Berlin-Sport : Kampfsport am Beckenrand

Wasserball-Nachwuchs international chancenlos

Jörg Petrasch

Henry Thiedke hat für sich den perfekten Job gefunden. „Mit Jugendlichen zu arbeiten, macht Spaß. Man sieht schnell Lernfortschritte“, sagt der Nachwuchs-Nationaltrainer im Wasserball. Ein Zuwachs an Leistung ist aber auch nötig, damit die deutschen Junioren im internationalen Vergleich mithalten können – wenn sie sich überhaupt vergleichen dürfen. Kürzlich verweigerte der deutsche Verband der U20 die Teilnahme an der WM im Oktober in Argentinien, obwohl das Team sich qualifiziert hatte. Dem Verband war die Reise nach Südamerika zu teuer.

Zurzeit spielen die 17-jährigen Wasserballer der A-Jugend bei der EM in Sofia. Der große Erfolg blieb aber auch dort aus. Im entscheidenden Gruppenspiel verlor das Team mit 3:5 gegen die Niederlande. Nun spielen die Deutschen ab Mittwoch um Platz neun bis sechzehn.

Die Konkurrenz ist den Deutschen in der Entwicklung weit voraus, erklärt Thiedke. „Die können mehr trainieren, in vielen Ländern ist Wasserball Profisport.“ In Deutschland fehlen professionelle Strukturen in der Nachwuchsarbeit. Da stimmen Thiedke bescheidene Erfolge mit den A-Jugendlichen schon zufrieden. „Zum ersten Mal nach vier Jahren haben wir einen kompletten Jahrgang“, sagt er. Zuvor musste er die Mannschaft oft mit jüngeren Spielern auffüllen.

Seinen Spielern vermittelt der 45-jährige Berliner seine Idee vom modernen Wasserball. Sie beginnt mit einer vielseitigen Ausbildung, nicht nur im Becken. Auch Kampfsportarten wie Judo und Ringen, aber auch Übungen aus der Leichtathletik baut er in das Training ein. Davon profitieren momentan vier Berliner: Marko Stamm, Tobias Preuß, Sascha Knopp und Marcel Grylewicz – alle von den Wasserfreunden Spandau 04.

Thiedke hatte bei der EM auf den Einzug ins Viertelfinale gehofft. Die jungen Berliner ebenso, damit sie dem Ziel näher kommen, „vielleicht ins Ausland zu gehen und dort Geld zu verdienen“, wie Marko Stamm sagt. Die Voraussetzungen dafür könnte er haben. Sein Vater ist der ehemalige Nationalspieler und Männer-Bundestrainer Hagen Stamm.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben