Hollis Price : Ahnungslos zu Alba

Der 30-jährige US-Amerikaner Hollis Price kehrt erfreut, aber uninformiert zu Alba Berlin zurück und staunt über neue Kollegen und Regeln.

Helen Ruwald

Berlin - Ein Blick reichte, dann hatte Hollis Price erkannt, was sich in den vergangenen vier Jahren in Berlin getan hat. „Die Straße da hinten ist endlich instand gesetzt worden“, sagte der ehemalige und künftige Spielmacher von Alba Berlin gestern bei seiner Vorstellung unweit der Max-Schmeling-Halle lachend. Der Basketballprofi wohnt „fast im selben Appartement wie damals“, und überhaupt: „Es ist aufregend, wieder hier zu sein.“

Zuletzt stand der 30-jährige US-Amerikaner, der mit Marko Marinovic Albas Spiel lenken und nach dem Vorjahresdebakel endlich den Meistertitel nach Berlin schaffen soll, ein halbes Jahr bei den Artland Dragons Quakenbrück unter Vertrag. Beim Gastspiel in der Arena am Ostbahnhof begrüßten ihn die Berliner Fans mit alten Transparenten aus der Saison 2005/06, auf die sie sein Gesicht gemalt hatten. Price war gerührt, „ich dachte, das haben sie alles längst weggeworfen“.

Mit Spielintelligenz und Fröhlichkeit hatte er sich damals in die Herzen der Fans gespielt, die mit ihm litten, als der Hurrikan Katrina sein Haus in New Orleans zerstörte. Alba war wunderbar und Berlin wunderbar amerikanisch, doch Sevilla lockte mit mehr Geld und mehr Prestige, „so ist das Geschäft“. In Spanien und später in Vilnius, bei Dynamo Moskau und in Mailand war Alba nicht mehr als eine nette Erinnerung. Price hielt zu niemandem Kontakt und verfolgte Albas Spiele kaum. Dass er dennoch einen Einjahresvertrag unterzeichnet hat, liegt an seinem Berater. „Er macht alles. Ich lese den Vertrag, unterschreibe ihn und spiele Basketball.“

Im Sommer hielt er sich fit in Houston, wo er ein Haus besitzt, genoss das Leben mit seiner Familie – und beschäftigte sich weder mit Albas künftigem Kader noch mit Regeländerungen in der Bundesliga. Gestern vernahm er erstaunt und erfreut, dass auch Patrick Femerling nach Berlin zurückgekehrt ist. „Oh, das wusste ich nicht“, rief Price, „ich habe in Sevilla mit ihm zusammengespielt.“ Auch dass die Dreierlinie künftig um 50 Zentimeter verschoben wird, hatte sich angeblich nicht nach Texas herumgesprochen. „Ist sie künftig näher am Korb? Nein? Das ist schlecht“, meinte Price und mimte den tief Betrübten.

Sehr wohl bewusst ist er sich aber der Tatsache, „dass ich ein besserer Spieler geworden bin. Ich verstehe das Spiel besser.“ 2008 führte er Vilnius als Topscorer in die Zwischenrunde der Europaliga. Doch das Jahr in Litauen verlief nicht ohne Zwischenfälle. Price wurde Opfer eines wohl rassistisch motivierten Übergriffs. Die Medienberichte damals seien jedoch übertrieben gewesen, er sei nicht brutal zusammengeschlagen worden, betonte er. Unaufgeregt schilderte Price gestern den Vorfall, bei dem in der zunächst verbalen Auseinandersetzung ein Wort das andere gab, ehe körperliche Gewalt ins Spiel kam und auch er selber zuschlug. Umstehende griffen ein, Price blieb unverletzt.

Dass er Vilnius zum Saisonende verließ, lag freilich nicht an Sicherheitsbedenken, sondern daran, „dass sie weniger Geld geboten haben, als ich wollte“. Der Wechsel nach Moskau machte sich nicht bezahlt: Mehrere Klubs bekamen Zahlungsschwierigkeiten, Price verließ Dynamo vorsorglich nach wenigen Monaten. In Mailand blieb er nicht viel länger, „ich weiß nicht, warum sie mich nicht mehr wollten. Ich habe dann mehrere Jobs abgelehnt und mein neues Haus in Houston genossen.“ Mehr sagt er zu dieser Phase nicht, Geschäftsführer Marco Baldi spricht von „privaten Problemen“ des Amerikaners, die zu der längeren Auszeit bis zum Umzug nach Quakenbrück geführt hätten. Auf Artland folgt nun Alba. Und eines zumindest weiß auch Hollis Price, der Ahnungslose: Der Druck ist groß, „Alba will immer siegen“.

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