Fußball in Berlin : Streik in der Kreisliga

Immer montags werfen wir einen Blick auf den Berliner Fußball. Heute: Trainingsstreik bei Steglitz GB. Der Verein aus der Kreisliga B fühlt sich bei der Platzvergabe vom Bezirksamt benachteiligt und hat aus Protest den Trainingsbetrieb eingestellt.

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Jeden Montag werfen wir hier einen Blick auf den Berliner Fußball.
Jeden Montag werfen wir hier einen Blick auf den Berliner Fußball.Foto: promo

Talat Özgen, Vorsitzender des Fußballklubs Steglitz GB, ist sauer. Grund ist die Vergabe der Trainingszeiten durch das Sportamt. „Wir sind seit über 20 Jahren auf der Sochos-Sportanlage in der Lessingstraße, ich verstehe nicht, warum uns jetzt immer weniger Trainingszeiten gegeben werden.“ Tatsächlich wurde seinem Verein bei der Vergabe der Platzzeiten für das kommende Jahr die Stundenzahl gekürzt und angeboten, stattdessen auf den Sportplatz am Immenweg auszuweichen. Dort trainieren bereits die drei Altliga-Mannschaften des Klubs, mit seinen Männermannschaften will Özgen aber unbedingt an der Lessingstraße bleiben.

Deshalb hat Özgen auf der letzten Sitzung zur Platzvergabe im Bezirksamt vor drei Wochen verärgert den Saal verlassen und ist mit seinem Verein in den Trainingsstreik getreten. „Wir möchten damit den Druck auf das Sportamt erhöhen, schließlich müssten die dort doch auch ein Interesse daran haben, dass bei den Vereinen in ihrem Bezirk erfolgreich Fußball gespielt wird.“

Sportliche Ambitionen hat der Verein durchaus. In den vergangen Jahren landeten die Steglitzer immer auf einem der vorderen Plätze in der Kreisliga B, für den Aufstieg hat es jedoch nicht gereicht. Der soll in diesem Jahr endlich gelingen, trotz des aktuellen Trainingsstopps. Das Team ist auch entsprechend gut in die Saison gestartet, am Wochenende gab es einen 3:2-Sieg gegen den FC Treptow II.  Die Gefahr, dass durch das fehlende Training der sportliche Erfolg gefährdet wird, sieht Özgen aber noch nicht. „Wir haben genug Qualität in der Mannschaft, um weiterhin unsere Spiele zu gewinnen.“ Die nötige Fitness und Spielpraxis soll unterdessen durch Freundschaftsspiele unter der Woche geholt werden.

Das Problem Platzmangel kennen viele Berliner Sportvereine, gerade in den dicht bebauten Innenstadt-Bezirken. Es gibt oft nicht genügend Raum, viele Sportanlagen müssen von mehreren Vereinen parallel genutzt werden. Den Platz an der Lessingstraße teilt sich der kleine Steglitz GB mit dem Landesligisten SSC Südwest, der dort Training und Spiele von 22 Mannschaften unterbringen muss.

Beim Platznachbarn kann man den Ärger nicht wirklich nachvollziehen. Im Gegenteil, laut Heinz Siebart, sportlicher Leiter und Geschaftsführer von SSC Südwest, nutzt Steglitz GB einen großen Teil seiner Platzzeiten gar nicht. Außerdem sei die Entscheidung des Sportamts verständlich, schließlich habe Steglitz GB in der Vergangenheit schon oft Mannschaften angemeldet und Trainingszeiten erhalten, die Teams aber kurz darauf wieder zurückziehen müssen. Dies kommt gerade im Jugendbereich immer wieder vor, wenn einem Verein im Laufe der Saison die Spieler ausgehen oder nicht genügend Betreuer vorhanden sind.

Dass auch der SSC Südwest seine Platzzeiten zum Teil nicht nutzt, wie auf Seiten von Steglitz GB behauptet wird, bestreitet Siebart: „Wir trainieren teilweise mit vier Mannschaften gleichzeitig, zwei pro Platzhälfte, unser Kontingent ist ausgeschöpft“ so der sportliche Leiter.

Dies ändert jedoch nichts daran, dass Özgen und sein Klub sich ungerecht behandelt fühlen. „Wir sehen nicht ein, dass nur wir auf einen anderen Platz ausweichen sollen, wir sind hier genau so beheimatet wie der SSC. Das ist einfach keine faire Behandlung.“ klagt er. Deshalb hat er sich jetzt an den Stadtrat gewandt, der die Angelegenheit klären soll. Eine Antwort hat er bislang nicht erhalten, er hofft aber weiter auf die Einladung zu einem Schlichtungsgespräch. Bis dahin wird der Steglitz GB unter der Woche nur als Gast auf anderen Fußballplätzen zu sehen sein, nicht an der Lessingstraße.

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