Füchse : "Ich weiß noch nicht, was in Berlin geht"

Bob Hanning, Geschäftsführer der Füchse Berlin, über Erstliga-Handball, Freikarten und Risikobereitschaft.

Hanning Foto: Mike Wolff
Bob Hanning, 39, ist seit zwei Jahren Geschäftsführer der Füchse. -Foto: Mike Wolff

Herr Hanning, wann ziehen Sie nach München um?

Das ist derzeit kein Thema. Aber so abwegig ist die Frage nicht einmal.

Ernsthaft?

Ja, ich bin von Investoren angesprochen worden, ob ich auch dort etwas aufbauen kann. Aber meine Mission in Berlin ist längst nicht vorbei. Ich werde meinen Vertrag über 2008 hinaus verlängern.

Am Mittwoch beginnt für Ihre Mannschaft gegen Nordhorn der Punktekampf in der Ersten Bundesliga. Damit haben Sie doch Ihr Ziel erreicht?

Gewiss, nach 21 Jahren gibt es nun in der Stadt wieder Erstliga-Handball. Ob die Berliner das wollen, wird sich zeigen. Ich weiß noch nicht, was in der Stadt geht.

Die Aussage überrascht, schließlich ist es Ihnen nach dem Aufstieg der Füchse möglich gewesen, einen siebenstelligen Etat zu organisieren. Reicht das nicht?

In den nächsten Tagen werden wir zwei weitere Sponsorverträge mit großen Unternehmen abschließen. Wenn wir dann auf 3000 Zuschauer pro Spiel kommen, ist unser Saisonetat von etwa 2,7 Millionen Euro gesichert. Das ist gigantisch.

Aber?

Es geht um den Handball mit Perspektive, wie wir eines Tages einen europäischen Wettbewerb erreichen können.

Das erfordert wirtschaftliche Stärke, wofür Sie jeden Cent zweimal umdrehen wollen. Also gibt es auch keine Freikarten mehr, wie noch in der Zweiten Liga?

Definitiv, die Karten werden verkauft.

Dem wiederspricht allerdings ein Aufruf des Präsidiums des Berliner Sport-Clubs, der seinen Mitgliedern, deren Familien, Freunden oder dem gesamten Verein Freikarten in jeder gewünschten Größenordnung anbietet.

Mir ist bekannt, dass der Verein 20 Karten gekauft hat. Wenn diese Karten verschenkt werden, hätte ich nichts dagegen. Vielleicht ist man ja beim BSC bereit, noch mehr Karten zu kaufen. Zu verschenken haben wir jedenfalls nichts.

Ist langfristiger Erfolg im Handball planbar?

Nur, indem der zweite Schritt nicht vor dem ersten gegangen wird. Wir haben die Zweite Liga ohne einen Euro an Schulden abgeschlossen, jetzt wird bald auch der Saisonetat für das erste Jahr in der Ersten Liga stehen. Und der soll ausreichen, das wir zunächst die Klasse halten.

Gehört nicht auch Risiko zum Geschäft?

Sicherlich, aber aus meiner Sicht muss es kalkulierbar sein.

Ist es für die Füchse nicht ein zu großes Risiko, wegen der langen Verletzungspause von Mark Bult ohne starken Linkshänder in die Saison zu gehen.

Das kann schon sein, aber die Spieler, die wir getestet haben, waren nicht gut genug. Bessere Spieler sind derzeit nicht zu haben. Die Wechselfrist in der Bundesliga läuft ja noch bis zum 15. Januar. Da kann sich immer etwas ergeben.

Nehmen wir an, ein Star wie Kiels Nikola Karabatic wäre zu haben, was müssten Sie für so einen Ausnahmespieler ausgeben?

Unter 600 000 Euro ist der Franzose nicht zu haben. Aber mit einem Karabatic im Team ist man noch längst nicht Spitze. In anderen Sportarten mag das gehen.

Zum Beispiel?

Wenn ich im Basketball einen Dirk Nowitzki für die Bundesliga verpflichte, kann ich Titel gewinnen. In der Handball-Bundesliga, in der die weltbesten Spieler sind, funktioniert das nicht. Der THW Kiel und der HSV Hamburg haben einen Saisonetat von 6,5 Millionen Euro.

Können die Füchse überhaupt einmal in diese Regionen vorstoßen?

Das geht nur Stück für Stück. Wenn das Ziel klar ist, führt nicht immer der direkte Weg am schnellsten dorthin, manchmal sind Umwege nötig. Ich habe zu potenziellen Partnern immer gesagt: Wenn ihr uns nicht reinlasst, dann gehen wir außen herum und finden andere.

Das klingt alles sehr bedacht. Sind Ihnen in den zwei Jahren in Berlin etwa keine Fehler unterlaufen?

Doch, natürlich. Zum Beispiel hätte ich in der ersten Zweitligasaison, als wir zum Jahreswechsel in arge Schwierigkeiten gekommen sind, handeln müssen. Ich hätte das Risiko einer – übrigens vom Trainer Jörn-Uwe Lommel geforderten – Verstärkung eingehen müssen.

War damals das gesamte Projekt Erstliga-Handball in Berlin in Gefahr?

Wären wir abgestiegen, wäre das so gewesen. Dann gäbe es am Mittwochabend in der Max-Schmeling-Halle kein Érstligaspiel mit den Füchsen Berlin.

Das Gespräch führte Hartmut Moheit.

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