Berlin-Sport : Glücklich auseinander

Lleyton Hewitt und Kim Clijsters waren das Traumpaar des Tennis – jetzt spielen beide in Wimbledon

Benedikt Voigt[London]

Neulich begingen die Verantwortlichen des All England Lawn Tennis Clubs einen Fauxpas: Sie hatten der Belgierin Kim Clijsters und dem Australier Lleyton Hewitt auf dem Trainingsgelände im Aorangi Park benachbarte Plätze zugewiesen. Vor acht Monaten wäre das noch eine freundliche Geste gewesen, jetzt ist es eine folgenreiche Peinlichkeit. Als nämlich Clijsters ihren ehemaligen Verlobten erblickte, kehrte sie um und verlangte wütend einen anderen Platz. Glücklicherweise erfasste Tim Henman, ganz englischer Gentleman, die Situation und tauschte mit ihr spontan den Trainingsplatz.

Die beiden, die von der Öffentlichkeit dazu auserkoren waren, nach Steffi Graf und Andre Agassi das zweite Traumpaar des Tennissports zu werden, mögen sich nicht mehr sehen. Die Trennung im vergangenen Jahr tat ihrer jeweiligen sportlichen Form kaum einen Abbruch. Lleyton Hewitt besiegte gestern in Wimbledon im Achtelfinale den US-Amerikaner Taylor Dent mit 6:4, 6:4, 6:7 (6:8), 6:3. Er zählt zu den Favoriten auf den Wimbledontitel, den er 2002 bereits einmal gewonnen hat. „Ich kann definitiv noch gut spielen“, sagte der 24-Jährige, „ich bin gut vorbereitet auf Jungs wie Roger Federer.“ Nicht ganz so erfolgreich lief der Tag für Kim Clijsters. Sie unterlag der Weltranglistenersten Lindsay Davenport aus den USA in drei Sätzen mit 6:3, 6:7 (4:7), 6:3, der Siegerin von 1999. Vor Wimbledon hatte die Belgierin das Rasenturnier in Eastborne gewonnen.

Dass Clijsters so früh auf eine Favoritin traf, liegt an ihrer schlechten Platzierung in der Weltrangliste, die sie auf Platz 14 führt. Die 22-jährige Clijsters muss sich erst wieder nach oben kämpfen, nachdem sie im vergangenen Jahr wegen einer Handgelenksverletzung fast die gesamte Saison verpasst hat. „Das war schon seltsam, ich fühlte mich gar nicht verletzt, aber ich konnte nicht spielen.“ Erstmals in ihrer Karriere musste sie monatelang zu Hause bleiben und wurde depressiv. Hinzu kam auch noch eine Krebserkrankung ihrer Mutter.

Diese schwierige Phase zog auch ihre langjährige Beziehung zu Lleyton Hewitt in Mitleidenschaft. Irgendwann sagten beide die geplante Hochzeit ab. Seitdem finden beide ihr Glück unabhängig voneinander. Lleyton Hewitt ist bereits wieder die Nummer drei der Weltrangliste, er zählt nach einer schwächeren Phase in 2003 und 2004 wieder zu den besten Tennisspielern der Welt. Der Australier, der auf dem Platz schon einmal wütet und brüllt und Journalisten aus einer Pressekonferenz wirft, war schon einmal für 75 Wochen die Nummer eins der Tenniswelt. Dann löste ihn der Schweizer Roger Federer ab, der sich als seine größte Herausforderung erweist. Die letzten sechs Matches gegen den Weltranglistenersten hat er allesamt verloren. Doch Hewitt kann sich inzwischen auf diese Spiele konzentrieren, sein Privatleben ist bestens geordnet. Demnächst will er die australische Schauspielerin Bec Cartwright heiraten, beide erwarten im Oktober ihr erstes Kind.

Kim Clijsters ist in der schweren Zeit gereift. „Ich habe jetzt einen anderen Blick auf das Leben, besonders nach der Krankheit meiner Mutter“, sagt die Belgierin. Sie hat ihre Heimat in Belgien neu entdeckt, die Beziehung zu alten und neuen Bekannten und Freunden intensiviert. „Ich konnte Dinge tun, die ich sonst nie getan hätte“, sagte Clijsters, „wenn du positiv denkst, denn enden die Dinge auch positiv.“ Ihren größten Wunsch, erstmals ein Grand- Slam-Turnier zu gewinnen, konnte sie sich in Wimbledon noch nicht erfüllen.

Vielleicht ist das derzeit auch ganz gut so. Hätten beide letztlich das Turnier gewonnen, wäre es wohl unangenehm für sie geworden. Traditionell muss das Siegerpärchen in Wimbledon den Champions Ball eröffnen. Mit einem Tanz. Hewitt hat die Chance noch – nun vielleicht mit Lindsay Davenport.

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