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Fußball : Kreuzberger Club Türkiyemspor will Insolvenz anmelden

Der Berliner Regionalligist Türkiyemspor will am kommenden Montag Insolvenz anmelden. Den Kreuzberger Fußballclub drücken aktuell 639.360 Euro Verbindlichkeiten.

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Spiel mit dem guten Ruf. Trainer Taskin Aksoy sieht eine jahrelange Aufbauarbeit schwer beschädigt.
Spiel mit dem guten Ruf. Trainer Taskin Aksoy sieht eine jahrelange Aufbauarbeit schwer beschädigt.Foto: Matthias Koch

Bernd Schultz weiß es schon länger. Der Präsident des Berliner Fußball- Verbandes ist erschüttert, dass dem Viertligisten Türkiyemspor Berlin das finanzielle Aus droht. Die Kreuzberger scheinen wie Tennis Borussia an ihren wirtschaftlichen Problemen zu scheitern. Am Montag könnte der Klub Insolvenz beantragen. „Türkiyemspor hat nicht so eine lange Tradition wie TeBe. Doch Türkiyemspor ist ein außergewöhnlicher Verein“, sagt Schultz. „Aber auch hier wurden Schulden angehäuft, die nicht für den Breitensport bestimmt waren.“

Momentan ist der Verein führungslos. Nach dem Rücktritt des Präsidiums kämpft der verbliebene Aufsichtsrat um dessen Vorsitzende Süreyya Inal um die Rettung des Klubs. Die engagierte Steuerberaterin versucht mit einer Taktik der Transparenz Menschen zu bewegen, an der kurzfristigen Tilgung der Verbindlichkeiten in Höhe von 640 000 Euro mitzuhelfen. Beim Länderspiel Deutschland gegen die Türkei wollte sie gestern Abend in den Vip-Räumen des Olympiastadions türkische Mittelständler ansprechen. Heute soll es eine Informationsveranstaltung für die Vereinsmitglieder geben.

Vielleicht erscheinen dann ja auch einige frühere Vorstandsmitglieder, die ihre Darlehen an den Verein in Höhe von insgesamt 300 000 Euro zurückfordern. Laut Inal verlangen allein die früheren Präsidenten Kadir Aslan und Celal Bingöl 169 000 respektive 36 496 Euro. „Der gute Ruf Türkiyemspors wurde in den letzten Jahren mit Füßen getreten“, sagt Trainer Taskin Aksoy. Sollte am Montag Insolvenz beantragt werden, steht seine Elf als erster Absteiger aus der Regionalliga fest.

32 Jahre ist es her, dass sich ein Vorläufer des bekanntesten Migrantenvereins Deutschlands in der West-Berliner Freizeitliga anmeldete. 1983 nahm der Klub dann als BFC Izmirspor den Spielbetrieb in der untersten Spielklasse West-Berlins auf und schaffte ohne Unterbrechung den Durchmarsch von der Kreisliga C bis in die damals drittklassige Oberliga. Eigentliche Heimat von Türkiyemspor, das seit 1987 den heutigen Namen trägt, ist Berlin-Kreuzberg. Dort leben seit Jahrzehnten Migranten aus der Türkei. Sie füllten vor allem Ende der achtziger Jahre das Katzbachstadion zu Tausenden.

Es folgte die politische Wende und sportlich unruhige Zeiten für den Klub. Zwischenzeitliche Erfolge wie die Zugehörigkeit zur Regionalliga Nordost in der Saison 1994/95 konnten den schleichenden sportlichen Niedergang von Türkiyemspor nicht aufhalten. 1998/99 und 1999/2000 spielte der Klub sogar nur in der fünften Liga. Hinzu kamen finanzielle Sorgen und schlechte Trainingsbedingungen. Trainer Thomas Herbst gab daher trotz des sensationellen Aufstiegs in die Regionalliga im Sommer 2008 freiwillig seinen Posten auf. Auch Uwe Erkenbrecher und Bahman Foroutan, die 2009 und 2010 jeweils den Klassenerhalt in der Regionalliga geschafft haben, waren bald wieder weg.

Die Zugehörigkeit zur Regionalliga hat die wirtschaftlichen Probleme des Klubs nur verschärft. Schmerzlich war für Türkiyemspor vor allem der Verlust seiner Heimspielstätte. Da das Katzbachstadion vom Deutschen Fußball-Bund nicht für die Regionalliga zugelassen wurde, muss Türkiyemspor seine Heimspiele im Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark im Prenzlauer Berg austragen. Dort verlieren sich bei den Spielen der ersten Mannschaft meist nur wenige hundert Fans auf der Tribüne.

„Die in der Regionalliga spielenden A- und B-Junioren und die gesamte Jugendabteilung will der Verein auf jeden Fall halten“, sagt Aufsichtsrätin Inal. Ob sie selbst im Amt bleibt, entscheidet sich aber erst auf der Vereinsvollversammlung am 24. Oktober. Dort sollen das Präsidium und der Aufsichtsrat neu gewählt werden.

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