "Handball-Regeln sind sehr kompliziert", erklärte er, "dieses Spiel verdeutlichte das, war schwer zu pfeifen." Als sich dann auch noch Dagur Sigurdsson bei Brack dafür bedankte, dass dessen Balinger Mannschaft die Füchse haben kämpfen lassen, war das zuvor Geschehene völlig auf den Kopf gestellt. Schläge, Ringkampfeinlagen, verbale Beschimpfungen und damit überforderte Schiedsrichter spielten keine Rolle mehr. Mit Balingen ist das nun mal so, war aus den Reihen der Füchse zu hören.

Etwas Gutes hatte dieser Abend, der wenigstens nicht mit einem Desaster für den Tabellenzweiten endete, dann doch. Die Füchse bekamen einen Vorgeschmack auf die kommenden vier Wochen. Zwar gehen nicht alle Gegner derart zu Werke, wie es Balingen schon seit Jahren praktiziert. Aber alle glauben, das Überraschungsteam der Bundesliga stürzen zu können. Das trifft für alle sechs Gegner zu, auf die die Füchse im Dezember noch treffen werden: Göppingen (4.), Ahlen-Hamm (12.), Wetzlar (19.), Magdeburg (21.), Hannover-Burgdorf (26.), Lübbecke (29.). Gegen sie können die Füchse ausnahmslos gewinnen, aber an einem Tag ohne hundertprozentige Leistung auch verlieren. Dementsprechend engagiert werden diese Mannschaften gegen die Berliner agieren. "Spiele, wie das gegen Balingen, sind dafür eine sehr gute Schule", urteilte deshalb Bob Hanning. Auch für Dagur Sigurdsson war am Mittwochabend unter diesem Aspekt ein Fakt viel wichtiger, als sich mit Unfairness zu beschäftigen: "Meine Mannschaft hat Charakter gezeigt. Sie hat zusammen gehalten und in einer Phase, als es dringend notwendig war, noch einmal zugelegt."

So gesehen war es doch eine ganze Menge, was im Spiel gegen Balingen auch an Positivem passiert ist. Dass die Füchse letztlich auf diese Weise argumentieren können, macht ihre neue Qualität aus. Damit können sie in dieser Saison vielleicht sogar noch etwas ganz Großes erreichen.

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