Berlin-Sport : Hertha spielt Fußball

Noch fehlt den Berlinern ein Sieg, aber in zwei Spielen haben sie schon viel Positives angedeutet

Michael Rosentritt

Berlin - Zwei Spiele, nicht gewonnen, aber auch nicht verloren. Macht zusammen zwei Punkte, und das ist momentan Mittelmaß. So nüchtern ließe sich der Start von Hertha BSC in die Bundesligasaison in Zahlen pressen. Trotzdem sind der Manager, die Trainer und die Spieler der Berliner nicht unzufrieden. Das ist einerseits im Vergleich zur Vorsaison verständlich, als Hertha sehr viel schlechter startete. Andererseits gibt es eine ganze Menge positiver Anhaltspunkte, die sich nicht in Zahlen fassen lassen, sonder eher sehen und fühlen lassen.

„Wir sind wieder eine richtige Mannschaft“, sagt etwa Thorben Marx. Der Mittelfeldspieler fiel verletzungsbedingt fast die komplette Vorsaison aus und hatte daher einen weitgehend neutralen Draufblick auf atmosphärische Strömungen innerhalb des Teams, auf Eitelkeiten und Egoismen. Erst unter Trainer Hans Meyer traten diese Auswüchse wieder etwas in den Hintergrund, die Klasse wurde am vorletzten Spieltag der vergangenen Spielzeit gehalten. Die größte Veränderung lässt sich auf den neuen Trainer Falko Götz zurückführen, der seit dem Sommer den richtigen Nerv und Ton in seiner Ansprache an die Spieler gefunden hat. „Die Spieler können nachvollziehen, was der Trainer will“, nennt Manager Dieter Hoeneß das. Angedeutet habe sich das schon in der Vorbereitung. Jetzt, im aktuellen Spielbetrieb, registriere die Mannschaft, dass sie es wirklich kann.

Auch wenn es in beiden Spielen trotz jeweiliger Führung nicht zu Siegen reichte. „Nach dem Spiel gegen Bochum, das wir schon gewonnen glaubten, aber wieder aus der Hand gaben, ging es darum, uns wieder aufzurichten. Das ist uns in München eindrucksvoll gelungen. Wir haben den Punkt gewonnen“, sagte Falko Götz nach dem 1:1 beim FC Bayern. Gegen Bochum hätte die Mannschaft zwar zwei Punkte verschenkt, „aber jeder hat gesehen, dass wir Fortschritte im Spielaufbau gemacht und eine bessere Ordnung auf dem Platz haben“, sagt Kapitän Arne Friedrich. Sein Stellvertreter, Dick van Burik, sagt: „Wir haben eine ganz andere Ausstrahlung, wir wollen wieder füreinander arbeiten.“ Und, fügt Fredi Bobic hinzu, „vergessen wir nicht, dass wir die Punkte gegen des Vorjahresfünften und -zweiten geholt haben. Wir spielen einfach besser Fußball als vor einem Jahr.“

Vor allem im taktischen Bereich hat sich Hertha entwickelt. Sie ist flexibler. Die Mannschaftsteile verschieben sich gut, „nur müssen wir mal über 90 Minuten kompakt stehen“, sagt Hoeneß. Insgesamt wirkt die Spielanlage etwas reifer, und natürlich hebt die Verpflichtung des Brasilianers Gilberto die Qualität der Mannschaft. Vor allem profitiert Marcelinho von ihr, der als Spielgestalter entlastet wird und selbst zum Torabschluss kommt. „Wenn dann noch Bastürk und Reina zurückkehren, dann haben wir in der Offensive eine ganze Reihe von spielerischen Möglichkeiten mehr“, sagt Hoeneß. Schon jetzt erarbeitet sich Hertha viele Torchancen, doch treffen bisher wieder nur Mittelfeldspieler. Gilberto erzielte ein Tor, Marcelinho zwei.

Was fehlt, sind Stürmertore. Ein gefährliches Problem, wie das jüngste Abschneiden der deutschen Nationalmannschaft bei der Europameisterschaft in Portugal zeigte. Herthas 1:1 beim deutschen Rekordmeister ist von der Taktik, vom körperlichen Aufwand und vom Stellenwert her durchaus vergleichbar mit dem 1:1 der deutschen Elf gegen den Favoriten Holland. Was dann kam, ist bekannt. Viele Chancen, aber kein Tor gegen Lettland und ein Tor zu wenig gegen Tschechiens B-Auswahl.

Herthas nächste Gegner heißen TSV Aindling im DFB-Pokal am kommenden Samstag und FSV Mainz 05 eine Woche drauf in der Bundesliga. Das Spiel gegen die Mannschaft aus der Bayernliga werde „eine kleine Willensschulung“, sagt Fredi Bobic. Und in der Bundesliga gegen Mainz im eigenen Stadion „müssen wir gewinnen“. Dann wäre Herthas Saisonstart wirklich gelungen. Und der ließe sich dann auch in Zahlen ausdrücken.

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