Berlin-Sport : Großer Traum im kleinen Becken

Obwohl sie das erste Spiel auswärts klar verloren haben, wollen Weddings Wasserballer nun den Aufstieg in eigener Halle schaffen

Claus Vetter

Ab und an haben sie in dieser Saison mal gegen die SG Neukölln gespielt. „Und da konnten wir ganz gut mithalten“, sagt Uli Häntschel. Spätestens seit dem Wochenende aber weiß der Kapitän von Wasserball-Zweitligist SC Wedding, dass gelungene Trainingsspiele gegen einen mittelmäßigen Bundesligisten keinerlei Aussagekraft für den Ernstfall haben. Dieser Ernstfall ist für die ambitionieren Weddinger eingetreten. Als zweitplatziertes Team der Zweiten Liga hatten die Berliner vor den Relegationsspielen zur Bundesliga vom Aufstieg gesprochen. Rote Erde Hamm, Vorletzter der Ersten Liga, scheint aber etwas dagegen zu haben. Im ersten Spiel der nach dem Modus „Best of three“ ausgetragenen Serie nämlich siegten die Westfalen im eigenen Becken derart souverän, dass Weddings Trainer Matthias Lorenz wenig Freude an seinem Job hatte: 4:13 hieß es aus Berliner Sicht. „Wir waren in allen Belangen chancenlos, das ist sehr ernüchternd“, sagte Lorenz.

Trotzdem, so ganz will sich der SC Wedding mit dem Scheitern in der Relegation nicht abfinden. Schließlich ist der Aufstieg für den Klub, der seit langem gute Nachwuchsarbeit leistet und in den vergangenen elf Jahren dreimal Deutscher Juniorenmeister wurde, für diese Saison fest eingeplant – allein, um dem Nachwuchs eine Perspektive im Verein zu bieten. In der Vergangenheit nämlich gingen nicht wenige Weddinger Nachwuchsspieler zum Serienmeister Spandau 04, Jens Pohlmann war der prominenteste von ihnen.

Kapitän Häntschel glaubt nun, dass der Heimvorteil im zweiten Spiel gegen Hamm am Sonnabend (18 Uhr) und in einem möglichen entscheidenden dritten Spiel am Sonntag (12 Uhr), ebenfalls in Wedding, die Wende bringen könnte. „Außerdem werden wir die Fehler, die wir in Hamm gemacht haben, nicht wiederholen, da sind wir in zu viele Konter geschwommen. Das Ergebnis ist viel zu deutlich ausgefallen.“ Und vielleicht bekommt der Gegner ja auch beim Anblick des Weddinger Beckens einen nachhaltigen Schrecken: Denn das Kombibad in der Seestraße ist mit 16,60 Metern in der Breite 3,40 Meter kleiner als gewöhnlich im Wasserball. Dazu kommt, dass sich schon 100 Zuschauer ganz schnell akustisch bemerkbar machen können in der kleinen Halle. Nur ein Heimspiel haben die Weddinger in dieser Saison verloren. „Ein drittes Spiel werden wir in jedem Fall herausholen“, glaubt Häntschel. Mit Optimismus allein dürfte das allerdings gegen den im ersten Relegationsspiel übermächtigen Gegnern kompliziert werden. Daher hat Trainer Lorenz für sein Team auch noch ein anspruchsvolles Vorbereitungsprogramm zusammengestellt. „Wir müssen uns das Selbstvertrauen zurückholen“, sagt er. Ausgerechnet in Tests gegen die Nationalmannschaft Australiens, die sich in Berlin auf die WM in Montreal vorbereitet hat, und gegen Spandau. Dass in diesen Partien am Dienstag und Donnerstag wohl kaum Weddinger Siege herausspringen dürften, ist anzunehmen. Völlig egal, wenn es dann am Wochenende gegen Hamm doch noch klappt.

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