Fußball in Berlin : Spielabbruch beim Spitzenspiel der Landesliga

Immer montags wirft unser Autor Axel Gustke einen Blick auf den Berliner Fußball. Heute: Eklat zum Landesliga-Auftakt: Der Schiedsrichter bricht das Topspiel zwischen Club Italia und dem Al-Dersimspor vorzeitig ab, nachdem er von Spielern bedrängt wird.

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Immer montags berichten wir an dieser Stelle über den berliner Fußball.
Immer montags berichten wir an dieser Stelle über den berliner Fußball.Foto: promo

In der 55. Minute wurde es hektisch auf dem Sportplatz am Spandauer Damm. Während der Landesliga-Partie zwischen Club Italia Berlino und dem BSV Al-Dersimspor zeigte Schiedsrichter Kellmann einem Al-Dersimspor-Spieler die gelb-rote Karte und wurde daraufhin von mehreren Spielern der Gäste bedrängt. Laut Fußball-Woche seien dabei auch Beleidigungen gefallen, wofür der Unparteiische einen weiteren Spieler vom Platz stellte und die Partie unterbrach. Den Angaben zufolge soll bei den Tumulten auch der hinzugeeilte Schiedsrichter-Assistent einen Schlag in den Rücken bekommen haben. Das Gespann zog sich zunächst zur Beratung zurück, entschied sich aber kurz darauf für einen Spielabbruch.

Was genau vorgefallen ist, vor allem was letztlich den Schiedsrichter zu seiner Entscheidung veranlasst hat, ist noch unklar. Dem Berliner Fußballverband sind bislang keine Details zum Vorfall bekannt, auch der Spielbericht des Schiedsrichters mit einer offiziellen Begründung für den Abbruch liegt noch nicht vor. Mit Sicherheit wird es aber zu einer Verhandlung vor dem Sportgericht kommen, so der Stellvertretende Vorsitzende des Spielausschusses des Berliner Fußball-Verbandes, Halfter. Sollte dort der Spielabbruch als gerechtfertigt angesehen werden,  wovon auszugehen ist, wird das Spiel wohl mit 6:0 für die Italiener gewertet, die zum Zeitpunkt der Auseinandersetzungen ohnehin 1:0 vorne lagen.

Für Jörg Schwanke, Trainer von Club-Italia, war schwer zu erkennen, was genau passierte, auch weil sich die Szenen auf der anderen Seite des Spielfelds abspielten. „Handgreiflichkeiten waren keine zu erkennen, es müssen wohl verbale Angriffe gewesen sein, die die Unparteiischen zum Spielabbruch bewegt haben", sagte der Coach dem Tagesspiegel. Dabei lobte er auch seine eigenen Spieler, die sich demnach komplett aus der Rudelbildung heraushielten.

Aus Sicht des Al-Dersimspor-Vorsitzenden Battal Akdag war die Reaktion des Schiedsrichters völlig überzogen. „Von mir aus soll er Platzverweise verteilen, wenn er meint, aber für einen Spielabbruch gab es überhaupt keinen Grund“. Akdag warf dem Unparteiischen außerdem vor, gar nicht an einer Beruhigung der Lage interessiert gewesen zu sein. „Normalerweise holt man sich in so einer Situation die beiden Mannschaftskapitäne heran, spricht mit ihnen und mahnt zur Ruhe.“ Kellmann habe aber darauf verzichtet, sich stattdessen schnell zurückgezogen und danach sämtliche Gesprächsversuche abgeblockt, so Akdag weiter. „Ich habe diesen Verein gegründet und war von Anfang an dabei, aber so etwas habe ich noch nicht erlebt“.

Eigentlich hätte es ein sportlicher Höhepunkt zum Auftakt der Saison werden sollen. Der hochambitionierte Club Italia Berlino gilt als einer der großen Favoriten in der Landesliga, Al-Dersimspor nach dem denkbar knapp verpassten Aufstieg im letzten Jahr ebenfalls. Laut Jörg Schwanke war es auch bis zum Vorfall in der 55. Minute ein ansehnliches Fußballspiel. „Al-Dersimspor ist eine sehr starke Mannschaft, die werden trotzdem oben mitspielen", ist sich der Italia-Coach sicher.

In der Landesliga, immerhin die siebthöchste Spielklasse, in der die meisten Spieler schon Geld verdienen, sind solche Vorfälle eher ungewöhnlich. Gerade in den Reihen von Al-Dersimspor und Club Italia stehen einige renommierte Berliner Fußballer, die auch schon höherklassig gespielt haben. In den unteren Ligen dagegen sind negative Zwischenfälle und Angriffe gegen die Unparteiischen keine Seltenheit. Wie die Fußball-Woche berichtet, musste an diesem Wochenende der Schiedsrichter der Partie TSV Helgoland II gegen FC Karame in der Kreisliga A nach dem Spiel von den Helgoländern vom Platz begleitet werden, um ihn vor den aufgebrachten Gästespielern zu schützen. Zuvor hatte er innerhalb der letzten zehn Minuten gleich vier Platzverweise gegen Spieler des FC Karame verteilt.

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