Berlin-Sport : Geduldsspiele

Eishockey-Drittligist Berliner Schlittschuh-Club Preussen muss sich langsam wieder einen Ruf erarbeiten

Steffen Hudemann

Hoch oben, unter dem Dach der Deutschlandhalle, ist die Welt noch in Ordnung. Zwischen roten Samtgardinen und goldfarbenen Tapeten lassen es sich Sponsoren und andere wichtige Personen des Berliner Schlittschuh-Clubs Preussen gut gehen. Vor und nach den Spielen sowie zweimal dazwischen gibt es Deftiges vom Büfett und Weizenbier vom Fass. Ein Zeitreisender aus den Siebzigerjahren würde nach seiner Rückkehr aus dem Roten Salon der Deutschlandhalle berichten: Es hat sich nichts verändert, Eishockey in Westberlin hat noch immer Bedeutung.

Die Realität unten auf dem Eis sieht anders aus. Die Neugründung unter altem Namen, die sich im Jahrbuch das nicht mehr zu steigernde Prädikat „20-facher Rekordmeister“ anheftet, spielt in der drittklassigen Oberliga, wo die Gegner Namen tragen wie Höchstadt Alligators oder Schweinfurt Mad Dogs. Schlimmer für die im Schnitt rund 1500 Fans in „Berlins Partytempel“ – wie die veraltete Deutschlandhalle neuerdings im Sprachgebrauch des Klubs heißt – ist, dass die Preussen auch in einer Liga mit den Eisbären Juniors spielen, dem Reserveteam des Konkurrenten aus Hohenschönhausen.

Wer hier Sätze sagt wie: „Alle wollen immer gleich den großen Erfolg. Wir müssen aber Geduld haben“, hat es schwer. Trainer Andreas Brockmann, im vergangenen Jahr schon beim insolventen Vorgängerklub Capitals hinter der Bande, redet so. Nur sechs Wochen hatte er im Sommer Zeit, um eine Mannschaft zusammenzustellen – aus unerfahrenen Jugendlichen und Altstars wie dem 37-jährigen ehemaligen NHL-Profi Yvon Corriveau. Dennoch steht das Team nach 16 Spielen auf einem passablen fünften Platz. Das Ziel, Platz sechs und die Qualifikation für die Play-offs, ist also erreichbar. Trotzdem fordern einige Fans den Rauswurf des Trainers. Brockmanns Team kämpft nicht nur um Punkte, sondern auch gegen hohe Ansprüche.

Immerhin ist der Trainer bisher von schlechten Nachrichten verschont geblieben. In der vergangenen Spielzeit der Capitals wurde fast wöchentlich ein neues Finanzchaos bekannt. „Wir sind auf einem guten Weg, etwas Neues aufzubauen“, sagt Brockmann. Auch Präsident Michael Walter ist davon überzeugt, dass sich die Preussen bald wieder „einen Namen erarbeiten“ werden. „In den letzten 20 Jahren ist der Klub in die falsche Richtung geführt worden. Wir wollen ihn wieder aufs richtige Gleis rücken.“

Allerdings werde der Verein zu wenig von den Medien unterstützt, finden Fans und Verantwortliche. Deshalb sammeln die Anhänger Unterschriften für „mehr Sendezeit und Veröffentlichungen mit dem Schwerpunkt Eishockey und Berliner Schlittschuh-Club“. Dabei ist aber längst nicht jede Berichterstattung erwünscht. Vor der Saison erschien in der „Berliner Zeitung“ ein Artikel, der Zweifel am Erfolg des neuen Klubs anmeldete. „In dem Artikel wurden falsche Informationen verbreitet“, sagt Walter. Nun wolle man die Sache vor Gericht klären. Der betreffende Journalist wird dem Wunsch der Fans nach mehr Berichterstattung indes nicht mehr folgen können. Er hat inzwischen Hausverbot.

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