Berlin-Sport : Goldene Hoffnungen

BHC will von den Hockey-Medaillen profitieren

Ingo Schmidt-Tychsen

Natascha Keller wird dieser Tage häufig angesprochen. „Eine schöne Sportart, die Sie da betreiben“, heißt es. Oder: „Herzlichen Glückwunsch zu dieser fantastischen Leistung.“ Mit der „schönen Sportart“ meinen die Leute, die Nationalspielerin Natascha Keller in Berlin ansprechen, Feldhockey, mit „dieser fantastischen Leistung“ den Olympiasieg der deutschen Frauen Athen.

Feldhockey ist dank der Bronzemedaille der deutschen Männer und dem überraschenden Triumph der Damen für eine kurze Weile in den Blickpunkt der Öffentlichkeit gerückt. Das wollen die Hockey-Funktionäre nutzen, um die Sportart längerfristig populärer zu machen. Zum Bundesliga-Saisonauftakt der Frauen und Männer des Berliner Hockey-Clubs (BHC) am Samstag kamen zwei Kamerateams in die Wilskistraße. In der vergangenen Saison kam höchstens mal eins. „Daran sieht man, dass es besser wird“, sagt Horst Buhr, Teammanager der Frauen und Männer beim BHC. Allerdings war nicht alles, was die beiden Lokalsender aufnahmen positiv: Zwar gewannen die Frauen mit 6:0 gegen Aufsteiger Frankfurt 1880, aber die Männer verloren nach bescheidener Leistung 1:4 gegen die Stuttgarter Kickers. „Unser Ziel ist es, Deutscher Meister zu werden“, sagt Natascha Keller, eine von drei Olympionikinnen im Kader des BHC. Die Männer spielen gegen den Abstieg: „Eigentlich ist unser Team nicht erstligatauglich“, sagt Trainer Frank Hänel. In Tibor Weißenborn hat Hänel nur einen Nationalspieler zur Verfügung, was bei einem jährlichen Etat von 180 000 Euro für die Mannschaften der Frauen und Männer zusammen allerdings kaum verwundert. In Berlin ist Hockey ein reiner Amateursport. Der Etat setzt sich hauptsächlich aus den Mitgliedsbeiträgen der Vereinsmitglieder zusammen und wird hauptsächlich für Reisen und Trainergehälter verwendet. „Mit den Medaillen im Rücken werden wir den Etat steigern“, sagt Horst Buhr optimistisch. „Endlich kommen Sponsoren mal auf uns zu, das kannten wir vorher nicht.“ Buhr glaubt, dass die Medaillen dem Sport längerfristig zu mehr Popularität verhelfen können. Dieter Schürmann glaubt das nicht. „14 Tage hält der Rummel um unseren Sport vielleicht noch an, dann wird das wieder abebben“, sagt der Manager der deutschen Nationalmannschaft. „Sponsoren legen Wert auf hohe Zuschauerzahlen und Medienpräsenz, beides gibt es im Hockey nicht und wird es auch so schnell nicht geben.“

Weißenborn will das Interesse an seiner Person einfach genießen, so lange es noch anhält. „Feldhockey ist ein Gefühl, ein wunderbares Gefühl. Geld ist dabei Nebensache.“

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